KREUZ-STREIT: Katholiken kommen nur wenige

Ursprünglich gab es keine christlichen Symbole in den Friedhofshallen im Friedental. Heute spenden sie vor allem Reformierten Trost.

Simon Bordier
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Pascal Vincent, Leiter städtische Friedhöfe (links), und Cornel Suter, Leiter Stadtgärtnerei, in der Einsegnungshalle des Friedhofs Friedental in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Pascal Vincent, Leiter städtische Friedhöfe (links), und Cornel Suter, Leiter Stadtgärtnerei, in der Einsegnungshalle des Friedhofs Friedental in Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Simon Bordier

Gemäss den Plänen des Luzerner Stadtrats soll der Friedhof Friedental saniert werden und ein konfessionsneutrales Erscheinungsbild erhalten. Heute steht in der Abdankungshalle ein grosses Wandgemälde, auf dem Jesus am Kreuz und Engel zu sehen sind. Auch in der Einsegnungshalle hängt ein Kreuz. Gegen deren Abdeckung regt sich Widerstand (siehe Box).

Laut Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei, finden jährlich rund 620 Rituale und Trauerfeiern im Friedental statt. Häufig nutzt die reformierte Kirche die Räumlichkeiten. «In der Regel begrüsse ich die Trauergemeinde in der Einsegnungshalle», erklärt Beat Hänni, Pfarrer der Matthäuskirche, Luzern. Danach begebe man sich zur Beisetzung des Toten. Zum Schluss werde in der Abdankungshalle eine Trauerfeier abgehalten. Man sei allerdings bemüht, vermehrt Feiern in der Kirche durchzuführen, so Hänni. «Die Verstorbenen sollen möglichst dort verabschiedet werden, wo sie zuletzt gelebt haben.» Im Abdankungsraum sei der Tod präsent, die Kirche ermögliche als «Ort des Lebens» lichte Kontrapunkte. Das Kreuz in der Abdankungshalle sei allerdings nicht störend, so Hänni. «Es ist ein starkes Symbol, welches das Leiden aufnimmt und zeigt, dass wir nach dem Tod in eine neues Leben gerufen werden.» Letztlich werde aber jede Beerdigung individuell ausgestaltet.

Katholiken feiern in der Kirche

Bei den Katholiken findet die Trauerfeier oft vor der Beisetzung statt, erklärt Burghard Förster, Diakon der Kirchen St. Anton und St. Michael und Mitglied der Friedhofskommission. «Die Feier wird üblicherweise in einer Kirche oder Kapelle abgehalten.» Danach versammle man sich in der Einsegnungshalle des Friedhofs, zuletzt erfolge die Beisetzung. Jede Feier erfordere viel Fingerspitzengefühl, auch bezüglich der Symbolik. «Es ist schön, wenn man auf ein Kreuz verweisen kann.» Aber man könne auch mit anderen Symbolen arbeiten, beispielsweise mit einer Kerze als «Licht der Auferstehung und des Lebens».

Laut Pascal Vincent, Leiter städtische Friedhöfe, werden vermehrt auch Trauerfeiern von frei schaffenden Seelsorgern, Hindus und Muslimen in der Abdankungshalle abgehalten. Dabei sorgten die christlichen Symbole hin und wieder für Diskussionen. Diese liessen sich nur notdürftig abdecken. Und: «Viele Angehörige würden gerne Musik ab einem USB-Stick abspielen oder eine Powerpoint-Präsentation zeigen», so Vincent. Dies lasse die veraltete Infrastruktur nicht zu.

Ursprünglich konfessionsneutral

Der Friedhof wurde 1885 eingeweiht. Die revidierte Bundesverfassung von 1874 habe bei der Planung eine wichtige Rolle gespielt, erklärt Mathias Steinmann, Leiter Bauinventar bei der kantonalen Denkmalpflege. Demnach sollte allen Staatsangehörigen eine «schickliche Bestattung» garantiert werden, unabhängig von der Religion.

Die beiden tempelartigen Pavillons beim Haupteingang, in denen sich die Friedhofshallen befinden, seien bewusst konfessionsneutral gestaltet worden, so Steinmann. In dem vom Parkplatz aus gesehen linken Pavillon befand sich einst die Dienstwohnung des Friedhofswärters. «Erst 1917 wurde die Wohnung in eine Abdankungshalle umgebaut.» Das Wandgemälde wurde noch später erstellt. Laut Theresia Gürtler, Ressortleiterin Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt, wurde es 1929 vom Stadtrat beim Luzerner Künstler Eduard Renggli in Auftrag gegeben.

FDP-Mitglieder im Komitee

rk. «Kein Bildersturm im Friedental»: So heisst das Komitee, das sich für die Erhaltung der christlichen Symbole in der Abdankungs- und der Einsegnungshalle einsetzt. Treibende Kraft ist die CVP, welche die neutrale Ausgestaltung der beiden Hallen im Stadtparlament zusammen mit der SVP harsch kritisiert hatte. Im Komitee vertreten sind denn auch vor allem CVP- und SVP-Politiker.

«Religion ist Privatsache»

Seit neustem sind auch zwei FDP-Vertreter im Komitee. Dabei hatte sich die FDP im Parlament klar für religionsneutrale Friedhofshallen eingesetzt. Bei den beiden Komiteemitgliedern der FDP handelt es sich um Kantonsrat Daniel Wettstein und Karin Ruckli, Präsidentin der FDP-Frauen und Vorstandsmitglied der Stadtpartei. FDP-Präsident und Grossstadtrat Fabian Reinhard sagt dazu: «Religion ist Privatsache. Ich will diesbezüglich niemandem etwas vorschreiben.» In der FDP-Fraktion im Stadtparlament sei man aber nach wie vor der Meinung, dass die Friedhofshallen neutral sein sollten. Man sei aber auch offen für einen Kompromiss, etwa einen Vorhang, mit dem man die Symbole bei Bedarf abdecken kann.

Referendum gegen Reglement

Gemäss Komitee-Präsident Lukas Steffen wird man demnächst mit dem Sammeln von Unterschriften beginnen. Ziel ist, das Referendum gegen die Teilrevision des Friedhof- und Bestattungsreglements zu ergreifen. In diesem Reglement ist zwar von einer neutralen Ausgestaltung der Friedhofshallen gar keine Rede – das wird nur im Bericht und Antrag ans Stadtparlament in einem Satz erwähnt. Doch mit dem Referendum will das Komitee erreichen, dass das Reglement erneut überarbeitet wird – diesmal aber mit dem Zusatz, dass die christlichen Symbole in den beiden Hallen bestehen bleiben müssen. Das heisst, die Symbole dürfen nicht entfernt oder dauerhaft versteckt werden. Eine Vorhanglösung wäre gemäss Lukas Steffen aber völlig in Ordnung.