Analyse

Kriens/Horw: Daran krankt die Suche nach einem neuen Ökihof-Standort

Eins ist für alle Beteiligten klar: Der Ökihof im Gebiet Kriens-Horw muss entlastet werden. Doch was den Standort angeht, herrscht grosse Uneinigkeit.  

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Stefan Dähler

Stefan Dähler

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Stefan Dähler.

Stefan Dähler.

Und wieder nichts – auch der Standort Grütwäldli neben dem Pilatusmarkt kommt für einen neuen Ökihof im Gebiet Kriens-Horw wohl nicht in Frage. Das hat der Krienser Stadtrat kürzlich bekanntgegeben. Der Kanton würde die Waldrodung höchstwahrscheinlich nicht bewilligen. Zwar ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Initiative der Krienser FDP für die Prüfung des Standorts Grütwäldli ist noch hängig und wird am 19.  März im Einwohnerrat behandelt. Doch auch ein Ja durch das Parlament und das Volk hätte keinen Einfluss auf das Bewilligungsverfahren des Kantons.

Damit reiht sich wohl auch das Grütwäldli in die lange Liste des Scheiterns ein. Geschlagene 24 mögliche Standorte hat der Gemeindeverband Real in den letzten Jahren im Gebiet Luzern Süd geprüft, um den Ökihof an der Horwer Technikumstrasse zu ersetzen beziehungsweise zu entlasten. Eine Lösung hat Real bisher nicht gefunden. Neben dem Grütwäldli stand am Ende der Evaluation nur noch das Areal Hinterschlund, das der Stadt Luzern gehört und in Kriens liegt, zur Diskussion. Dies als Zwischennutzung in Kombination mit einem von der Stadt Luzern geplanten Carparking. Doch auch für diese Option sind die Chancen gesunken, da der Krienser Einwohnerrat eine Motion überwiesen hat, die befristete Zwischennutzungen auf dem Areal via Bau- und Zonenreglement verbieten will.

Dass die Suche nach einem neuen Ökihof in Luzern Süd bisher nicht erfolgreich war, hat mehrere Gründe. Am Anfang steht, dass es die Behörden versäumt haben, bei den Planungen Platz für einen solchen zu berücksichtigen. So wurden zahlreiche Standorte nicht weiterverfolgt, weil für diese im Entwicklungskonzept Luzern Süd aus dem Jahr 2013 eine andere Nutzung vorgesehen war, wie dem Evaluationsbericht von Real zu entnehmen ist. Das im Nachhinein zu korrigieren, ist sehr schwierig. Viele Grundeigentümer haben wenig Interesse, ihr Land für eine Entsorgungsstelle bereitzustellen. In einem Boom-Gebiet ist es lukrativer, Wohnungen zu realisieren oder das Land teuer zu verkaufen. So sind bei der Suche denn auch viele Standorte an der Bereitschaft der Grundeigentümer gescheitert. Unter diesen Eigentümern befinden sich übrigens auch Stadt und Kanton Luzern. Letzterer lehnt einen Ökihof auf dem Areal Widehof in Kriens wegen des benachbarten Gefängnisses Grosshof ab. Die Stadt Luzern wiederum will aus raumplanerischen Gründen keinen Ökihof eingangs des Eichwäldli beim Murmattweg, heisst es im Bericht. Denn ein solcher hätte für die Anwohner Mehrverkehr zur Folge.

So muss Real allenfalls am Ende auf die alten Pläne für einen Umbau des bestehenden Standorts zurückgreifen – den wiederum die Gemeinde Horw bisher abgelehnt hat. Etwas Zeit hat man sich immerhin durch die Einführung von Sofortmassnahmen beim bestehenden Ökihof verschafft. So gibt es längere Öffnungszeiten am Mittwochabend und eine 5-Franken-Gebühr für Anlieferungen mit dem Auto am Samstag, die an die Entsorgungsgebühr angerechnet wird. Dies, um die Überlastung während der Spitzenzeiten zu lindern. Doch langfristig gesehen dürfte das angesichts des Baubooms im Gebiet Luzern Süd nicht reichen.

Die ganze Geschichte zeigt so auch die Grenzen der gemeindeübergreifenden Planung auf. Zwar reden beim Gebiet Luzern Süd mit drei Gemeinden sowie dem Gemeindeverband Luzern Plus zahlreiche Player mit. Für einen neuen Ökihof fühlt sich aber offenbar niemand so richtig zuständig  – beziehungsweise will niemand seiner Bevölkerung den Anfahrtsverkehr zumuten. Die Gemeinde Horw hat inzwischen gar einen Standort für eine eigene Entsorgungsstelle evaluiert – der aber nur der Horwer Bevölkerung offenstehen würde. Sollte es tatsächlich so weit kommen, wäre es das traurige Ende einer scheinbar unendlichen Geschichte.

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