KRIENS: Daten-Künstler gewinnt Förderpreis

Statt auf Leinwände zu malen oder Skulpturen zu formen, benutzt Lukas Geisseler (31) Daten und Statistiken für seine Kunst. Nun erhält er dafür den Krienser Förderpreis für Kunst und Kultur 2016.

Drucken
Teilen
Lukas Geisseler im Atelierhaus «Tat-Ort» in der Bernstrasse. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Dezember 2016))

Lukas Geisseler im Atelierhaus «Tat-Ort» in der Bernstrasse. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Dezember 2016))

Wir treffen den in Kriens wohnhaften Künstler im Atelierhaus «Tat-Ort Bernstrasse», dem zwischengenutzten Bürogebäude an der Bernstrasse 94 in Luzern. Hier hat Lukas Geisseler einen kleinen Raum gemietet. Denn der Künstler ist nicht etwa ein Maler, der grosse Flächen braucht: Seine Kunst ist mit viel Recherche verbunden und entsteht zunächst auf dem Computer, bevor sie vielleicht an der Wand bestaunt werden kann. Für sein Werk hat der Künstler nun den Förderpreis der Gemeinde Kriens erhalten, welcher mit mindestens 5000 Franken dotiert ist. «Er ist eine schöne Anerkennung, die mich in dem bestärkt, was ich mache», freut er sich.

Geisselers Beschäftigung mit Statistiken und Fakten, die er als Basis für seine Kunst verwendet, ist wie ein Gegenmodell zu jener Kunst, die von der reinen Imagination ausgeht. In einer seiner Arbeiten hat er zum Beispiel die Datensätze von Waffenlieferungen aus der Schweiz mit denjenigen der Asylgesuche in einen Zusammenhang gebracht und anschaulich aufbereitet. Zunächst zeichnete er die statistischen Korrelationen auf dem Computer, um dann das so entstandene Linienmodell auf einem Schabkarton herauszukratzen. «Ich wollte das Material verletzen, und so die Wege der Waffen und der Asylsuchenden sichtbar machen», erklärt er sein Vorgehen.

Das Pfäffikoner Steuermodell als Kunst

Des Weiteren hat sich Geisseler in seiner Masterarbeit «Spekulation Pfäffikon» mit der Schwyzer Gemeinde auseinandergesetzt, die als Erfolgsmodell des Steuerwettbewerbs gilt. «Ich wollte herausfinden, wie sich die Steuerpolitik auswirkt, wie sie entstanden ist und wer davon profitiert.» Dazu machte er Interviews, bereitete statistische Daten auf und gestaltete daraus spezifische «Mappings». Das ganze Archiv dieser Informationen war während einer Ausstellung in einem temporär gemieteten Büro in Pfäffikon zu sehen. Geisseler zufolge haben solche künstlerischen Werke aus Daten in den letzten Monaten des «politischen Schabernacks» eine neue Relevanz bekommen.

Bereits nach dem Kurzzeitgymnasium widmete sich Geisseler der Kunst und studierte an der Hochschule Luzern – Design & Kunst. Im Jahr 2015 schloss er mit dem «Master of Arts in Fine Arts» ab, welcher ihn auch als Zeichnungslehrer berechtigt. Dies ist für Geisseler zurzeit aber kein Thema. Lieber nutzt er seine Unabhängigkeit, um Kunst zu machen und seine «produktive Freiheit» zu nutzen. «Ich habe keine Verpflichtungen, ausser mir selber gegenüber», sagt Geisseler. Den Lebensunterhalt verdient er sich im Moment mit verschiedenen kleinen Jobs. Diese Flexibilität komme seiner künstlerischen Tätigkeit zugute. Eine wichtige Station für Geisseler ist dafür der «Tat-Ort», den er seit Beginn zusammen mit Adriana Zürcher und Bea Stierli verwaltet. Sieben bis acht weitere Künstler profitieren dort von günstigen Ateliers. «Wir sind keine herkömmliche Verwaltung, sondern sehen uns eher als Gastgeberschaft», sagt er. Das Atelierhaus sieht er als einen «Möglichkeitsraum, der relativ frei von ökonomischen Zwängen ist». Als Mitinitiant des Zollhauses in Reussbühl hat Lukas Geisseler bereits vor einigen Jahren Erfahrungen mit solchen künstlerisch genutzten Freiräumen gesammelt.

Neben seinen eigenen Arbeiten hat er auch soziale und kommunikative Projekte lanciert. 2014 entstand zum Beispiel die Trink-Theke, eine mobile Bar, an der man sich trifft, zusammen diskutiert oder voneinander lernt. Zurzeit gastiert die Trink-Theke in der Alpineum-Produzentengalerie.

Inspiration findet er im eigenen Land

Anders als viele Kunstschaffende, die nach ihrer Ausbildung Luzern verlassen, verspürt Geisseler keine Lust, wegzuziehen. «Ich habe mir in den letzten Jahren ein gutes Netzwerk geschaffen und fühle mich wohl hier.» Er sei schnell in anderen Städten, wo er Leute treffen und inspiriert werden könne. «Momentan gibt es keinen Grund, dass ich das jetzt abbreche», erklärt er.

Wenn alles rund läuft, kann Lukas Geisseler im nächsten Jahr in der Galerie Benzenholz in Meggen ausstellen. Der «Tat-Ort», der offiziell noch bis im Sommer 2018 laufen soll, wird ihn ebenfalls auf Trab halten. «Wir möchten jetzt wieder einen Zacken präziser werden und eine gewisse Regelmässigkeit in die Veranstaltungen bringen.»

Pirmin Bossart

region@luzernerzeitung.ch