KRIENS: 115 Rennfahrer feierten den Schlosskauf

Vor 50 Jahren retteten die Krienser «ihr» Schlössli Schauensee. Ein Buch blickt auf dessen Geschichte zurück.

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Bild vom Seifenkistenrennen im Juni 1966 unterhalb des Schlosses Schauensee. (Archivbild LNN / Ernst Scagnet)

Bild vom Seifenkistenrennen im Juni 1966 unterhalb des Schlosses Schauensee. (Archivbild LNN / Ernst Scagnet)

Strohballen, dicht gedrängte Zuschauer, ein junger helmbewehrter Rennfahrer in voller Fahrt, dahinter als Kulisse das Schloss Schauensee: Das Foto vom 27. Juni 1966 aus den «Luzerner Neusten Nachrichten» ist eindrücklich. Es zeigt einen Schnappschuss vom «Grossen Preis von Schauensee», wie die LNN damals titelte. An einem regnerischen Samstag rasten 115 Mädchen und Buben in einem Seifenkistenrennen den Weg unterhalb des Schlosses Schauensee herunter – vor 7000 (!) Zuschauern. Ein Hauch Formel-1-Atmosphäre in Kriens.

Das Foto ist eine von vielen historischen Aufnahmen aus dem soeben erschienenen Buch «Schauensee – Eine Schlossgeschichte». Die Historiker Silvia Hess und Benjamin Hitz erläutern darin anschaulich die Entwicklung des Schlosses – von den Anfängen im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert.

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Gemeinde zahlte 1,5 Millionen

Ein grosses Kapitel ist dem Erwerb des Schlosses 1963 durch die Gemeinde Kriens gewidmet. Angeführt von Alexander Wili, dem Gründer des Krienser Einwohnerrats, zogen damals 2000 Krienser nach Luzern vors Regierungsgebäude, um gegen den Verkauf des Schlosses an eine Immobilienfirma zu protestieren. Mit Erfolg. Die Familienstiftung (Fideikommiss) der alteingesessenen Besitzerfamilie Meyer überliess Schauensee schliesslich der Gemeinde Kriens – für 1,5 Millionen Franken. Die «Schlösslirettung» wurde 1966 mit einem zweiwöchigen Schlössli-Fest gefeiert – inklusive Seifenkistenrennen.

Das Buch ist historisch fundiert und zeigt unter anderem die diversen Baustadien der Burganlage bis zum grossen Umbau 1750, als Schloss Schauensee sein heutiges Aussehen erhielt. Die Autoren räumen auch mit einigen bisherigen Ansichten auf. So habe die Burganlage trotz ihrer mächtigen Steinmauern nur einen geringen militärischen Wert gehabt und nicht, wie frühere Autoren behaupteten, zusammen mit anderen Burgen (darunter Obernau) «den Weg über den Brünig dominiert».

Im 14. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben und als einfacher Bauernhof genutzt. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Anwesen von Hans von Mettenwyl erworben, der als Söldner-Hauptmann später pleiteging.

Viele Legenden

Viele aufsehenerregende Geschichten ranken sich um Schloss Schauensee. Die meisten von ihnen verweisen die Autoren ins Reich der Legenden, so etwa den angeblichen Besuch Franz von Assisis 1215. Auch dass Niklaus von Flüe einst hier nächtigte, sei höchst unwahrscheinlich. Zur fraglichen Zeit, in den 1480er-Jahren, sei Schauensee nämlich lediglich eine Ruine gewesen.

Gesichert sind Besuche von Heinrich Pestalozzi, Johann Caspar Lavater und Paul Usteri. Ab 1916 wurde Schloss Schauensee vermietet. Erste Mieterin war Emanuele Schweizer, eine Frauenrechtlerin und Homöopathin mit abenteuerlicher Vita, die später verarmte und in eine einfache Wohnung in Luzern zog. Letzter Mieter (von 1959 bis 1963, für 4200 Franken Jahresmiete) war Privatbankier Ernst Brunner; er beging 1970 nach dem Konkurs seiner Bank Suizid. Heute kann man das Schloss für Familien- und Betriebsanlässe mieten.

HINWEIS:
Das Buch kostet 35 Franken und ist in Buchhandlungen und einigen Krienser Geschäften erhältlich. Herausgeber: Pro Schauensee Kriens und Museum im Bellpark Kriens. Das Bellpark-Museum zeigt bis Frühling 2014 eine Ausstellung zum Buch.