KRIENS: Heinrich Wachter ist Gallivater

Die Galli-Zunft hat ihren «Chef für 2014 erkoren – und für Staunen gesorgt. Denn Heinrich Wachter erschien zuvor auf keiner Kandidatenliste.

Raphael Zemp
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Der neue Gallivater Heinrich Wachter (52) mit Ehefrau Rita, Tochter Ramona und Sohn Andreas auf dem Balkon seiner Wohnung in Kriens. (Bild Philipp Schmidli)

Der neue Gallivater Heinrich Wachter (52) mit Ehefrau Rita, Tochter Ramona und Sohn Andreas auf dem Balkon seiner Wohnung in Kriens. (Bild Philipp Schmidli)

«Sehr überrascht» sei er gewesen. Heinrich Wachter kann es noch immer nicht wirklich fassen. Der 52-jährige Krienser ist frischgebackener Gallivater 2014. Zusammen mit seiner Gattin Rita (52) sitzt er am Wohnzimmertisch seiner Terrassenwohnung an der Blumenhalde und versucht, das Geschehene in Worte zu fassen.

Er sei zwar ein überzeugter Zünftler, das hat in Wachters Familie Tradition. Schon sein Vater und sein Grossvater seien Mitglieder der Galli-Zunft gewesen, Letzterer war im Jahre 1957 gar Gallivater. «Der Erhalt von lokalem Brauchtum ist wichtig», ist der ehemalige Guuggenmusig-Trompeter und aktive Chlauschlöpfer überzeugt. Trotzdem: Dass er in die Fussstapfen seines Grossvaters treten würde, war für Wachter keine Selbstverständlichkeit. «Mit dieser Anfrage habe ich nicht rechnen dürfen», sagte er gestern.

Keiner hat von Nomination gewusst

Er sei nie gross für diesen Posten gehandelt worden. Überrascht waren denn auch seine Zunftkollegen, als am Samstagabend nach Wochen der Geheimniskrämerei die Katze endlich aus dem Sack gelassen wurde. Wachters Name tauchte auf keiner Kandidatenliste auf, und niemand setzte Geld auf seine Nomination zum Gallivater. «Das Wettbüro dürfte sich über das viele Geld gefreut haben», meint Wachter schelmisch, seine Augen funkeln spitzbübisch auf. Er, der er sonst so schlecht lügen könne, habe es geschafft, dass niemand von seiner Nomination Wind bekommen habe. Nicht einmal aus seinem engsten Umfeld. «Ich habe mich diebisch gefreut.»

Was auf ihn zukommen werde? Vieles sei unklar. Mit einem Finger lockert Wachter die Krawatte. «Auf jeden Fall warten sehr viele Termine.» Umso wichtiger, dass er sich der Unterstützung seines Umfeldes und seines Arbeitgebers – Wachter arbeitet als Agrarkaufmann für die kantonale Dienststelle für Landwirtschaft und Wald in Sursee – sicher ist. «Ohne das Einverständnis meiner Frau hätte ich dieses Amt niemals angenommen», erklärt Wachter. Auch die Kinder Andreas (25) und Ramona (23), die im Verlaufe des Gesprächs dazu- stossen und die sonntagmorgendliche Familienidylle komplettieren, stehen hinter dieser Entscheidung.

«Mit Leib und Seele dabei»

«Es war eine Frage der Zeit, bis er Gallivater werden würde», meint Sohn Andreas. Denn er habe sich mit grossem Engagement für die Zunft und das Erhalten von lokalem Brauchtum eingesetzt, sich für den Krienser Politbetrieb interessiert. Eine Aussage, die den um Bescheidenheit bemühten frischgebackenen Gallivater in Verlegenheit bringt. «Das war niemals klar», sagt er. Mit pflichtbewusster Bestimmtheit fügt er dann aber hinzu: «Natürlich aber nehme ich diese Herausforderung mit grosser Freude an.» Ehefrau Rita pflichtet ihm bei: «Wir werden mit Leib und Seele dabei sein.»

Mit 20 Jahren ausgewandert

Während des Gesprächs schweift Heinrich Wachters Blick Mal um Mal hinüber zum Pilatus, der zum Greifen nah vor der grossen Fensterfront thront. Die steilen bewaldeten Hänge leuchten in prächtigen Herbstfarben. Die Natur fasziniert Wachter. «Ich bewege mich gerne draussen, bei jedem Wetter», erklärt der passionierte Hobbybiker. Es waren diese Faszination für die Natur und der Durst nach Abenteuer und Freiheit, die den zwanzigjährigen, gerade zum Landwirt ausgebildeten Wachter in den Norden der USA verschlugen. Andert­halb Jahre lebte er dort seinen Auswanderungstraum, kehrte dann aber wieder in die Schweiz zurück. «Als Heimweh die Lust am Abenteuer überwog, wusste ich, dass es Zeit war», sagt er.

Sein Glück hat Wachter schliesslich in Kriens gefunden. Hier ist er geboren und aufgewachsen. Hier hat er 1985 seine künftige Frau Rita, ebenfalls aus Kriens, kennen gelernt. Und hier wird er nun ein Jahr lang das Aushängeschild der Galli-Zunft sein, sich für das Krienser Brauchtum starkmachen. «Das ist etwas, das mir sehr nahe liegt.»