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KRIENS: Besitzer musste zu Unrecht ins Zuchthaus

Vor 99 Jahren gab es im Hotel Himmelrich einen Zimmerbrand. Für den Hotelbesitzer Josef Hügi hatte das Feuer fatale Folgen.
Rainer Rickenbach
Gäste und Angestellte stehen 1911 für den Fotografen stramm. (Bild: Sammlung Seppi Zemp)

Gäste und Angestellte stehen 1911 für den Fotografen stramm. (Bild: Sammlung Seppi Zemp)

das neue, 1989 eröffnete «Himmelrich». (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

das neue, 1989 eröffnete «Himmelrich». (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Das Hotel Himmelrich oberhalb von Kriens war vor hundert Jahren ein respektables Gästehaus. Es gab dort 20 Zimmer mit 25 Betten, eine Restauration und eine von Laubbäumen gesäumte Gartenwirtschaft. Unsere Ansichtskarte zeigt die touristische Anlage im Jahre 1911. Vor dem Gebäude und hinter den Fenstern stehen
Personal und Gäste für den unbekannten Fotografen stramm.

Chilbi mit «Küchli und Schenkeli»

Für den Chilbi-Sonntag vom 20. Oktober 1912 kündigte die Besitzerfamilie Hügi in einem Zeitungsinserat «musikalische Unterhaltung» an. Aus der Küche gab es Rippli mit Sauerkraut und fürs Zwischendurch «gute Küchli und Schenkeli». Die Tanzmuffel konnten sich beim Kegeln vergnügen.

Das geht aus dem spannenden Buch «Krienser Kulturzeugen – Gasthäuser einst und jetzt» hervor, das Jürg Studer vor einer Woche präsentierte*. «Das Hotel mit seiner exzellenten Aussicht auf Luzern hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich», schreibt der Buchautor zum «Himmelrich», das bis 1930 «Himmelreich» genannt wurde. Damit übertreibt Studer bestimmt nicht. Vor allem das Schicksal von «Himmelrich»-Besitzer Josef Hügi sorgte im Luzern der 1920er für Aufsehen. Er war das Opfer eines veritablen Justizirrtums.

Vermögen und Freiheit verloren

Der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene Schötzer Josef Hügi brachte es als fleissiger Geschäftsmann zu Wohlstand und führte von 1909 bis 1913 mit seiner Familie das Hotel Himmelrich. Zum Verhängnis wurden ihm zwei Brände: 1912 brannte das Pensionsgebäude ab, wenig später kam es zu einem folgenschweren Zimmerbrand. Nach dem ersten Feuer verlor Hügi sein Vermögen, nach dem zweiten seine Freiheit. Denn die Polizei stellte beim Zimmerbrand Brandstiftung fest, und verantwortlich dafür machte das Gericht den Hausherrn. Über ihn kursierte schon nach dem ersten Brand das Gerücht, er aber das Feuer selbst gelegt, um die Versicherungsprämie zu kassieren. Er wurde gemieden, seine Geschäfte liefen schlecht. Nach dem zweiten Feuer nährte ausgerechnet Hügis zweite Ehefrau den Verdacht, sie schwärzte ihn bei den Behörden an. Das genügte den Richtern: Der inzwischen hoch verschuldete Geschäftsmann musste für zweieinhalb Jahre ins Zuchthaus, obwohl er stets seine Unschuld beteuerte.

Nach seiner Freilassung hatte das Urteil indes ein Nachspiel. Verschiedene Rechtsexperten – einer sogar aus Hamburg – setzten sich für den Verurteilten ein und warfen dem Gericht vor, Hügi mit unzulänglichen Beweisen hinter Gitter gebracht zu haben. Die Luzerner Zeitungen berichteten gross über den zweifelhaften Richterspruch. In den 1920er-Jahren wurde Hügi tatsächlich rehabilitiert. Genützt hat es ihm nicht mehr viel: Der 70-jährige Mann war gebrochen und hatte sein ganzes Vermögen verloren.

Geschlossen und wiedereröffnet

Am 29. Mai 1984 brannte es im «Himmelrich» erneut. Das Gebäude stand damals allerdings leer und der Feuerwehr gelang es rasch, das Feuer zu löschen. Das Gerücht, ein unbekannter Mann sei beim Brand ums Leben gekommen, hielt sich danach hartnäckig, eine Leiche wurde aber nie gefunden.

Nachdem der Gersauer Immobilienkönig Meinrad Camenzind das «Himmelrich» gekauft, umgebaut und 1989 eröffnet hatte, folgten Jahre mit zahlreichen Schliessungen und Wiedereröffnungen.

Seit über zwei Jahren herrscht im «Himmelrich» wieder Konstanz, der Gastronom Afrim Baftiroski, der unter
anderem das Jailhotel betreibt, hat nun dort das Sagen. Er ist vor allem im Gruppengeschäft mit Touristen tätig.

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