KRIENS: Dem Pferdehof droht das Ende

Auf dem Sonnenberg wurden ein Zelt und ein Reitplatz ohne Bewilligung erstellt. Jetzt verlangt die Gemeinde den Rückbau. Dagegen regt sich nun Widerstand in der Bevölkerung.

Yves Portmann
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Um den Böschenhof wurden illegale Bauten erstellt, etwa das Zelt hinten links. (Bild Nadia Schärli)

Um den Böschenhof wurden illegale Bauten erstellt, etwa das Zelt hinten links. (Bild Nadia Schärli)

Yves Portmann

Hansruedi Hofer sieht sein Lebenswerk bedroht: «Meine Existenz steht auf dem Spiel. Wenn ich bei meinem Reithof Rundzelt, Round Pen, Badeturm und Schotterplatz tatsächlich abbauen muss, wäre dies das Ende meiner Existenz», sagt der diplomierte Reitpädagoge. Auf dem Sonnenberg befindet sich der Böschenhof, wo Hofer therapeutisches und konventionelles Reiten anbietet. Dazu hat Hofer in den letzten Jahren rund um die Scheune diverse Bauten erstellt – teilweise ohne Bewilligung (Ausgabe vom 15. Dezember 2014). «Die Gemeinde teilte mir mit, dass ich für mein Zelt, welches schon seit mehreren Jahren neben der Scheune steht, eine Baubewilligung einreichen muss», sagt Hofer. Ebenfalls bewilligungspflichtig sind ein geschotterter Platz, ein offener Badeturm und das Round Pen – ein runder, eingezäunter Übungsplatz. Nun liegt die abschmetternde Antwort der Behörden vor, und die Gemeinde Kriens verlangt die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes. Hofer hat deshalb eine Einsprache gegen den Entscheid beim Kantonsgericht deponiert.

Beschwerde beim Kantonsgericht

Bei der Gemeinde Kriens verweist man auf die Zuständigkeit des Kantons als Bewilligungsinstanz. «Da es sich um Bauten ausserhalb der Bauzone handelt, erteilt die Dienststelle Raum und Wirtschaft des Kantons den raumplanerischen Entscheid», erklärt Thomas Lustenberger, Abteilungsleiter Planung und Baugesuche der Gemeinde Kriens. Die Gemeinde, die für die Umsetzung des Entscheids zuständig ist, habe dem Gesuchssteller den negativen Entscheid des Kantons eröffnet. «Der Gemeinderat hat entschieden, dass Herr Hofer nun Rundzelt, Round Pen, Badeturm und Schotterplatz zurückbauen und den ursprünglichen Zustand wiederherstellen muss», sagt Lustenberger. Da Hofer gegen den Entscheid vor Kantonsgericht Beschwerde erhoben hat, könne Lustenberger zum laufenden Verfahren keine weitere Auskunft erteilen. Wegen teilweise illegal erstellter Hütten und Bauten im Krienser Hochwald stand die Gemeinde Kriens in den letzten Jahren in der Kritik. Ein Zusammenhang mit dem Böschenhof besteht aber laut Lustenberger nicht.

Kaum Ermessensspielraum

Mario Conca ist der Abteilungsleiter Baubewilligungen bei der kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi) und erklärt den teilweise abschlägigen Entscheid folgendermassen: «Das Gebiet Böschenhof liegt gemäss dem Zonenplan der Gemeinde Kriens ausserhalb der Bauzone in der Landwirtschaftszone. Da es sich beim Reitbetrieb um kein landwirtschaftliches Gewerbe handelt, sind die geplanten und teilweise bereits ausgeführten baulichen Massnahmen als zonenfremd zu beurteilen. Daher ist eine raumplanungsrechtliche Ausnahmebewilligung erforderlich.» In solchen Ausnahmefällen seien die raumplanungsrechtlichen Möglichkeiten auf Bundesebene abschliessend vorgegeben und der Ermessensspielraum des Kantons stark eingeschränkt. Als kantonale Bewilligungsinstanz sei es deshalb unmöglich, alle geplanten und teilweise ausgeführten baulichen Massnahmen nachträglich zu bewilligen. Einzig die Umnutzung des Rinder- in einen Pferdestall und die permanenten Ausläufe hat das Rawi bewilligt. Conca: «Es handelt sich dabei um eine Umnutzung einer bestehenden Baute und nicht um einen Neubau.»

Reitunterricht für Behinderte

Hofer zeigt sich selbstkritisch und weiss, dass sein Vorgehen teilweise nicht in Ordnung war. Dennoch: «Ich bereue meinen Entscheid nicht, denn speziell von den heilpädagogischen Reitstunden profitierten unzählige behinderte Menschen.» Für Hofer stellt sich denn auch eine widersprüchliche Situation: «Da ich ein Gewerbe betreibe, müsste ich grundsätzlich in die Gewerbezone. Aber es ist für mich schlichtweg unmöglich, in einer Gewerbezone therapeutisches Reiten anzubieten. Die Nähe zur Natur ist für meine Arbeit unentbehrlich.»

Petition mit 1000 Unterschriften

Um seinem Anliegen vor Kantonsgericht zusätzliches Gewicht zu verleihen, sammelt Hofer momentan Unterschriften für eine Petition gegen den Abbruchentscheid. Bislang sind rund 1000 Unterschriften zusammengekommen. Prominente Unterstützung erhält Hofer von zahlreichen lokalen sozialen Institutionen wie beispielsweise der Stiftung Brändi, der Behindertenorganisation Insieme Luzern und der Kinder- und Jugendpsychiatrie Luzern. Der Tenor der Empfehlungsschreiben ist eindeutig: Das Angebot sei unersetzbar und im Raum Luzern einzigartig. «Ich hoffe, dass das Kantonsgericht diesem Anliegen Rechnung trägt und sich kompromissbereit zeigt», so Hofer. Ob die Bauten dereinst rückgebaut werden müssen, entscheidet nun das Luzerner Kantonsgericht – der Termin steht noch nicht fest.