KRIENS: Andritz erweitert Geschäftsfeld

Andritz Hydro Schweiz übernimmt von der ABB die Service-Sparte für Elektrogeneratoren. Das neue Geschäft sowie interne Verschiebungen schaffen in Kriens neue Arbeitsplätze.

Rainer Rickenbach
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Co-Geschäftsleiter der Andritz Hydro AG Heinz Duner (rechts) und Finanzchef Peter Thomann zwischen Turbinen für Wasserkraftwerke in der Produktion in Kriens. (BIld Dominik Wunderli)

Co-Geschäftsleiter der Andritz Hydro AG Heinz Duner (rechts) und Finanzchef Peter Thomann zwischen Turbinen für Wasserkraftwerke in der Produktion in Kriens. (BIld Dominik Wunderli)

Beim Wasserturbinen-Hersteller in Kriens sind gleich zwei Umwälzungen im Gang. Zum einen übernimmt Andritz Hydro von der ABB das Service-Geschäft für Hydro-Generatoren. Die bisher in Baden tätigen 24 Mitarbeiter werden bis Ende Jahr in den Schweizer Hauptsitz des österreichischen Energietechnologie-Konzerns in Kriens umziehen. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden.

Zum andern sortiert sich der Konzern in der Schweiz intern neu: Die bisher in Zürich angesiedelte Forschungs- und Entwicklungsabteilung wird nach Kriens verlegt. 21 der Arbeitsplätze wurden nach Kriens verlegt, 8 weitere zum zweiten Standbein in Vevey. Die Mitarbeitenden sind bereits seit Montag an ihren neuen Arbeitsplätzen am Werk. Alles in allem entstehen durch die Verschiebungen in Kriens 45 neue Arbeitsplätze.

Strombranche steht unter Druck

Von den Neuerungen versprechen sich Co-Geschäftsführer Heinz Duner und Finanzchef Peter Thomann eine stärkere Stellung in einem Markt, der zurzeit stark unter Druck steht. Die wichtigsten Schweizer Kunden der Krienser sind grosse Energiekonzerne wie Axpo oder Alpiq, und die haben schwer mit den Folgen der Stromliberalisierung und einer angestrebten Energiewende zu kämpfen, welche momentan mehr Fragen aufwirft, als Antworten liefert.

Wie sehr die Energiekonzerne unter der Verunsicherung und dem Margendruck leiden, macht etwa ihr Rückzug aus dem Sportsponsoring deutlich: Vor zwei Jahren wandte Axpo der Fussball-Super-League den Rücken zu, kürzlich gab Alpiq bekannt, den Vertrag mit dem Skiverband nicht mehr zu verlängern. «Die Verunsicherung in der Branche bekommen wir als Zulieferer eins zu eins zu spüren», sagt Andritz-Hydro-Finanzchef Peter Thomann.

Wo eine Krise im Gang ist, eröffnen sich freilich auch Chancen. Denn Andritz Hydro hat sich mehr und mehr auf den Unterhalt und die Modernisierung von Wasserkraftwerken spezialisiert. Davon gibt es in der Schweiz 700, die meisten davon sind im Voralpen- und Alpenraum. «Wegen der Gewinneinbrüche sind die grossen Wasserkraftwerk-Betreiber zwar finanziell zurzeit nicht in der Lage, neue Anlagen zu errichten. Doch sie investieren dafür umso mehr in die Modernisierung ihrer bestehenden Werke, um sie wirkungsvoller nutzen zu können», sagt Co-Geschäftsführer Heinz Duner.

Zwei Herzstücke aus einer Hand

Als grosser Anbieter im Service-Geschäft hat Andritz Hydro nach dem Deal mit der ABB sehr gute Karten. «Für unsere Kunden sind wir nicht mehr nur der Service- und Modernisierungsspezialist für Turbinen, sondern neu auch für Generatoren – also für die beiden Herzstücke einer Wasserkraftanlage. Wir sind die einzigen in der Schweiz, die beides aus einer Hand anbieten», sagt Duner. In Kriens sei nun das Wissen für die ganze Wertschöpfungskette neu auch für Generatoren vorhanden: von Forschung und Entwicklung über das Engineering und die Produktion bis hin zur Montage.

Mit den Neuzugängen von der ABB und der konzerninternen Verlagerung wachsen am Schweizer Hauptsitz vor allem die Abteilung mit den Forschern, Entwicklern und Projektingenieuren. «Das sind hochwertige Arbeitsplätze. Es ist wichtig, sie nahe bei der Produktion und den Geschäftsprozessen zu haben», sagt Finanzchef Peter Thomann. Einen weiteren Vorteil bringt die Standortkonzentration mit der Nähe von Planung und Herstellung in Kriens (neu zirka 400 Mitarbeitende) und Vevey (neu 130 Mitarbeitende) mit sich, wenn die Kunden Speziallösungen bestellen. Mit den kurzen Gehdistanzen zwischen den verschiedenen Abteilungen fällt es leichter, kurze Lieferzeiten anzubieten und einzuhalten.

Der Schweizer Ableger von Andritz Hydro beschränkt sich indes nicht nur auf den Binnenmarkt. Von Vevey aus betreut der Konzern vor allem die internationalen Kunden in den frankofonen Ländern wie Frankreich selbst und Teile Afrikas. Dazu gesellen sich einige Länder in Südamerika und Südostasien.

Gebäudesanierung abgeschlossen

Heinz Duner wertet diese Neuorganisation als «ein Bekenntnis des Konzerns zum Schweizer Markt und zum Standort Kriens». Dafür gab es allerdings schon zuvor einen deutlichen Hinweis: Denn rund 5 Millionen Franken investierte der Konzern während der zurückliegenden rund zwölf Monate in die Gebäudesanierung der ehemaligen Maschinenfabrik Bell. Weitere Modernisierungen stehen bereits auf dem Plan, sind allerdings bislang noch nicht terminiert. Duner: «Als Nächstes schliessen wir die Investitionen in die Robotertechnologie ab. Das ist wichtig für unsere Konkurrenzfähigkeit am internationalen Markt.»