«Kreuz» in Hohenrain: Beim 18-Millionen-Projekt geht es jetzt Schlag auf Schlag

Bistro, Dorfladen, Sozialprojekt: All das vereint der neue Begegnungsort in Hohenrain. Nun ist der Umbau gestartet.

Niels Jost
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Investor Daniele Obino (links) und Hans Steiner von der IG Chrüz im Erdgeschoss des ehemaligen Restaurants Kreuz in Hohenrain.

Investor Daniele Obino (links) und Hans Steiner von der IG Chrüz im Erdgeschoss des ehemaligen Restaurants Kreuz in Hohenrain.

Bilder: Nadia Schärli (25. März 2020)

Es macht einen verwaisten Eindruck, das ehemalige Restaurant Kreuz in Hohenrain. Seit geraumer Zeit lottert das markante Gebäude mit dem auffallend lachsfarbenen Anstrich am Dorfrand vor sich her. Trotz des tristen Zustandes: Die Pläne für das «Kreuz» sind weit fortgeschritten. Für rund 18 Millionen Franken soll hier ein neuer Begegnungsort für die 2400-Einwohner-Gemeinde entstehen, samt Bistro, Bar, Dorfladen, Mehrzweckraum, Postagentur und Arbeitsstätte für Menschen mit Beeinträchtigung.

Ein Augenschein zeigt: Beim Projekt geht es nun Schlag auf Schlag, und zwar wortwörtlich. Im Gebäude sind Hammerschläge und das Rattern von Spitzhämmern zu hören, Handwerker rücken in den oberen Stockwerken dem alten Putz und den Holzböden zu Leibe. «Bis auf die schützenswerten Bauteile führen wir das Gebäude in den Rohbau zurück», erklärt Daniele Obino. «Dadurch können wir die Gebäudestatik optimal analysieren.»

Daniele Obino zeigt Hans Steiner, welche Balken wegen der Statik ersetzt werden müssen.

Daniele Obino zeigt Hans Steiner, welche Balken wegen der Statik ersetzt werden müssen.

Zusammenarbeit mit Heilpädagogischer Schule

Obino, 61, aus Luzern, ist Inhaber der Novoreal AG mit Sitz in Luzern und hat die Liegenschaft jüngst von der Feldmann Projekte AG aus Muri erworben. Der diplomierte Bauingenieur führt durch das Erdgeschoss, wo dereinst Gäste im Bistro und an der Bar bedient werden sollen. Hier haben die Handwerker schon ganze Arbeit geleistet. Der grosse Raum präsentiert sich rau und rustikal – Rohbau halt. Gleichzeitig versprühen das alte Gebälk, der abgerundete Grundriss und die Aussicht einen gewissen Charme. «Es ist ein tolles Lokal und die Bausubstanz ist hervorragend», schwärmt denn auch Daniele Obino. «Mit dem richtigen Konzept wird das Haus zu einem Magnet für das Dorf und für Ausflügler.»

Das Konzept. Dieses ist es, welches das Projekt so einzigartig macht, zumindest für die Gemeinde. So sollen für den Dorfladen und das Bistro drei bis vier geschützte Arbeits- und zwei bis drei Ausbildungsplätze angeboten werden. Dies in Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogischen Zentrum Hohenrain (HPZH). «Damit wird den betroffenen Personen die Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben ermöglicht», sagt Hans Steiner. Er ist Initiator der IG Chrüz und Lehrer beim HPZH. Dort ist er für die Berufsbildung zuständig. «Wir sind stets auf der Suche nach neuen Arbeitsmöglichkeiten für unsere Jugendliche», sagt der 62-Jährige, der gleich neben dem ehemaligen Restaurant wohnt.

Kanton und IV finanzieren geschützte Arbeitsplätze

Das Projekt sei eine Win-win-Situation, da die Arbeitsplätze von der IV und die Ausbildungsplätze vom Kanton Luzern finanziert werden. Für den Betrieb im «Kreuz» fallen dadurch keine zusätzlichen Lohnkosten an.

Wer den Betrieb dereinst führen soll, ist noch unklar. Fest steht, dass diejenige Person künftig von der Genossenschaft angestellt ist, welche Mitte Juni gegründet wird und die IG ablösen soll. Steiner sucht aktuell nach Mitgliedern für den Vorstand. Dieser soll sich aus Vertretern der Gemeinde, der Vereine, des HPZH und aus Genossenschaftern zusammensetzen. Ebenso klar ist, dass im Bistro und Laden regionale Produkte angeboten werden. «Damit erhalten Landwirte und andere Produzenten aus der Umgebung eine Plattform.»

Der Gastrobetrieb soll in etwa zwei Jahren öffnen.

Der Gastrobetrieb soll in etwa zwei Jahren öffnen.

Eigentümer Obino ist offen für jegliche Umsetzung

Steiner ist froh, dass Investor Daniele Obino die Visionen der IG mitträgt. Dies zeigt sich auch bei unserem Rundgang. Obschon Obino erst seit Februar im Projekt involviert ist, scheint er für jede Idee offene Ohren zu haben. «Überhaupt kein Problem» oder «Das lösen wir schon», erwidert der Immobilienentwickler jeweils auf die Vorschläge Steiners, als sie die Raumanordnung und weitere Einzelheiten besprechen.

Woher kommt diese Gelassenheit? «Ich habe viel Erfahrung mit ähnlichen Projekten», sagt Obino und nennt aktuelle Beispiele aus Büron, Sursee, Dagmersellen und solche ausserhalb des Kantons. Auch den anspruchsvollen Umbau des als erhaltenswert eingestuften Gebäudes sieht er als keine grosse Herausforderung. «Nichts ist unmöglich», sagt Obino und lacht verschmitzt.

Die Hälfte der Wohnungen ist bereits verkauft

Zusätzlich zum Umbau des ehemaligen Restaurants entstehen zwei Neubauten: Die eine ersetzt den Anbau an das «Kreuz», wo heute der leerstehende Laden drin ist, die andere kommt an die Stelle des ehemaligen Gemeindehauses. Zwischen den Gebäuden ist ein neuer Begegnungsplatz samt Dorfbrunnen vorgesehen. Total entstehen 12 Miet- und 18 Eigentumswohnungen mit 2,5 bis 5,5 Zimmern. Laut Obino sind neun der Eigentumswohnungen bereits verkauft. Trotzdem: Eine «Gelddruckmaschine» sei das Projekt nicht. Ohnehin sei seine Motivation für das Projekt nicht eine möglichst hohe Rendite. «Ich mag spannende Herausforderungen und möchte mit meinem Wirken einen Fussabdruck hinterlassen.»

Dieser Teil des Gebäudes, in dem sich früher die Hinterräume des Dorfladens befanden, wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Dieser Teil des Gebäudes, in dem sich früher die Hinterräume des Dorfladens befanden, wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Läuft alles nach Plan, kann der Abriss des Anbaus und des alten Gemeindehauses diesen Sommer starten. Die Bauzeit beträgt dann rund eineinhalb Jahre. Hans Steiner ist zuversichtlich: «Das Projekt wird dem ganzen Dorf dienen.»

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