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KRIENS: Gefängnis-Seelsorger nutzte Macht aus

Der katholische Seelsorger im Grosshof ist wegen mehrfacher Begünstigung und versuchter sexueller Handlungen verurteilt worden. Die Justizvollzugsanstalt zieht daraus Konsequenzen – während das Bistum Basel Sanktionen ankündigt.
Der Eingang zum Gefängnis Grosshof in Kriens. Hier ist Ignaz Walker in Haft. (Bild: Pius Amrein (Symbolbild))

Der Eingang zum Gefängnis Grosshof in Kriens. Hier ist Ignaz Walker in Haft. (Bild: Pius Amrein (Symbolbild))

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch


Seine Aufgabe sah er darin, Inhaftierte innerhalb der Mauern zu befreien. So beschrieb ein Gefängnisseelsorger, der jahrelang im Grosshof arbeitete, einst gegenüber unserer Zeitung sein Wirken. Genau dieser Mann wird künftig wohl selber einen Seelsorger brauchen – nachdem er der mehrfachen Begünstigung und der mehrfachen versuchten sexuellen Handlung mit einer Gefangenen schuldig gesprochen wurde. Dies geht aus dem Strafbefehl hervor, den unsere Zeitung gestern einsehen konnte.

Der katholische Diakon, der in einer Luzerner Gemeinde wohnt, hat den Gefangenen Dienste erwiesen, die er nicht hätte ausführen dürfen. So hat er während mehrerer Jahre eine nicht mehr bestimmbare Anzahl von ihm inhaltlich nicht bekannten Botschaften unter Untersuchungsgefangenen ausgetauscht. So unterlief er den behördlichen Briefkontakt, wie die Luzerner Staatsanwaltschaft im Strafbefehl schreibt. Damit konnten die Gefangenen in den Ablauf der Strafverfolgung eingreifen, was wiederum Beweisergebnisse verfälscht hat, weil die Aussagen der Gefangenen aufeinander abgestimmt werden konnten. In den Botschaften geht es vorwiegend um Diebstähle und Drogenverkäufe. Auch Liebesbriefe soll er ausgetauscht haben.

Er hat sie an Brüsten und Vagina berührt

Ferner wurde der Seelsorger der versuchten sexuellen Handlungen mit einer Insassin verurteilt. Er bot ihr an, für sie Bussen zu bezahlen, wenn er als Gegenleistung Sex erhalte. Aus dem Strafbefehl geht hervor, dass es zwar nicht zum Sex gekommen ist, aber zu zwei Vorfällen: Dabei hat der Seelsorger die Insassin an den Brüsten und an der Vagina «länger und intensiv» berührt. Diese Berührungen haben jeweils über den Kleidern stattgefunden. Zu mehr Intimität kam es nicht, weil die Frau jeweils in der Zelle aufgesprungen und herumgelaufen sei, schreibt die Luzerner Staatsanwaltschaft. Die Fälle haben sich Anfang 2015 ereignet. Nun wurde der Mann für beide Tatbestände zu einer bedingten Strafe von 150 Tagsätzen à je 140 Franken mit einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Er muss zudem eine Busse von über 4000 Franken zahlen und hat amtliche Kosten von 6560 Franken zu tragen. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Verurteilte hat innerhalb der bereits abgelaufenen Frist keine Einsprache erhoben. Ausserdem wurde gegen den Mann eine Strafuntersuchung wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz geführt – und eingestellt. Ihm konnte nicht nachgewiesen werden, dass er innerhalb der Justizvollzugsanstalt Handel mit Betäubungsmitteln betrieben hat.

Laut Gino Lohri, Stellvertretendem Leiter der Dienststelle Militär, Zivilschutz- und Justizvollzug, finden Gespräche zwischen Seelsorgern und Inhaftierten in deren Zellen statt. Diese sind nicht mit Kameras ausgestattet. Die Seelsorger können per Justizvollzugsverordnung Paragraf 69 mit Gefangenen frei verkehren. Die Anstaltsleitung kann und darf diese Kontakte weder überwachen noch anderweitig darauf Einfluss nehmen. «Das Vertrauen in die Person des Seelsorgers und deren Integrität ist daher systemimmanent», sagt Lohri. Trotzdem bringt der Vorfall nun aber einiges ins Rollen: «Ab sofort werden nun bis auf weiteres keine Einzelgespräche mit Frauen mehr durchgeführt.» Ausserdem werde man das Sicherheitskonzept aufgrund des vorliegendes Falles überprüfen und allenfalls für beide Justizvollzugsanstalten – den Grosshof in Kriens und das Wauwilermoos in Egolzwil – anpassen, sagt Gino Lohri auf Anfrage unserer Zeitung.

Welche konkreten Änderungen diskutiert werden, kann er zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ebenfalls unklar ist, warum der Vorfall ans Licht gekommen ist. Lohri sagt nur, dass die Polizei den Mann Ende August befragt hat, und führt an: «Seitens der Justizvollzugsanstalt wurde keine Anzeige eingereicht.» Auch seien keine Beschwerden oder negativen Rückmeldungen bei der Direktion oder der Aufsichtskommission eingegangen, betont Lohri. Fest steht: «Eine Weiterbeschäftigung im Grosshof kommt aufgrund des Vertrauensbruchs nicht mehr in Frage.» Der Mann war in einem 15-Prozent-Pensum im Grosshof angestellt. Im Wauwilermoos hat er nie als Seelsorger gearbeitet. Der Anwalt des Seelsorgers war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Bistum hat den Diakon per sofort freigestellt

Beim Bistum Basel, zu welchem der Kanton Luzern gehört, hat man Vorsichtsmassnahmen getroffen: «Der Seelsorger ist per sofort freigestellt», sagt der Bistumssprecher Hansruedi Huber. Er betont, dass die katholische Kirche bei sexuellen Übergriffen nichts toleriere. Zum jetzigen Prozedere sagt er: «Der Mann muss nun den Strafbefehl bei Bischof Felix Gmür einreichen. Anschliessend folgt eine Anhörung, und danach entscheidet der Bischof über die definitiven Sanktionen.» Welche das genau sein werden, sei derzeit nur Spekulation, so Huber. Grundsätzlich gehe die Bandbreite von Berufseinschränkungen bis zu einer lebenslangen Suspension.

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