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KRIENS: Freiluft-Kegelbahn auf der Krienseregg wird abgerissen

Die Krienseregg ist bald um ein Unikum ärmer. Die Freiluft-Kegelbahn wird auf Druck von Naturschützern abgerissen – und das, obwohl ihr der Gemeinderat einen Sonderstatus zubilligt.
Die Kegelbahn neben dem Naturfreundehaus auf der Krienseregg. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 19. November 2017))

Die Kegelbahn neben dem Naturfreundehaus auf der Krienseregg. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 19. November 2017))

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Auf 1000 Metern über Meer, nur zehn Minuten von der Bahnstation Krienseregg entfernt, befindet sich inmitten des Krienser Hochwaldes das Naturfreundehaus. Die Naturkegelbahn, die Terrasse und die urchige Bergwirtschaft laden zum Verweilen und Geniessen ein. Doch die Idylle trügt. Nach langen Bewilligungsverfahren, Einsprachen und Verhandlungen wird die 1972 erstellte Kegelbahn, die zum Naturfreundehaus gehört, nun definitiv abgerissen. Das betrifft auch die beiden Holzhütten, die durch die Kegelbahn verbunden werden.

«Wir bedauern diesen Entscheid sehr. Unsere halbjährlichen Kegelanlässe fallen weg, und wir verlieren einen wichtigen Teil des Naturfreundehauses», sagt Hans Meier, der bis vor drei Jahren für den Unterhalt zuständig war und Mitglied im Naturfreundeverein Kriens ist. Seit knapp drei Jahren gehört das Naturfreundehaus nicht mehr dem rund 100-köpfigen Vereins. Judith Fux und Christian Tschümperlin übernahmen das Haus und führen es seither unter dem Namen Bergbeizli. Es bietet für bis zu 30 Gäste Übernachtungsmöglichkeiten und ist auch tagsüber bei Ausflüglern sehr beliebt.

Kegelbahn gefährdet Lebensraum von Tieren

Der Rückbau der Naturkegelbahn ist auch für Judith Fux ein Verlust: «Die Anlage hat bei den Gästen immer wieder für leuchtende Augen gesorgt, so etwas sieht man heute nicht mehr oft. Besonders bei Vereinen, Schulklassen und Familien war die Kegelbahn sehr beliebt.» Dem baldigen Abriss der Kegelbahn inklusive der beiden Hütten geht eine lange Vorgeschichte voraus – mit bitterem Ende für die meisten Beteiligten. Denn der Krienser Hochwald und die sich in diesem Gebiet befindenden Bauten waren bereits vor knapp zwei Jahren ein viel diskutiertes Thema. Anfang 2016 erfasste die Gemeinde Kriens alle 250 Bauten, die sich im Hochwald befinden. Viele davon wurden illegal erbaut und erforderten nachträgliche Bewilligungen. Dazu gehört auch die Naturkegelbahn beim Naturfreundehaus.

Um die Kegelbahn weiterhin nutzen zu können, reichten die Naturfreunde Kriens eine Baubewilligung bei der Gemeinde ein. Dagegen erhoben zwei Verbände Einspruch, der Schutzverband Vierwaldstättersee sowie Pro Natura. Deren Geschäftsführer Samuel Ehrenbold erklärt: «Im Gebiet des Krienser Hochwaldes gibt es zahlreiche Hoch- und Flachmoore. Es sind seltene und stark gefährdete Lebensräume mit oft bedrohten Tier- und Pflanzenarten, welche bundesrechtlich geschützt sind und daher nicht zerstört werden dürfen.» Da auch die Kegelbahn ein Hochmoor direkt schädige, habe man in der Einsprache gefordert, die Kegelbahn zurückzubauen und die Fläche zu renaturieren.

Einigung statt Gang vor Gericht

Die Gemeinde Kriens hat die Einsprachen entgegengenommen und anschliessend entschieden, dass sie die bestehende Kegelbahn weiterhin dulde: «Die Gemeinde Kriens stuft die halbautomatische Kegelbahn als erhaltenswertes Kulturgut ein. Wir gewichteten den Erhalt der 40-jährigen Kegelbahn höher, als dass diese Anlage aus dem Schutzgebiet entfernt werden muss», erklärt der zuständige Gemeinderat Matthias Senn.

Für Pro Natura war dieser Entscheid nicht nachvollziehbar: «Eine Duldung löst das Problem nicht, da dadurch die Beeinträchtigung des Lebensraums nicht rückgängig gemacht wird» sagt Ehrenbold. Die Organisation hat daraufhin beim Kantonsgericht Beschwerde eingereicht und gleichzeitig das Gespräch mit den Eigentümern gesucht. Mit diesen hat Pro Natura Luzern nun schriftlich vereinbart, dass die Kegelbahn zurückgebaut wird. «Dank der Einsicht und dem Entgegenkommen der Grundeigentümer konnten wir die Beschwerde zurückziehen», so Ehrenbold.

Judith Fux hingegen schildert den Ablauf in ganz anderen Worten: «Der grosse administrative Aufwand war uns ein Dorn im Auge. Auch wenn das Kantonsgericht den Entscheid der Gemeinde gutgeheissen hätte, wäre Pro Natura wohl noch weiter bis vor Bundesgericht gegangen.» Wäre die Naturschutzorganisation dort mit ihrem Anliegen durchgekommen, so hätten Judith Fux und Christian Tschümperlin die Gerichtskosten alleine stemmen müssen. «Wir haben bereits genug Geld für Bewilligungen, Nachprüfungen und Anwaltskosten ausgegeben. Deshalb haben wir letztlich mit unserem Anwalt eine Einigung mit Pro Natura ausgehandelt», erklärt Fux. Wie diese aussieht, ist bekannt: Bis Ende 2018 muss die Kegelbahn abgerissen werden; dafür wurde die Beschwerde zurückgezogen.

Hohe Gerichtskosten als Druckmittel?

Für den Krienser Einwohnerrat Viktor Bienz (CVP) ist klar: «Wenn Pro Natura androht, Beschwerde einzureichen, ziehen sich viele Betroffene zurück und fügen sich der Naturschutzorganisation. Denn ansonsten müssten sie für die Verhandlungen hohe Gerichtskosten auf sich nehmen.» Mit dieser Strategie nutze Pro Natura die Eigentümer der Bauten aus und erreiche ihre Ziele ohne Gerichtsprozesse.

Auch FDP-Gemeinderat Senn kritisiert: «Es ist schade, dass eine Naturschutzorganisation die Eigentümer zu einem Rückbau bringen kann, weil diese die finanziellen Konsequenzen eines negativen Urteils fürchten müssen.» Für den Gemeinderat sei es sehr schade, dass das «Alpenkulturgut» nun verschwindet. Diese Meinung werden wohl noch viele andere teilen.

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