Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KRIENS: Bypass: Bund will Häuser als Lärmschutz

Im Ringen um einen besseren Lärmschutz in Kriens macht das Bundesamt für Strassen einen neuen Vorschlag. Es sagt damit zwar Nein zur Überdachung eines längeren Autobahnstücks – stösst aber trotzdem auf offene Ohren.


Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Es könnte der Durchbruch sein im Streit um den Krienser Autobahnlärm. Zumindest schlagen die Bypass-Gegner nun leisere Töne an. Der Grund: Bund, Kanton Luzern und Gemeinde Kriens haben zusammen einen Lösungsvorschlag erarbeitet. Sie zeigen auf, wie der zusätzliche Verkehrslärm, welcher durch das Autobahnprojekt Bypass entsteht, reduziert werden kann. Die wichtigsten Eckwerte:

  • Die Grosshofbrücke beim Südportal des Sonnenbergtunnels wird auf einer Länge von 240 Metern überdacht. Der offene Autobahnabschnitt zwischen den Tunneln Sonnenberg und Schlund erhält punktuell ein Dach.
  • Entlang der Autobahn können Häuser gebaut werden, welche die Funktion einer Lärmschutzwand übernehmen.
  • Finanziert werden soll der Lärmschutz nicht primär von der öffentlichen Hand, sondern indirekt von Investoren. Das Land, auf dem die Lärmschutzhäuser gebaut werden sollen, gewinnt durch das neue Potenzial an Wert. Maximal 20 Prozent davon kann von der Gemeinde abgeschöpft werden. Damit könnte ein beträchtlicher Teil des Lärmschutzes finanziert werden.

Am Mittwoch wurden Parteien, Quartiervereine und das Komitee «Bypass – so nicht» vom Bundesamt für Strassen (Astra), dem Kanton und der Gemeinde Kriens über die Pläne informiert. Gestern wurde die Öffentlichkeit ins Bild gesetzt. Beim Astra betont man, dass es sich um Zwischenergebnisse einer städtebaulichen Potenzialanalyse handle. Nähere Auskünfte wollte Projektleiter Thomas Kloth auf Anfrage nicht erteilen. Die Ideen würden bis im Sommer vertiefter geprüft.

«Ein Schritt in die richtige Richtung»

Mit seinem Vorschlag kommt das Astra den Krienser Anliegen entgegen. Bisher war es nur bereit, die Grosshofbrücke zu überdachen. Eine weitere Einhausung der Autobahn sei technisch kaum machbar und würde zu Mehrkosten von 540 Millionen Franken führen, wurde argumentiert. Der Bypass kostet rund 1,7 Milliarden (siehe Box). Nun hat das Astra einen Weg gefunden, den Lärmschutz zu verbessern, ohne dass das Projekt massiv teurer wird.

Der Krienser Gemeinderat war in der Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter von Bund, Kanton und Luzern Plus mitwirkten. Eine offizielle Haltung dazu werde nun im Gemeinderat erarbeitet, sagt Gemeindepräsident Cyrill Wiget (Grüne). «Es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Die Vorschläge finden wir grundsätzlich zielführend.» Als eigentlichen Befreiungsschlag bezeichnet er die Einführung der Mehrwertabschöpfung auf Anfang dieses Jahres. Damit dürfte sich ein grosser Teil des Lärmschutzes finanzieren lassen. Wer allfällige noch nicht gedeckte Kosten tragen würde, sei noch nicht klar. Die Arbeitsgruppe will nun das Gespräch mit möglichen Investoren für die Bauten entlang der Autobahn suchen. «Ob wir bereits das Optimum erreicht haben, ist noch offen», sagt Wiget. Mit dem Vorschlag des Astra wird nur etwa ein Viertel der Autobahn überdacht. Kriens hatte wesentlich mehr gefordert. Wiget: «Bund, Kanton und Luzern Plus bleiben deshalb weiterhin in der Verantwortung.»

Räto Camenisch, Vizepräsident des Komitees «Bypass – so nicht» und SVP-Einwohnerrat war an der Informationsveranstaltung am Mittwochabend dabei. Noch sei es schwierig, eine Stellungnahme zu den neuesten Plänen abzugeben, sagt er auf Anfrage. Das Komitee, dem alle Krienser Parteien angehören, wird die Pläne am nächsten Donnerstag besprechen. Doch die Wortwahl Camenischs lässt tief blicken. Mit markigen Worten hat er bisher den Bypass bekämpft, zu wenig würden die Krienser Anliegen berücksichtigt. Nun sagt Camenisch: «Die Autobahn wird so in unsere Gemeinde eingebettet, dass sie weniger stört.» Der Vorschlag des Astra sei «besser als nichts – und finanzierbar».

Der Vorschlag hat einen Haken

Das Komitee hat bisher gefordert, dass die Autobahn vom Sonnenberg-Südportal bis mindestens zur Arsenalbrücke überdacht wird. Diese Variante dürfte nun definitiv vom Tisch sein, glaubt Räto Camenisch. Der Einsatz des Komitees habe sich dennoch gelohnt: Die Grosshofbrücke beim Sonnenbergtunnel schaffe für die Gemeinde einen Mehrwert und das Astra habe sich nun ernsthaft mit den Auswirkungen der Autobahn auf die Gemeinde Kriens befasst. «Mehr kann man wahrscheinlich nicht herausholen.»

Einen grossen Haken habe der Vorschlag aber: Das Astra wäre nicht mehr materiell an der Lösung der Lärmproblematik beteiligt, dies würde zur Aufgabe der Gemeinde. Zudem würden die Häuser entlang der Autobahn von privaten Investoren realisiert. Sie entscheiden selbst, wann sie mit dem Bau starten. Es könnten «20, 30, vielleicht sogar 40 Jahre vergehen», sagt Camenisch. Aus seiner Sicht der heikelste Punkt: «Ich bin skeptisch, ob das Astra uns nicht einfach mit einem Plan abspeist und dann jahrelang nichts passiert.»

So stellt sich der Bund das Bypass-Tunnelportal in Kriens vor. Die Gemeinde fordert eine längere Überdachung. (Bild: Visualisierung PD)

So stellt sich der Bund das Bypass-Tunnelportal in Kriens vor. Die Gemeinde fordert eine längere Überdachung. (Bild: Visualisierung PD)

Bereich unter Brücke: Blick vom Skaterpark Richtung Kletterhalle und Lift. (Bild: PD/ Visualisierung Astra)

Bereich unter Brücke: Blick vom Skaterpark Richtung Kletterhalle und Lift. (Bild: PD/ Visualisierung Astra)

Der Plan der neuen Brücke in Kriens aus der Vogelperspektive. (Bild: PD/ Visualisierung Astra)

Der Plan der neuen Brücke in Kriens aus der Vogelperspektive. (Bild: PD/ Visualisierung Astra)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.