Kriens
Ein Hochhaus mit Solar-Fassade und grossen Familien-Wohnungen: Das Grossprojekt Eichhof West wird konkret

Nach jahrelangem Hin und Her ist die Planung für die Überbauung Eichhof West abgeschlossen: Das Projekt steht kurz vor der Baueingabe.

Simon Mathis
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Auf der offiziellen Website des Projekts wurden neue Visualisierungen aufgeschaltet, die das Bauvorhaben erstmals detailliert vorstellen. Die vier Volumen sind wie folgt aufgeteilt:

Bild: PD

Die vier Gebäude für Wohnen und Gewerbe gruppieren sich um einen Park mit Bäumen und Grünflächen. Dieser zentrale Raum soll für Bewohnende, Arbeitnehmende und die Öffentlichkeit zugänglich sein. «Grundsätzlich sind in den unteren Geschossen Gewerbenutzungen vorgesehen», heisst es in einer Mitteilung der Bauherrschaft BVK. Möglich sei etwa ein Lebensmittelladen, ein Bistro oder ein Fitnesscenter, definitive Angaben zum Mietermix könne man aber noch nicht geben. Über diesen Gewerbeflächen entstehen 239 Wohnungen.

Für drei Baufelder ist die Zürcher Pensionskasse BVK verantwortlich, für das vierte das kantonale Sozialversicherungszentrum WAS. Beim südlichen Gebäude werden Fotovoltaik-Elemente direkt in die Fassade integriert und sämtliche sich anbietenden Dachflächen mit Fotovoltaik- oder Solarthermieanlagen ausgerüstet. Das Sozialversicherungszentrum werde nach einem «innovativen Konzept» geplant, welches grösstenteils ohne Heizung und energieraubende Klimasysteme auskommt. Das gesamte Areal sei ohne oberflächliche Auto-Zirkulationsfläche konzipiert.

Das sind die vier Gebäude im Detail:

1. WAS-Bürogebäude

Visualisierung: PD

Das neue Bürogebäude für das Sozialversicherungszentrum WAS Wirtschaft Arbeit Soziales Luzern wird im südwestlichen Teil des Geländes errichtet. Gestaltet wurde das Gebäude vom Zürcher Architektenteam Annette Gigon/Mike Guyer – sie setzten sich gegen 52 Konkurrenten durch. Vorgestellt wurde dieses Projekt bereits vor einem halben Jahr. Das Zentrum WAS besteht aus drei Institutionen, die sich 2019 zusammen geschlossen haben: der Ausgleichskasse Luzern, der IV Luzern und der ehemaligen Dienststelle Wirtschaft und Arbeit (WIRA).

Das Projekt wird WAS rund 120 Millionen Franken kosten. Darin inbegriffen ist der Grundstückserwerb von der BVK; dieser beläuft sich auf 18 Millionen Franken. Alleine mit der Zusammenlegung sollen jährlich 4,8 Millionen Franken an Verwaltungskosten eingespart werden.

2. Hochhaus mit Fotovoltaik-Fassade

Visualisierung: PD

Im Südosten entsteht ein Hochhaus mit dreigeschossigen Sockeln für gewerbliche Nutzungen. Darüber wird im westlichen Teil ein Hochhaus mit weiteren 14 Geschossen gebaut. Geplant sind 83 Wohnungen mit Blick auf den Pilatus und aus den oberen Geschossen auf den Vierwaldstättersee. Im Osten ist ein deutlich niedrigerer, viergeschossiger Gebäudeteil vorgesehen. Er richtet sich an grössere Haushalte, geplant sind 20 Wohnungen mit 5,5 oder 6,5 Zimmern. Die Fassade weist horizontal umlaufende Fenster auf – und Brüstungsbänder mit Fotovoltaik-Modulen.

3. Gebäude mit Split-Level-Wohnungen

Visualisierung: PD

Hinter den WAS-Büros ist ein zehngeschossiges Gebäude entlang des Hangfusses vorgesehen. Es beherbergt Wohnungen mit 2,5 bis 4,5 Zimmern. Sie werden je nach Lage in sogenannten «Split-Leveln» angeboten – also teilweise mit 1,5-facher Raumhöhe und Treppenverbindungen innerhalb der Wohnung. Das Gebäude wird auf der dritten Etage über eine überdeckte Freiterrasse verfügen, die sich gegen Norden auf Geländehöhe befinden wird. Dieses «Belvedere» schliesst sich direkt an den zentral gelegenen Gemeinschaftsraum des Hauses an, heisst es in der Mitteilung.

4. Wohnhaus für Familien

Visualisierung: PD

Nördlich und an den Sonnenberg gebaut wird ein weiteres Wohnhaus mit 60 Einheiten von 2,5- bis 5,5-Zimmerwohnungen. Es soll mehrheitlich Familien ansprechen. Velo- und Kinderwagenräume sollen über einen separaten Zugang neben dem Haupteingang erschlossen werden. «Die Wohnungen zeichnen sich durch grosszügige Wohn- und Essbereiche, grosse Küchen und einen alle Zimmer verbindenden, umlaufenden und grossen Balkon aus», so die Mitteilung. Auf einem Teil des Daches sind Fotovoltaik- und Solarmodule vorgesehen.

WAS will die neuen Büros 2024 beziehen. Der Bezug der ersten Wohnungen und Gewerbeflächen ist auf 2025 geplant. 2019 rechnete die Pensionskasse BVK mit einer Investitionssumme von rund 200 Millionen Franken.

Turbulenzen um Eichhof West

Das Areal Eichhof West hat ein ziemliches Auf und Ab erlebt. Die Pensionskasse BVK kaufte das Grundstück 2008. Der Bebauungsplan, der unter anderem ein 53-Meter-Hochhaus vorsieht, wurde 2014 einstimmig vom Krienser Einwohnerrat abgesegnet, nachdem dieser 2013 ein erstes Projekt versenkt hatte. Drei Anwohner jedoch störten sich am Hochhaus. Das Bundesgericht wies 2018 ihre Beschwerde ab.

2019 begrub die Hotelfachschule «International Management Institute» (IMI) ihre Pläne, von Kastanienbaum nach Eichhof West zu ziehen. Im gleichen Jahr kritisierten einzelne Mieter den Abriss der Vorgängergebäude scharf; man habe die Bewohner unter Druck gesetzt, das Areal rasch zu verlassen. Die BVK wies diese Anschuldigungen entschieden zurück. Auch die kantonale Denkmalpflege hat das Vorgehen beim Abbruch der historischen Gebäude gerügt. (sma)

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels stand, der Kanton Luzern würde 120 Millionen Franken in das WAS-Gebäude investieren. Das stimmt nicht: Das Gebäude wird von der gemeinnützigen Bauherrin WAS Immobilien AG geplant, gebaut und vollumfänglich finanziert. Die Aktiengesellschaft befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum von WAS Luzern. WAS Luzern ist eine Minderheitsbeteiligung des Kantons. Deshalb ist der Kanton weder für den Bau zuständig, noch leistet er Beiträge an den Bau.