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KRIENS: «Ich bin eher liberal als konservativ»

Martin Zellweger (52) will für die SVP den Sitz im Gemeinderat verteidigen. Im Interview erzählt der politische Newcomer, welche Werte ihm besonders wichtig sind.
Interview Dominik Weingartner
Martin Zellweger in der Nähe des Schlosses Schauensee. «Von hier aus hat man eine gute Sicht auf das alte Kriens mit dem Dorfzentrum und auf das neue Kriens im Süden», sagt er. (Bild Pius Amrein)

Martin Zellweger in der Nähe des Schlosses Schauensee. «Von hier aus hat man eine gute Sicht auf das alte Kriens mit dem Dorfzentrum und auf das neue Kriens im Süden», sagt er. (Bild Pius Amrein)

Interview Dominik Weingartner

Martin Zellweger*, Sie hatten einen gut bezahlten Job in der Geschäftsleitung der Firma Bison. Wieso wollen Sie nun Gemeinderat werden?
Martin Zellweger:
Ich habe meine Aufgabe bei der Bison beendet, weil ich den Bedarf für einen Wechsel hatte. Der Lohn war nie meine Motivation, so funktioniere ich nicht. Ich wollte etwas Neues angehen. Ich habe den Job auch nicht aufgegeben, weil ich Gemeinderat werden wollte.

Ging die Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei der Bison von Ihnen aus?
Zellweger: J
a, ich habe im Februar gekündigt. Ich war 12 Jahre dort. Mit der Übernahme der Bison durch die Fenaco-Landi-Gruppe im November 2014 hat es viele Veränderungen gegeben. Ich hatte das Gefühl, das sei der richtige Zeitpunkt, um etwas Neues anzupacken.

Haben Sie damals schon an die Politik als neues Betätigungsfeld gedacht?
Zellweger:
Ehrlich gesagt, nein. Ich habe mich im Januar entschieden, zu kündigen. Anfang März kam dann vor dem 1. Wahlgang der Regierungsratswahlen die Idee auf, in die Politik zu steigen.

Sie sind ja auch erst dann in die SVP eingetreten.
Zellweger:
Ja, ich bin diesen Frühling in die SVP eingetreten.

Hat beim Entscheid für diesen Beitritt auch mitgespielt, dass die Partei ein attraktives Exekutivamt anzubieten hatte?
Zellweger:
Nein. Ich habe mir diese ­Frage in diesem Zusammenhang aber auch gestellt, in der Hinsicht, dass Gemeinderat zu werden für mich ein Weg sein ­könnte und dass die SVP als Partei für mich stimmt. Das sind schon Überlegungen, die ich mir fundiert gemacht habe. Aber es ist nicht so, dass ich einfach zu einer anderen Partei gegangen wäre, wenn die Situation dort ähnlich gewesen wäre.

Die FDP wäre für Sie also nicht in Frage gekommen?
Zellweger:
Nein. Der Entscheid für die SVP hat sehr viel mit der Lokalpolitik in Kriens zu tun. Hier hat die SVP in den letzten Jahren das vertreten, was mir politisch wichtig ist. Mein Interesse für die Lokalpolitik wurde um 2008 stärker, als die ersten dunklen Wolken am Krienser Finanzhimmel auftauchten. Seither hat die SVP den Weg zur Gesundung der Finanzen konsequent vertreten. Die SVP ist für mich auch transparent. Da weiss ich seit Jahren, woran ich bin. Die SVP vertritt Grundwerte, zu denen ich stehen kann.

Wie würden Sie sich selber politisch einschätzen?
Zellweger:
Ich komme aus der Wirtschaft und habe darum auch eine Affinität zu diesem Bereich.

Sind Sie eher liberal oder konservativ?
Zellweger:
Eher ein bisschen liberaler als konservativ, obwohl ich schon auch auf bewährte Werte setze.

Bei der ersten parteiinternen Nomination waren Sie nur zweite Wahl. Ist das ein Nachteil für den 2. Wahlgang?
Zellweger: I
ch habe mir überlegt, ob es richtig ist, aus dieser Position in den 2. Wahlgang einzusteigen. Ich bin in der Zwischenzeit näher an der Partei, hatte mehr Möglichkeiten, mich zu vernetzen. Es wäre nicht richtig gewesen, wenn ich jetzt nicht angetreten wäre.

Sie haben keine politische Erfahrung. Trauen Sie sich zu, das Gemeinderatsamt stemmen zu können?
Zellweger:
Es gibt Parallelen zwischen meiner langjährigen Tätigkeit in der Unternehmensführung und dem Gemeinderatsamt. Die strategische Führung der Gemeinde ist zwar etwas anderes, aber es gibt Fähigkeiten und Eigenschaften, die ich mitbringe, die man in dieser Aufgabe gut brauchen kann. Davon bin ich überzeugt.

In der Geschäftsleitung einer Firma kann man vieles alleine oder in kleinen Teams entscheiden. In Kriens gibt es ein Parlament und das Stimmvolk.
Zellweger:
Das darf man nicht so schwarz-weiss sehen. Selbstverständlich ist das politische Umfeld anders. Aber es ist nicht so, dass man in einem Unternehmen einfach so frei entscheiden kann. Man ist auch dort in einen Mechanismus eingebunden, es gibt zum Beispiel noch einen Verwaltungsrat oder Kunden. Gerade bei der Fenaco-Landi-Gruppe habe ich spannende Erfahrungen gemacht. Das ist ein genossenschaftlich organisierter Konzern, der indirekt den Bauern gehört. Dort gibt es sehr viele politische Mechanismen. Es gibt viele Gremien und Ausschüsse, in denen Meinungen gebildet werden müssen. Ich kann mir also gut vorstellen, auch in der politischen Welt gut zu funktionieren.

Der Verkehr ist in Kriens ein Dauerthema. Wie lauten hier Ihre Ideen?
Zellweger:
Für mich ist wichtig, dass es ausgewogene Verkehrsmöglichkeiten gibt. Es ist nicht die Lösung, alles auf den öffentlichen Verkehr zu setzen. Das funktioniert nicht und bringt Kriens nicht vorwärts. Was mir im Moment fehlt, ist die langfristige Sicht. Beim Bypass reicht eine Überdachung nicht. Der Verkehr, der auf die zehn Spuren auf- und abfährt, muss irgendwo aufgefangen werden. Wenn wir eine langfristige Krienser Planung haben, ist es auch einfacher, Forderungen gegenüber Bund und Kanton zu stellen.

Die Krienser Wirtschaftsförderung stand immer wieder in der Kritik. Der Gemeinderat verweist gerne auf die kantonale Stiftung Wirtschaftsförderung, die auch für Kriens zuständig sei. Tut die Gemeinde selber zu wenig für die Wirtschaft?
Zellweger:
Es kommt darauf an, wie man mit der Stiftung Wirtschaftsförderung zusammenarbeitet. Ich habe aber schon das Gefühl, dass es notwendig ist, von der Gemeinde aus aktiv zu werden. Wir müssen unsere Bedürfnisse adressieren.

Kriens setzt viele Hoffnungen in Neubauprojekte, vor allem in Luzern Süd. Wie realistisch sind hier die Prognosen bezüglich Ansiedlung von Firmen und potenten Steuerzahlern?
Zellweger:
Das Potenzial ist schon gross. Die Orte, die man jetzt ausbaut, sind attraktiv. Die Frage ist, in welchem Zeitraum sich die erhofften Mehreinnahmen auch wirklich einstellen. Um das zu beurteilen, kenne ich die Berechnungsgrundlagen noch zu wenig.

Wie beurteilen Sie die Krienser Finanzpolitik der letzten Jahre – sie wurde gerade von der SVP immer wieder kritisiert?
Zellweger:
Die Strategie ist richtig. Die konkreten politischen Entscheide hat Paul Winiker nicht alleine beeinflusst. Dort gibt es Themen, die man diskutieren muss. Die letzte Rechnung war zwar positiv, aber das ist nicht nachhaltig. Das strukturelle Defizit besteht nach wie vor. Wir hatten beispielsweise nicht die Einnahmeentwicklung, die wir eingeplant hatten.

Sie sind gegen Steuererhöhungen. Also muss man die Ausgaben anschauen. Wo sehen Sie da noch Sparpotenzial?
Zellweger:
Die Stadt Luzern hat jetzt viele Sparmassnahmen präsentiert. Ich finde es gut, dass man überall geschaut hat, wo es noch Sparpotenzial hat. Wir müssen auch in Kriens die Kultur entwickeln, uns im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu bewegen. Alle Bereiche müssen andauernd und regelmässig auf Sparpotenzial hin überprüft werden.

Welches Departement würden Sie gerne übernehmen?
Zellweger:
So wie es jetzt aussieht, wäre es das Finanzdepartement. Das würde ich gerne übernehmen. Ich bin aber auch offen für ein anderes Departement.

Was würden Sie im Finanzdepartement anders machen als Paul Winiker?
Zellweger:
Ich würde nicht grundsätzlich etwas anders machen. Paul Winiker hat einen guten Weg eingeschlagen. Er hat der Gemeinde mit der Vier-Säulen-Strategie (Effizienzsteigerung, Leistungsabbau, Einnahmesicherung und Investitionsoptimierung, Anm. d. Red.) eine gute Struktur gegeben, wie man die Sanierung der Finanzen angehen soll. Ich finde es wichtig, dass es eine solche Strategie gibt, an der man sich festhalten und messen kann.

Wie hoch schätzen Sie Ihre Wahlchancen ein?
Zellweger: I
ch glaube, ich habe eine gute Chance bei der bürgerlichen Basis. Ich behaupte auch, es gibt auf der linken Seite Leute, welche die Konkordanz wollen.

*Martin Zellweger (52) arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater. Vorher war er zwölf Jahre lang in der Geschäftsleitung der Bison Schweiz AG in Sursee, die letzten fünf Jahre als COO. Zellweger ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Der 2. Wahlgang zu den Gemeinderatswahlen findet am 27. September statt. Lesen Sie nächste Woche das Interview mit CVP-Kandidat Franco Faé.

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