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KRIENS: Der Gefängnis-Seelsorger war bei der Bevölkerung sehr beliebt

Der Seelsorger vom Gefängnis Grosshof, der unter anderem wegen versuchter sexueller Handlungen verurteilt wurde, war auch Diakonieverantwortlicher im Pastoralraum Greppen-Weggis-Vitznau. Dort findet man für ihn nur lobende Worte.
Blick in den Innenhof der Haftanstalt Grosshof in Kriens: Der Kanton strebt eine hohe Auslastung an, um das Gefängnis möglichst wirtschaftlich zu betreiben. (Archivbild Boris Bürgisser)

Blick in den Innenhof der Haftanstalt Grosshof in Kriens: Der Kanton strebt eine hohe Auslastung an, um das Gefängnis möglichst wirtschaftlich zu betreiben. (Archivbild Boris Bürgisser)

Der Gefängnisseelsorger vom Grosshof wurde wegen Begünstigung und versuchter sexueller Handlungen verurteilt. Aus dem Strafbefehl der Luzerner Staatsanwaltschaft geht hervor, dass der Seelsorger unter anderem im Zeitraum von Ende 2014 bis kurz vor seiner Verhaftung im August geheime Botschaften unter den Gefangenen ausgetauscht hat.

Dieser Vorfall ist nicht die erste happige Nachricht aus der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens. Erst im Mai dieses Jahres hat Gefängnisdirektor Hanspeter Zihlmann sein Amt abrupt niedergelegt. Bis heute ist nicht ganz klar, warum. Die Rede war von unterschiedlichen Auffassungen im Bezug auf die Führung. Nun stellt sich die Frage, ob die beiden Vorfälle in irgendeiner Weise zusammenhängen. Gino Lohri, Stellvertretender Leiter der Dienststelle Militär, Zivilschutz- und Justizvollzug, verneint: «Mit dem Fall des Gefängnisseelsorgers besteht kein Zusammenhang.» Der damalige Direktor habe die Justizvollzugsanstalt Grosshof im ge­genseitigen Einvernehmen verlassen. Dies aufgrund unterschiedlicher Auffassungen hinsichtlich der Führung und der künftigen Positionierung.

Der Seelsorger verstiess über mehrere Jahre hinweg gegen die Regeln, indem er Botschaften –von deren Inhalt er keine Kenntnis hatte – unter den Gefangenen austauschte. Dadurch behinderte er die Ermittlungen. Warum hat man dieses Vergehen nicht früher festgestellt? Lohri: «Es lagen zu keinem Zeitpunkt Hinweise oder Beschwerden bezüglich eines strafbaren Handelns des Seelsorgers vor.» Fest steht: Bei einer Anstellung wird vorgängig eine Sicherheitsüberprüfung durchgeführt und dabei unter anderem ein Auszug aus dem Strafregister einverlangt, sagt Lohri. Zur Sicherheitsprüfung will er keine Details bekannt geben. Er weist zudem darauf hin, dass diese Standards für alle Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt gelten.

Der Gefängnisseelsorger war bis zur Freistellung durch das Bistum Mitglied der Seelsorge der Seepfarreien und Diakonieverantwortlicher im Pastoralraum Greppen-Weggis-Vitznau. In den Seegemeinden ist man schockiert und kann die Nachricht kaum fassen. Eine Frau, die seit Jahren in Greppen wohnt, kennt den Mann gut. Sie sagt: «Ich kann es nicht glauben. Er war immer sehr herzlich und total engagiert in der Kirche.» Sie habe oft seine Gottesdienste besucht und ihn als kompetente Person erlebt, erzählt die Frau, die anonym bleiben will.

Ein ähnliches Bild des Seelsorgers zeichnet Veronika Müller, Präsidentin des Kirchenrats Greppen: «Wir sind sehr betroffen.» Der Mann habe einen guten Ruf genossen und «war bei der Bevölkerung sehr beliebt». Sie habe in den vergangenen Jahren nie eine schlechte Rückmeldung erhalten. «Er hat stets einen kompetenten Eindruck bei der Ausführung seiner seelsorgerischen Tätigkeit gemacht», so Veronika Müller.

Strafbefehl ist noch nicht beim Bistum eingetroffen

Das Bistum Basel hat den Mann freigestellt, wie Bistums-Sprecher Hansruedi Huber gegenüber unserer Zeitung sagte. Was heisst das nun für die Gemeinde? Veronika Müller: «Bischof Felix Gmür hat ihn freigestellt. Diesen Entscheid respektieren wir und setzen ihn entsprechend um.» Das heisst: Die Gottesdienste, welche der Seelsorger bis Ende Jahr noch hätte halten sollen, werden mit einem anderen Pfarrer abgedeckt. Ob der Seelsorger im Pastoralraum Greppen-Weggis-Vitznau eine Zukunft hat, ist laut Müller ungewiss, da die Sanktionen des Bischofs noch offen seien. Die Massnahmen gehen von Berufseinschränkungen bis hin zu lebenslanger Suspension. Der Seelsorger ist angehalten, seinen Strafbefehl beim Bistum einzureichen. Bis gestern ist das Dokument noch nicht beim Bistum eingetroffen, wie Sprecher Hansruedi Huber sagt.

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

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