KRIENS: Denkmalpflege will einen weiteren Abbruch verhindern

Die Gemeinde will das Pflegeheim Grossfeld durch zwei neue Häuser ersetzen. Doch das Projekt ist sistiert – weil der Altbau schützenswert sein könnte.

Stefan Dähler
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Der Gemeinderat will anstelle des Heims Grossfeld im Dorfzentrum einen Neubau mit zwei Gebäuden realisieren. (Bild Corinne Glanzmann)

Der Gemeinderat will anstelle des Heims Grossfeld im Dorfzentrum einen Neubau mit zwei Gebäuden realisieren. (Bild Corinne Glanzmann)

Das Alters- und Pflegeheim Grossfeld ist in die Jahre gekommen. Der Brandschutz entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Zudem seien die Raumstrukturen für einen modernen Pflegebetrieb nicht mehr geeignet. «Die Zimmer sind mit 15 bis 17 Quadratmeter zu klein, die Gänge zu eng, es gibt zu wenige Nasszellen», sagt der Krienser Sozialvorsteher Lothar Sidler (CVP). Darum will der Gemeinderat das bestehende Gebäude abreissen. Auf dem Areal Grossfeld sollen zwei Neubauten realisiert werden. Bereits 2011 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, der Architekturwettbewerb hätte letztes Jahr beginnen sollen. Das Projekt ist derzeit jedoch auf Eis gelegt. Die Denkmalpflege wolle das Pflegeheim nochmals unter die Lupe nehmen, erklärt Sidler.

Charakteristisch für die Zeit

Die kantonale Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder bestätigt, dass der «bauhistorische Stellenwert» des Grossfelds abgeklärt wird. «Das Gebäude ist charakteristisch für seine Entstehungszeit», erklärt sie. Erbaut wurde es in den Jahren 1966 bis 1968. «Es handelt sich um ein wichtiges Werk des Luzerner Architekten Walter Rüssli.» Dieser habe unter anderem auch das Priesterseminar entworfen. Derzeit befindet sich das Pflegeheim im Inventar der Gemeinde. Die Denkmalpflege prüft nun eine Aufnahme in das kantonale Bauinventar. «Im Zusammenhang mit dem geplanten Abbruch sind vertiefte Abklärungen nötig», so Grünenfelder. Wie der Entscheid ausfällt, kann sie noch nicht sagen. «Erst nach jahrelanger Planung wurden wir im letzten Frühsommer von der Gemeinde einbezogen, als das Projekt bereits weit fortgeschritten war», sagt Grünenfelder. «Es würde grundsätzlich Sinn machen, früher auf uns zuzugehen.»

Gemeinderat gesteht Fehler ein

Das sieht inzwischen auch Lothar Sidler so. «Im Nachhinein wäre es wohl gescheiter gewesen, dies früher abzuklären.» Der Gemeinderat sei davon ausgegangen, dass er selbst über einen Abriss entscheiden könne, da sich das Grossfeld nur im kommunalen Inventar befinde. Kommt es in das kantonale Inventar, ist dies nicht mehr der Fall. Auch dann sei ein Neubau jedoch nicht ausgeschlossen. «Der Regierungsrat könnte den Abriss bewilligen. Allerdings würde dieser zusätzliche Verfahrensschritt weiter Zeit kosten.»

Die Gemeinde Kriens hat in der Machbarkeitsstudie auch eine Sanierung des Grossfelds geprüft. Diese Option wäre mit Kosten zwischen 21,6 und 25,8 Millionen Franken zwar günstiger als das Neubauprojekt für 54 Millionen Franken. Dennoch favorisiert der Gemeinderat den Abriss. «Bei einer Sanierung müsste man die Räume innerhalb der bestehenden Gebäudehülle vergrössern, wenn das Grossfeld weiterhin ein Pflegeheim bleiben soll», erklärt Sidler. Dadurch würde die Zahl der Zimmer von derzeit 102 auf 80 zurückgehen. Die Zimmer, die nicht mehr angeboten werden können, müssten andernorts ersetzt werden, so Sidler. Das sei schwierig. Auf die Zimmer verzichten könne man nicht, weil der Platz schon heute knapp sei. Insgesamt bietet Kriens derzeit 272 Plätze an, bis Ende 2030 dürften rund 600 nötig sein.

Gemeinderat betont gute Lage

Zudem betont der Gemeinderat, dass es gute Gründe für einen Neubau des Grossfelds gebe. Das Heim befinde sich an bester Lage, weil die Wege zu Läden, Restaurants oder zum ÖV kurz seien. Bei einer Sanierung würden ausserdem die Zimmerpreise steigen, weil die Zahl der Zimmer reduziert wird. Auch städtebaulich sei ein Neubau laut Sidler die bessere Option. «Deshalb werde ich mich mit Händen und Füssen gegen die Aufgabe des Grossfelds als Heim wehren», sagt der Gemeinderat.

Sidler rechnet damit, dass der Architekturwettbewerb bestenfalls in diesem Jahr beginnt. «Dann könnten zwischen 2018 und 2020 die Bauarbeiten starten.» Allerdings ist möglich, dass sich das Projekt noch aus einem anderen Grund verzögert: Kriens plant, seine Heime in eine Aktiengesellschaft auszulagern, wie das die Stadt Luzern bereits getan hat. Dies soll per 1. Januar 2017 geschehen. «Die Frage ist, ob die Gemeinde bereits vorher den Architekturwettbewerb durchführen soll oder ob man wartet, bis die Heime verselbstständigt sind. Das ist im Moment noch offen», so Sidler.

Gestorben ist die Idee, dass die Gemeinde den Trambahnhof erhält und die Denkmalpflege im Gegenzug zu Konzessionen beim Grossfeld bereit ist (Ausgabe vom 21. November 2015). Eine sachliche Verknüpfung kommt für die Denkmalpflege nicht in Frage, schreibt «Kriens Info». Der Trambahnhof wird nun im März abgerissen.
 

Stefan Dähler

 

«Ich werde mich mit Händen und Füssen gegen die Aufgabe des Heims wehren.» Lothar Sidler, Sozialvorsteher. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ (Archiv))

«Ich werde mich mit Händen und Füssen gegen die Aufgabe des Heims wehren.» Lothar Sidler, Sozialvorsteher. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ (Archiv))