KRIENS: Ein Werklehrer führt durch die Fasnacht

Christian Wenger ist der Krienser Gallivater 2010. Ihn fasziniert vor allem ein spezieller Aspekt der Krienser Fasnacht.

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Das neue Gallipaar: Barbara und Christian Wenger. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Das neue Gallipaar: Barbara und Christian Wenger. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Er kann fast nicht «Nein» sagen. Die Höchsten der Krienser Gallizunft hatten deshalb bei Christian Wenger leichtes Spiel, als sie ihn für das Amt des Gallivaters 2010 anfragten. Nach zwei Tagen Bedenkzeit sagte der 53-jährige Oberstufenlehrer zu. «Ich habe Freude und bin stolz, dass man mir dieses Amt zutraut», sagt Wenger und gibt gleichzeitig auch zu, dass er Respekt hat vor den gegen 300 Terminen, die er in seinem Gallivaterjahr zu bestreiten hat. Nicht «Nein» sagen zu können, das bezeichnet Wenger als seine Stärke und seine Schwäche zugleich.

Ein Zwergennest
Am Samstagabend hat die Gallizunft Christian Wenger zum 62. Gallivater und damit zum Nachfolger von Praline-Fabrikant und Einwohnerrat René Hug erkoren. Einen Tag später, nach einer etwas kurzen Nacht, sitzt er am Esstisch in seinem Einfamilienhaus am Sonnenberg, adrett gekleidet im roten Hemd und mit umgebundener Krawatte. Für ein Glas Weisswein ist es ihm noch zu früh, er trinkt Wasser. Gallimutter Barbara (53), die als Keyboardlehrerin in Zug arbeitet, zeigt begeistert das erste Geschenk: Ein Zwergennest mit einem selbst gebackenen Zopf. Dieses haben die sieben Neuzünftler überreicht. Für Barbara Wenger ist das Gallivaterjahr etwas Besonderes: «Man wird nur einmal gefragt. Die Zunft macht so viel für das Brauchtum in Kriens, dass wir sehr gerne unseren Teil dazubeitragen.» Sie freute sich insbesondere auf neue Bekanntschaften und dass sie aktiv zum Krienser Dorfleben beitragen könne.

Christian und Barbara Wenger – beide sind in Kriens aufgewachsen, Barbara als Tochter des politischen Krienser Urgesteins Alexander Wili. Die Fasnacht war deshalb für beide schon früh ein Thema. «Als Kinder haben wir uns im Kuonimattquartier verkleidet und auf Töpfen Lärm gemacht», erinnert sich Christian Wenger. Seit gut zehn Jahren ist er nun bereits Mitglied der Gallizunft, wo er im Vergleich zur Luzerner Strassenfasnacht ein anderes Brauchtum kennen gelernt hat. «In Kriens gehts ums Intrigieren. Das hat mich fasziniert», sagt Wenger. Intrigieren bedeutet, dass man hinter einer Maske versteckt Personen aus dem Dorf anschwärzen kann. Es erstaunt deshalb nicht, dass er viele Jahre die Fasnachtszeitung «Gallischnörre» als Texter und Dichter mitgestaltete und an der Bööggerätschete mit der Gruppe Lolly-Pops auf der Bühne stand. Und mit einigen Kollegen schnitzt er gar selbst Masken.

Die Fragen der Schüler
Das Handwerk nimmt in seinem Leben übrigens einen grossen Stellenwert ein. Viele Oberstufenschüler in Kriens unterrichtet er – neben der Naturlehre – als Fachlehrer im Werken und im Technischen Zeichnen. «Ich arbeite sehr gerne mit Metall und Holz», sagt Wenger. Von seinen Schülern erwartet er heute vielleicht die eine oder andere Frage zu seiner Wahl als Gallivater, «der Schulalltag wird aber schnell wieder einkehren». In seiner Freizeit treibt er auch viel Sport, ist mit Velo und Mountainbike unterwegs und geht im Winter auf Skitouren. Aktiv ist auch Gallimutter Barbara: Sie spielt in einer Musikband mit, tanzt gerne und fährt Velo. Und: «Ich bin wahnsinnig gern Mutter.» Drei Kinder hat das Paar: Ueli (24), Eva (22) und Felix (20). Ueli ist als Guuggenmusiker aktiver Fasnächtler.

Was erwartet Christian Wenger von seinem Fasnachtsjahr? Er hofft, dass die Krienser aktiv das Brauchtum pflegen und an der Fasnacht mitmachen. «Ich möchte, dass die Krienser die Fasnacht nicht nur konsumieren und warten, bis etwas organisiert ist. Die typische Krienser Fasnacht erlebt nämlich wieder einen Aufschwung», sagt Christian Wenger. Er freut sich deshalb speziell auch auf den rüüdigen Samstag, wenn im Dorf wieder einiges los sein wird.

Christian Bertschi/Neue LZ