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KRIENS: Ehrenmord – weil Frau die Scheidung wollte

Heute muss sich ein 41-jähriger Syrer vor dem Kriminalgericht verantworten. Er wird beschuldigt, im Jahr 2014 seine Frau getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.
Sandra Monika Ziegler
Drei Personen wurden von einem Mann mit dem Messer zum Teil schwer verletzt. (Symbolbild Neue LZ)

Drei Personen wurden von einem Mann mit dem Messer zum Teil schwer verletzt. (Symbolbild Neue LZ)

Das Drama ereignete sich im Januar 2014 in einer Wohnung in Kriens. Dort wohnte eine damals 21-jährige Frau zusammen mit ihrem Bruder. Der heute 41-jährige Mann der jungen Frau wohnte mit den beiden gemeinsamen Söhnen in Horw. Sie lebten getrennt. Alle drei Erwachsenen kommen aus Syrien.

Am 21. Januar 2014 wollte der Mann mit den Söhnen deren junge Mutter besuchen und meldete sich bei ihr deshalb telefonisch an. Doch die Frau wollte keinen Besuch. Sie lehnte ab, weil die Kinder jedes Mal stark weinen würden, das wollte sie ihnen ersparen, wie sich später herausstellen wird. Der Mann liess sich aber nicht von seinem Vorhaben abbringen und setzte sich durch.

Er kam in die Wohnung, wo alle im Wohnzimmer Platz nahmen. Gesprochen wurde unter den Erwachsenen nichts, wie später der Bruder der jungen Frau zu Protokoll gab. Als der Bruder die Wohnung kurz verliess, attackierte der Mann die junge Frau und drängte sie ins Kinderzimmer. Obwohl die Frau um Rücksicht auf die Kinder bat, liess ihn das unbeirrt. Im Kinderzimmer überwältigte er die Frau und führte ihr mit einem Messer mit 20 Zentimeter langer Klinge mehrere Halsschnitte zu. Er durchtrennte beide Halsschlagadern, Drosselvenen und die Luftröhre. Dadurch erlitt die Frau eine Luftembolie, die mit einem massiven Blutverlust rasch zum Tod führte.

Der Mann liess die Frau im Zimmer liegen. Im Badezimmer wusch er sich die Hände und kehrte danach zu den Kindern ins Wohnzimmer zurück. Nachdem der Bruder der jungen Frau wieder zurückkam, sagte er ihm, dass er die junge Frau «geschlachtet» habe und er nun die Polizei anrufen soll.

Gutachter attestieren volle Schuldfähigkeit

Der Mann wurde vor Ort verhaftet. Er gibt den Sachverhalt der ihm vorgeworfenen Tat im Wesentlichen zu und bezeichnet die Tat als Ehrenmord. Er sitzt im vorzeitigen Strafvollzug. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Heute steht er vor dem Luzerner Kriminalgericht. Laut Gutachten ist er voll schuldfähig.

Der Beschuldigte und sein Opfer kannten sich seit der Kindheit; sie sind, beziehungsweise waren, Cousin und Cousine. Die Eltern der beiden haben zusammen mit der Grossmutter nach syrischer Tradition die Ehe für die damals 33- und 15-Jährigen arrangiert. Der Beschuldigte habe sich anfänglich dagegen gewehrt, sich dann aber der «Tradition gefügt». In Griechenland, wo sich der Mann seit 2005 aufhielt, wurde nach Brauchtum, nicht aber standesamtlich geheiratet. Knapp sieben Monate nach der Geburt des zweiten Sohnes schickte der Mann die Frau mit den Kindern in die Schweiz. Ihr Mann blieb weiterhin in Griechenland. Von Basel gelangte die Frau mit ihren Kindern in den Kanton Luzern. Dort begann die junge Frau eine Beziehung mit einem neuen Mann, ebenfalls ein Syrer. Sie wollte die Scheidung. Darauf kam der Vater der gemeinsamen Kinder illegal in die Schweiz. Er verlangte von der jungen Frau, dass er die Kinder bekomme und sie zu ihrem Bruder ziehen soll.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch

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