KRIENS: Hitzige Debatte ums Zentrum

Das Zentrumsprojekt hat an einer Podiumsdiskussion gestern für rote Köpfe gesorgt. Befürworter und Gegner kreuzten die Klingen.

Lena Berger
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Das Areal Schappe Süd – fotografiert am 13. Januar – soll künftig als Kultur- beziehungsweise Jugendzentrum genutzt werden. Heute ist hier die Feuerwehr einquartiert. (Bild Pius Amrein)

Das Areal Schappe Süd – fotografiert am 13. Januar – soll künftig als Kultur- beziehungsweise Jugendzentrum genutzt werden. Heute ist hier die Feuerwehr einquartiert. (Bild Pius Amrein)

61,4 Millionen Franken will die Gemeinde Kriens in ein neues Zentrum investieren. Ob sie sich das leisten kann, ist eine der zentralen Fragen, die an der gestrigen Podiumsdiskussion im Scalasaal die Debatte prägten. Denn: Die Verschuldung der Gemeinde Kriens würde durch das Zentrumsprojekt auf brutto 220 Millionen Franken ansteigen, wie Gemeindepräsident Paul Winiker im Vorfeld der Diskussion bestätigte. «Diesen Schulden steht aber ein Wert gegenüber, von dem wir noch Jahrzehnte profitieren können», betonte er.

An der Diskussion, die von Luca Wolf, Redaktor der «Neuen Luzerner Zeitung» moderiert wurde, traten die Einwohnerräte Rolf Schmid (CVP), Beat Tanner (FDP), und Erich Tschümperlin (Grüne) fürs Zentrum ein. Sie teilten die Ansicht des Gemeindepräsidenten. «Wir müssen verhindern, dass Kriens zur Bronx von Luzern wird», sagte etwa Rolf Schmid. Sein Ratskollege Tanner stimmte ihm zu. «Die nächste Generation zahlt ans Zentrumsprojekt, wir geben ihr dafür aber eine gute Infrastruktur mit.» Kriens müsse attraktiver für Investoren und Zuzüger werden. «Wer ernten will, muss jetzt sähen.» Dank, nicht trotz, des Zentrumsprojekts könne man die Verschuldung ab 2017 stoppen.

Für ein Nein legten sich die beiden SVP-Einwohnerräte Peter Portmann und Martin Heiz ins Zeug. Zu den Berechnungen des Gemeinderats meinte Heiz: «Das sind nur Annahmen, die müssen erst noch eintreffen. Der Verkauf der gemeindeeigenen Areale Bosmatt und Mühlerain, welcher der Verschuldung entgegenwirken soll, sei noch nicht beschlossen. «Wenn dieses Puzzleteil durch die Opposition der Linken wegfällt, geht es nicht mehr auf», befürchtete er. Und sein Parteikollege Portmann ergänzte: «Wir wollen eine Etappierung. Erst soll das Teiggi-Areal, dann das Zentrum Pilatus gebaut werden.» Den Rest solle man realisieren, wenn das Geld da sei.

Das lehnte Erich Tschümperlin ab. Die Projekte seien eng miteinander verknüpft: «Das Jugendzentrum zieht von der Teiggi nach Schappe Süd. Das ist nur möglich, wenn die Feuerwehr zuvor ins Eichenspes ziehen kann.» Und Beat Tanner ergänzte: «Eine Etappierung bringt Mehrkosten, weil für die Vorverträge mit den Investoren neue Konditionen ausgehandelt werden müssten.»

«Feuerwehr / Werkhof Eichenspes» (Bild: PD)
18 Bilder
«Feuerwehr / Werkhof Eichenspes» (Bild: PD)
«Werkhof / Eichenspes» (Bild: PD)
Spatenstich am 26. Januar 2015 für das Feuerwehrlokal und den Werkhof im Eichenspes. (Bild: PD)
«Teiggi mit Gemeindehaus» (Bild: PD)
«Teiggi mit Gemeindehausplatz» (Bild: PD)
«Kultur / Jugend / Gewerbe Schappe Süd (mit Musikschule)» (Bild: Visualisierung PD)
«Schappe Süd» (Bild: PD)
Schappe Süd (Bild: PD)
Langmatt (Bild: PD)
«Zentrum Pilatus» (Bild: Visualisierung PD)
«Teiggi» (Bild: PD)
«Wohnpark Teiggi / Gemeindehaus-Areal» (Bild: Visualisierung PD)
«Schappe Süd» (Bild: PD)
Vorplatz mit Zentrum Pilatus aus Richtung Bellpark. (Bild: PD)
«Pilatussaal» (Bild: PD)
Zentrum Pilatus. (Bild: PD)
Die vier Teilprojekte in der Übersicht. (Bild: PD)

«Feuerwehr / Werkhof Eichenspes» (Bild: PD)

Angst vor Mehrverkehr

Als weiteren Kritikpunkt führten die SVP-Vertreter Mehrverkehr an, der durch die Realisierung der Projekte entstehen – und die ohnehin verstopfte Luzernerstrasse weiter belasten würde. Dem widersprach Erich Tschümperlin: «Geplant ist eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen, das ermöglicht kurze Arbeitswege ohne Zusatzverkehr.» Und der Bus halte schliesslich vor der Türe.

Falsche Prioritäten gesetzt?

Im Anschluss an das Podiumsgespräch wurde die Diskussion auf alle Besucher ausgeweitet. Dabei zeigte sich, dass so mancher der rund 120 anwesenden Krienser dem Zentrum gegenüber skeptisch eingestellt ist. «Die Gemeinde setzt falsche Prioritäten», kritisierte ein Teilnehmer. Handlungsbedarf herrsche vor allem bei der Sanierung des Altersheims Grossfeld. Mindestens vier Mal hätte man in den letzten 40 Jahren das Zentrum neu gestalten wollen. «Dabei gehen die Leute viel lieber in die Stadt. Das ist eine Realität, die wir akzeptieren sollen.» Mehrfach für Kritik sorgten aber auch die Plakate der SVP, die den Jungen mit einer einseitigen Darstellung der Verschuldung Angst machen würden.

Im Rahmen der Neugestaltung des Zentrums würde das Areal Schappe Süd neu als Kultur-/Jugendzentrum genutzt. Im Eichenspes soll die Feuerwehr eine moderne Infrastruktur erhalten. Auf dem Areal Gemeindehaus/Teiggi sind Alterswohnungen geplant. Beim ehemaligen Hotel Pilatus ist der Bau eines Geschäftsgebäudes geplant.