KRIENS: «Ich will nicht missionieren»

Die Muslimin, die in Kriens als Kindergärtnerin arbeitet, unterrichtet schon seit drei Jahren mit Kopftuch. Im Sommer wird sie eine neue Stelle antreten.

Interview Guido Felder
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Sandra Farid, Sie sind wegen Ihres Kopftuchs, mit dem Sie in Kriens unterrichten, in den Schlagzeilen. Wie reagieren Sie darauf?

Sandra Farid*: Ich hatte erwartet, dass es an der Schule Reaktionen auf mein Kopf­tuch geben wird – aber nicht, dass es eine so grosse politische Debatte auslöst.

Es ist nicht Ihre erste Stelle, wo Sie mit Kopftuch unterrichten. Wie waren die Reaktionen vorher?

Farid: Ich arbeite seit drei Jahren mit Kopftuch, bisher ausschliesslich an privaten Einrichtungen. Ich wurde stets offen empfangen, es war nie ein Thema wie jetzt in Kriens.

War das Kopftuch Thema, als Sie in Kriens der Klasse vorgestellt wurden?

Farid: Nein, es war kein Thema, da dringend eine Teilzeitvertretung benötigt wurde und ich die nötige fachliche Kompetenz und Erfahrung mitbringe.

Wie haben die Eltern auf das Kopftuch reagiert?

Farid: Sie haben offen reagiert.

Und die Kinder?

Farid: Die waren offen und gwundrig. Sie wollten meine Haare sehen.

Und haben Sie sie gezeigt?

Farid: Ja. Die Kinder mussten kichern, als ich plötzlich ganz anders aussah.

Welche Regeln wurden Ihnen von der Schule auferlegt?

Farid: Ich unterrichte nach dem Luzerner Lehrplan. Ich habe in keiner Weise die Absicht, zu provozieren oder zu missionieren.

Ihnen werden nahe Kontakte zu islamistischen Plattformen wie «Die Wahrheit» oder zur Islamischen Jugend Schweiz nachgesagt.

Farid: Ich bin weder Aktiv- noch Passivmitglied und distanziere mich von sämtlichen Behauptungen, die über mich veröffentlicht wurden.

Der Islamische Zentralrat gilt als extrem. Wie stellen Sie sich dazu?

Farid: Ich bin nicht Mitglied, weder aktiv noch passiv.

Wie bewerten Sie diese Organisation?

Farid: Das kann ich nicht sagen. Da bin ich zu wenig informiert.

Warum sind Sie zum Islam konvertiert?

Farid: Im Islam habe ich die Antworten auf meine Fragen bezüglich Schöpfung und Gott gefunden.

Welchen Stellenwert soll Ihrer Ansicht nach der Islam in der Schweiz einnehmen?

Farid: Ich wünsche mir, dass ein friedliches Miteinander der Religionen möglich ist.

Wie engagieren Sie sich für den Islam?

Farid: Wie ich meine Freizeit gestalte, möchte ich in den Medien nicht schildern, dies ist meine Privatsache.

Wie gehts nun weiter, werden Sie in Kriens Ihre Arbeit zu Ende führen?

Farid: Wenn gewährleistet ist, dass das Wohl der Kinder nicht leidet unter dem Medienrummel und die betroffenen Eltern damit einverstanden sind, ja. Wenn nicht, muss eine Lösung zum Wohle der Kinder gesucht werden.

Was arbeiten Sie nach Ihrer Aushilfsstelle in Kriens?

Farid: Ich habe bereits eine Anstellung an einer privaten Institution.

* Name von der Redaktion geändert