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KRIENS: Gelingt Sprung ins Präsidium?

Der Grüne Cyrill Wiget (52) will Gemeinde- präsident werden. Im Interview sagt er, wieso die Sozialhilfekosten ein Problem sind und wie er mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten will.
Interview Dominik Weingartner
Der grüne Gemeinderat Cyrill Wiget will Krienser Gemeindepräsident werden. (Bild Dominik Wunderli)

Der grüne Gemeinderat Cyrill Wiget will Krienser Gemeindepräsident werden. (Bild Dominik Wunderli)

Interview Dominik Weingartner

Cyrill Wiget, Sie haben schon im April Interesse für das Amt des Gemeindepräsidenten bekundet. Haben Sie das Amt schon länger im Visier?

Cyrill Wiget*:Von langer Hand geplant war das sicherlich nicht. Nach dem ersten Wahlgang der Regierungsratswahlen haben die Medien sich bei den Gemeinderäten erkundigt, ob sie Interesse haben. Die Tatsache, dass wenig Interesse vorhanden war, hat mich motiviert. Ich finde es sinnvoll, dass ein bisheriger Gemeinderat das Präsidium übernimmt.

Die Aufgaben Ihres Umwelt- und Sicherheitsdepartements werden im Zuge der Departementsreform auf andere Departemente verteilt. Hat Ihre Kandidatur auch damit zu tun?

Wiget:Auch. Aber es gibt nach der Reform noch Departemente, die mich interessieren. Das Finanzdepartement etwa oder das neue Bau- und Umweltdepartement.

Was reizt Sie am Präsidium?

Wiget:Mir gefällt es, Leute zusammenzubringen, und das nicht nur auf der Ebene Gemeinderat, sondern auch auf der Ebene Einwohnerrat und Bevölkerung. Ich mag den Kontakt zu den Menschen. Ich finde es schön, wenn man auf der Strasse mit den Menschen sprechen und ihre Anliegen aufnehmen kann. Politiker werden oft missverstanden. Eine Brücke zwischen Volk und Politik zu schlagen, das fände ich sehr faszinierend.

Sie sprechen jetzt vor allem die Aufgaben des Gemeindepräsidenten nach innen an. Mit der Departementsreform wird der Gemeindepräsident zu einer Art «Aussenminister». Wie würden Sie diese Aufgabe wahrnehmen?

Wiget: Nach dem Nein zur Fusion war klar, dass die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden verstärkt werden muss. Den Gemeinden werden von Bund und Kanton viele Aufgaben zugeschanzt, ohne dass die finanziellen Ressourcen dafür bereitgestellt werden. Das ist eine Entwicklung, die mich sehr stört. Ich bin überzeugt, dass wir mit einer besseren Vernetzung sehr viel bewegen könnten.

Sie sind der Gemeinderat mit der kleinsten Fraktion im Rücken. Haben die Grünen überhaupt Anspruch auf das Gemeindepräsidium?

Wiget:Diese Frage empfinde ich immer als etwas komisch. Doris Leuthard kann auch Bundespräsidentin werden, und das als Vertreterin einer 15-Prozent-Partei. Die Grünen haben in Kriens einen ähnlich hohen Wähleranteil. Auf Bundesebene stellt sich die Frage nicht, deshalb verstehe ich nicht, warum sie sich hier stellen sollte. Wer eine kleine Partei im Rücken hat, muss zudem konsensfähig sein.

Der Gemeindepräsident soll integrierend wirken. Ist es denn sinnvoll, den Vertreter einer Pol-Partei in dieses Amt zu wählen?

Wiget: Ja. Paul Winiker kam ja auch von einer Pol-Partei. Gerade die Wahl in dieses Amt ist ein integrierender Akt. Die ­gewählte Person muss sich dann ein Stück weit anpassen. Diese Anpassungsfähigkeit habe ich in den letzten Jahren schon bewiesen, ohne mich dabei selber zu verleugnen.

Als Gemeindepräsident wären Sie auch für die Wirtschaftsförderung zuständig. Diese stand immer wieder in der Kritik.

Wiget:Die Kritik ist teilweise berechtigt. Wir zahlen viel Geld an die kantonale Stiftung Wirtschaftsförderung. Diese hat die Aufgabe, Firmen im Kanton anzusiedeln. Ob die Firma dann nach Emmen, Luzern oder Kriens kommt, ist nicht Teil dieser Aufgabe. Darum braucht es ergänzend auch eine kommunale Wirtschaftsförderung.

Wie soll das genau aussehen?

Wiget:Es geht nicht nur um die Ansiedlung von Firmen, sondern auch um die Bestandespflege. Ich möchte wissen, wo beim Gewerbe der Schuh drückt, und Unterstützung bieten. Als Krienser Gewerbetreibender (Wiget ist Inhaber eines Velogeschäfts, Anm. d. Red.) stelle ich immer wieder fest, wie wichtig eine gute und offensive Kommunikation ist.

In Kriens spricht man vor allem über die Ansiedlung grosser Unternehmen, wie beispielsweise beim Mattenhof.

Wiget:Klar, es braucht grosse Firmen, aber nicht nur. Wir brauchen auch KMU. Die grossen Unternehmen sind extrem unberechenbar, wie man jetzt gerade am Beispiel Andritz Hydro sieht. Die Konzernzentrale weit weg kommt zum Schluss: Hier haben wir zwar 100 Jahre lang produziert, aber jetzt ist es nicht mehr der richtige Ort, und die Produktion wird nach Deutschland verlegt. Das geht über Nacht. Der Entscheid mag zwar unternehmerisch richtig sein, aber die Arbeitsplätze in Kriens sind weg. Kleinere und mittlere Betriebe sind in der Regel stärker verankert.

Der Verkehr in Kriens ist ein Dauerthema. Man hat den Eindruck, die Situation verschlimmert sich stetig.

Wiget:Dass es immer schlimmer wird, stelle ich in Frage. Wir waren sehr erfolgreich bei der Verlagerung des Verkehrs auf den ÖV ins Obernau. Der Ortsteil ist sehr stark gewachsen, trotzdem war die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs über die letzten Jahre weitgehend stabil. Wir sind aber noch nicht am Ziel.

Der Gemeinderat hat ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet, das bald in den Einwohnerrat kommt. Bringt dieses den grossen Befreiungsschlag?

Wiget: Der grosse Wurf in diesem Konzept ist die Einsicht, dass es einen ganzen Strauss an Massnahmen braucht. Die Idee einer Einzelmassnahme ist im Ansatz schon falsch. Selbst wenn wir Geld hätten für einen Tunnel unter dem Zentrum hindurch, was passiert denn dort, wo der Tunnel aufhört? Was wäre mit dem zusätzlichen Siedlungsdruck im Obernau? Zonen wir dann ein bis in den Hergiswald? Viel sinnvoller ist es doch, dort neu zu bauen, wo die Bahn ist, wo der Bus ist, wo die Strassen schon sind, also im Süden von Kriens.

Was sieht das Konzept konkret vor?

Wiget:Wir haben vier Verkehrsträger: Fussverkehr, Veloverkehr, ÖV und Autoverkehr. Wir setzen die Verkehrsträger dort ein, wo sie richtig sind. In einem Jahr werden wir eine Fuss- und Veloachse von Luzern in den Mattenhof eröffnen. Bei der S-Bahn wird es eine Taktverdichtung geben. Dann werden wir die neue Buslinie 3 von Kriens nach Emmen auf der Hauptachse erhalten. All diese Massnahmen bringen uns eine gewaltige Entlastung auf den Hauptachsen.

Ein grosses Thema ist auch der Bypass. Hier brauchte es den Druck des Einwohnerrats, bis der Gemeinderat aktiv wurde. Warum?

Wiget: Der Einwohnerrat hat uns in dieser Frage enorm den Rücken gestärkt, der Druck war absolut sinnvoll. Wir haben nun unsere Stellungnahme abgegeben, und ich denke, das ist ein starkes Zeichen.

Wird das Zeichen auch wirken?

Wiget: Ich kann nicht genau sagen, wie weit die Einhausung des Tunnels gelingen wird, aber ich bin überzeugt, dass wir etwas gewinnen werden. Das betroffene Gebiet wird sich in den nächsten Jahren stark entwickeln. Wenn das konkrete Projekt dannzumal vorliegen wird, wird man womöglich auch einsehen, dass eine Einhausung nötig ist, weil die Strasse mitten durch ein Wohngebiet führt.

Kriens hat die höchste Sozialhilfequote im Kanton. Wie kann man diese senken?

Wiget:Das Stossende bei der Sozialhilfe ist nicht, dass die Bezüger hier wohnen, sondern dass wir die ganzen Lasten tragen müssen. Das ist so nicht in Ordnung. Wir möchten, dass diese Lasten ausgeglichen werden. Was hier läuft, ist teilweise schon dramatisch. Auf dem Land kann man einem Sozialhilfebezüger das Leben etwas schwerer machen, und dann verschwindet er in der Anonymität der Agglo, und diese finanziert.

Die Landgemeinden sind aber sowohl im Kantonsrat als auch von der Bevölkerungszahl her in der Mehrheit.

Wiget:Wir hätten gleichwohl sehr gute Karten, hier etwas zu ändern. Die fünf Agglogemeinden stellen knapp die Hälfte der Kantonsbevölkerung. Aber auch Hochdorf und Sursee haben dieses Problem. Wenn alle Zentren zusammenarbeiten würden, hätten wir eine Mehrheit.

Paul Winiker wurde als Gemeindepräsident in den Regierungsrat gewählt. Haben Sie auch Ambitionen, die über Kriens hinausgehen?

Wiget:Nein, überhaupt nicht. Ich sehe mein Wirkungsfeld auf der kommunalen Ebene.

Aber Sie haben im März für den Kantonsrat kandidiert.

Wiget:Ich hätte mir damals vorstellen können, ganz in meinen Betrieb zurückzukehren und daneben im Kantonsrat zu politisieren. Aber durch die Möglichkeit des Rollenwechsels auf Gemeindeebene steht das jetzt nicht mehr zur Debatte.

Heisst das, dass Sie als Gemeinderat zurücktreten, wenn Sie nicht zum Präsidenten gewählt werden?

Wiget: Nein. Ich bin auch motiviert, das neue Bau- und Umweltdepartement zu führen. Auch dort könnte ich viel für Kriens erreichen.

Kriens ist für Aussenstehende schwer fassbar. Wie wollen Sie der Gemeinde ein Gesicht geben?

Wiget: Ohne meine Möglichkeiten zu überschätzen: Kriens ein Gesicht zu geben, ist genau das, was mich reizt. Ich verbinde in meiner Person ein bisschen das Urbane und das Ländliche. Ich mag das pulsierende, kulturelle Leben. Gleichzeitig habe ich auch eine bodenständige, naturnahe Seite und eine Liebe zur Landwirtschaft.

HINWEIS

Cyrill Wiget (52) ist seit 2004 Vorsteher des Umwelt- und Sicherheitsdepartements in Kriens. Zuvor war er 8 Jahre im Einwohnerrat. Die Gemeinderatswahl in Kriens findet am 23. August statt.

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