KRIENS: Ein Drittel mehr Krippen-Kinder

Seit Kriens Betreuungsgutschriften anbietet, lassen massiv mehr Eltern ihre Kinder in Kitas betreuen. Laut Gemeinderat werden die höheren Kosten kompensiert.

Luca Wolf
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Spielende Kinder in der Kindertagesstätte Chinderhuus Bellpark in Kriens. (Bild Pius Amrein)

Spielende Kinder in der Kindertagesstätte Chinderhuus Bellpark in Kriens. (Bild Pius Amrein)

Am 1. Januar 2012 hat die Gemeinde Kriens Betreuungsgutscheine für Kinder im Vorschulalter eingeführt – ähnlich wie die Stadt Luzern, Emmen oder Horw. Krienser Eltern, die mindestens 120 Prozent arbeiten und jährlich maximal 92 000 Franken verdienen, haben Anrecht auf Gutscheine in einkommensabhängiger Höhe. Die Gutscheine sind in allen anerkannten Kindertagesstätten (Kitas) in der Agglomeration gültig. Und sie werden rege genutzt.

Von 96 auf über 200 Kinder

Vor der Einführung der Gutscheine, als es nur eine sehr beschränkte Anzahl direkt subventionierter Plätze in bloss fünf Krienser Kitas gab, profitierten in Kriens 96 Kinder von Vergünstigungen. Letztes Jahr stieg diese Zahl auf 155. Für das laufende Jahr wird gar mit 200 Gesuchen gerechnet, schätzt Gemeinderat Cyrill Wiget. «Und wir rechnen für 2014 mit einer weiteren, jedoch moderaten Steigerung. Ab 2015 gehen wir von einer Stagnation aus.» Somit steigen die Gesuche weit mehr, als dies noch im Bericht und Antrag vom Oktober 2011 der Fall war. Dort prognostizierte der Gemeinderat fürs laufende Jahr etwa einen Drittel weniger Kinder, als dies nun der Fall ist. «Die Nachfrage ist höher, als wir angenommen haben», bestätigt Wiget. «Jedoch ist auch die finanzielle Unterstützung pro Gesuch tiefer als erwartet.»

Höhere Ausgaben, mehr Einnahmen

Die Folgen sind:

 

  • Angebote: Im Gegensatz zum alten System gibt es für anspruchsberechtigte Eltern laut Wiget nun genug Kita-Plätze.
  • Ausgaben: Die direkten Kosten für die Gemeinde schiessen in die Höhe. Für2012 gab es laut Wiget zwar noch eine Punktlandung: «Die budgetierten Kosten von 620 000 Franken für die Kita-Gutscheine konnten eingehalten werden.» Fürs laufende Jahr könnten jedoch bei über 200 Kindern Kosten von gegen 800 000 Franken anfallen,Tendenz steigend. Im Budget 2013 jedoch sind nur 725 000 Franken einberechnet. Wiget dazu: «Ob die Kosten eingehalten werden können, kann derzeit noch nicht gesagt werden.»
  • Einnahmen: «Jeder in die Betreuungsgutschriften investierte Franken kommt eineinhalbfach zurück», versprach Wiget im Vorfeld der Einführung. Er bezog sich auf eine Untersuchung aus Horw,wo die finanziellen Auswirkungen der Gutschriften detailliert berechnet wurden. Demnach profitiert die Standortgemeinde unter dem Strich. So müssen weniger Familien von der Sozialhilfe unterstützt werden, weil die Eltern dank der Betreuung mehr arbeiten können. Durch das höhere Einkommen zahlen sie zudem mehr Steuern. In Horw, so die Studie, fliesst so auf jeden investierten Franken knapp 1.90 Franken zurück. In Kriens rechnet man mit einem Faktor von knapp 1,5 vorsichtiger. Wohl zu Recht, denn: Laut grob geschätzterKrienser Hochrechnungen könnten in diesem Jahr etwa 840 000 Franken Sozialhilfe eingespart und 330 000 Frankenhöhere Steuereinnahmen resultieren. Ausgaben von knapp 800 000 Franken könnten so «Einnahmen» von 1,17 Millionen gegenüberstehen. Genau überprüfen lassen sich diese Zahlen für Kriens laut Wiget derzeit nur schwer. «Zahlen etwa aus Zürich belegen jedoch unsere Annahmen.» Finanzchef Paul Winiker bestätigt, dass es zum jetzigen Zeitpunkt kaum möglich ist, bezüglich Steuereinnahmen zuverlässige Aussagen zu machen. Und Sozialvorsteher Lothar Sidlers Abklärungen bezüglich Sozialhilfe konnten gestern noch nicht abgeschlossen werden. Aber: Wie vom Parlament verlangt, soll bis Ende Jahr ein Wirkungsbericht mit detaillierten Zahlen vorgelegt werden.

 

Stadt Luzern zieht positive Bilanz

Die Stadt Luzern, die pro Jahr 3 Millionen Franken für Betreuungsgutschriften ausgibt, kommt zu keinem klaren Ergebnis. Gemäss ihrer Studie könnten Einnahmen zwischen 1,6 Millionen Franken (Minimalszenario) und 4,4 Millionen Franken (Maximalszenario) generiert werden. Die Stadt geht eher vom Maximalszenario aus.