KRIENS: Der Hergiswald ist jetzt ein Muss für Brückenfans

Die alte Holzbrücke über den Renggbach sieht wieder aus wie anno 1791 – und steht in einem spannenden Verhältnis zu einem Neubau.

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Roland Waldispühl von der Zimmerei Werner Bucher (links) zusammen mit dem Krienser Gemeindeammann Matthias Senn auf der restaurierten Brücke.

Roland Waldispühl von der Zimmerei Werner Bucher (links) zusammen mit dem Krienser Gemeindeammann Matthias Senn auf der restaurierten Brücke.

Neun Monate haben die Renovationsarbeiten an der historischen Hergiswaldbrücke gedauert. Seit Ende April ist die Brücke, die auf dem Weg von Kriens Richtung Eigenthal über den Renggbach führt, für Wanderer, Fussgänger und Velofahrer wieder nutzbar. Gestern fand die offizielle Einweihung statt – in Anwesenheit von Handwerkern, Politikern und Denkmalpflegern.

Das sanierte Bauwerk ist laut dem Krienser Gemeindeammann Matthias Senn «die älteste erhaltene Holzbogenbrücke der Schweiz». Als wichtiger Bestandteil des Pilgerwegs zur Hergiswaldkirche wurde sie 1791 von Josef Ritter erbaut. Dieser war im 18. Jahrhundert einer der besten Brückenbauer der Schweiz; er errichtete unter anderem auch die ehemalige Zollhausbrücke in Reussbühl und den nördlichen Teil der Spreuerbrücke in Luzern.

Noch bis vor wenigen Jahren fuhren über die Brücke nach Autos und auch das Postauto. Jetzt steht sie nur noch für Fussgänger offen. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
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Zimmermann ist ein Beruf mit Tradition: Wenn die Arbeit auf einer Baustelle beendet ist, gibt es das Feierabendklopfen. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Das ist Handwerkskunst: eine komplizierte Holzverbindung im Brückenfirst. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Die alte Brücke und – im Hintergrund – die neue Strassenbrücke. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Und die beiden Brücken nochmals, aber von der anderen Seite. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Der Zimmermann Roland Waldispühl und der Krienser Gemeindeammann  Matthias Senn auf der renovierten Brücke. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Noch bis vor wenigen Jahren fuhren über die Brücke nach Autos und auch das Postauto. Jetzt steht sie nur noch für Fussgänger offen. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

370 000 Franken Kosten

Ziel war es, die alte Hergiswaldbrücke fachgerecht und vollständig in ihren Originalzustand zurückzuführen. «Das ist gelungen, inklusive der kleinsten Verzierungen», freute sich Senn gestern. Unter anderem wurde eine 1962 erfolgte Dacherhöhung der Brücke um 60 Zentimeter – für die Postautos – rückgängig gemacht. Entfernt wurde auch die asphaltierte Fahrbahn.

Bei den Arbeiten wurde darauf geachtet, möglichst mit historischem Baumaterial zu arbeiten. Sichtbar ist dies heute in den Farbtondifferenzen. «Die neu eingesetzten Teile sind noch hell und bilden einen reizvollen Kontrast zum dunklen Originalholz», sagt Matthias Senn. Wesentlich an den Arbeiten beteiligt waren Spezialisten der Krienser Zimmerei von Werner Bucher.

Die Sanierung der Brücke erfolgte mit Unterstützung der kantonalen Denkmalpflege, des Bundesamts für Strassen und der Stiftung Pro Patria. Diese übernahmen rund 60 Prozent der Gesamtkosten von 370 000 Franken. Die restlichen 145 000 Franken zahlte die Gemeinde Kriens.

Neben der neuen Brücke

Die wieder in Stand gesetzte alte Holzbrücke steht heute rund 50 Meter neben der neuen Hergiswaldbrücke, die 2012 für rund 3,6 Millionen Franken gebaut wurde und seitdem für den Autoverkehr dient. «Besuchern bietet sich jetzt ein seltener Blick auf ein Brückenduett, das unterschiedliche Epochen der Mobilität, aber auch der Brückenbaukunst repräsentiert», sagte Gemeindeammann Senn. «Es lohnt sich für Brückenfans, nach Kriens zu kommen.»Hugo Bischof

Hergiswaldbrücke: Weitere Bilder auf

www.luzernerzeitung.ch/bilder