KRIENS: Illegale Hütten: Jetzt reden Betroffene

150 Besitzer illegaler Bauten im Hochwald müssen nachträglich ein Baugesuch einreichen. Jetzt zeigt sich: Es geht teils um Kleinigkeiten.

Lena Berger
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Hausbesitzer Ueli Hüsser putzt das Dach des Hauses, das sein Grossvater 1933 auf der Krienseregg gebaut hat. (Bild SRF)

Hausbesitzer Ueli Hüsser putzt das Dach des Hauses, das sein Grossvater 1933 auf der Krienseregg gebaut hat. (Bild SRF)

Eine Sonnenstore, ein Toilettenhäuschen aus Holz oder ein kleiner Unterstand, der vor Regen schützt: Für diese Kleinst-Anbauten sollen drei Besitzer von Häusern im Krienser Hochwald nachträglich ein umfangreiches Baugesuch einreichen. In einer Sendung von «Beobachter TV» äussern sie sich erstmals öffentlich dazu (siehe Hinweis). Einer der Betroffenen ist Ueli Hüsser. Sein Grossvater hatte 1933 auf der Strahl­egg ein Haus mit Terrasse gebaut. Ein zweites folgte in den 1960er Jahren. Beide Gebäude sind mehr oder weniger im Originalzustand – sie verfügen weder über Strom noch über fliessendes warmes Wasser. Trotzdem meldete sich diesen Frühling die Gemeinde: Für die Terrasse – und für ein WC-Häuschen – lägen keine Bewilligungen vor. Im schlimmsten Fall droht der Abriss.

Baugesuch nach heutigem Standard

Die Gebäude befinden sich in dritter Generation im Besitz der Familie. Ueli Hüsser weiss nicht, ob sein Grossvater damals eine Bewilligung hatte. «Ich weiss nur, dass die Anbauten seit eh und je da stehen. Die Steinterrasse spätestens seit 1947.» Dennoch soll er für die alten Bauten nun ein Baugesuch nachreichen, das den heutigen Anforderungen entspricht: inklusive Hygienekonzept, einem Umgebungsplan, einem detaillierten Grundriss und einem energetischen Nachweis. «Ich bin völlig überfordert», räumt Hüsser ein. Betroffen ist auch die Familie Kellermüller, die vor 15 Jahren ein Ferienhaus in der Nähe der Krienseregg gekauft hat. Gemäss Gemeinde ist für ein Cheminée vor dem Haus sowie eine Sonnenstore kein Baugesuch eingereicht worden. «Der Vorbesitzer – ein Architekt – hat das Haus samt Umgebung 1992 in diese Form gebracht», sagt Jürg Kellermüller. Sie seien davon ausgegangen, dass alles bewilligt sei. Unbestritten keine Bewilligung liegt für die Hütte von Fritz Glanzmann auf der Krienseregg vor. Seine Vorfahren hatten sie vor 70 Jahren gebaut, um zwei Hektaren Wald zu bewirtschaften. Die Gemeinde behauptet nun, er nutze sie als Ferienhaus. «Das stimmt aber nicht», sagt Glanzmann. Es gebe weder fliessendes Wasser noch Strom noch eine Schlafgelegenheit. Für einen angelehnten Unterstand soll er ein Baugesuch einreichen. Vor zwei Jahren bereits musste er seinen alten Schafstall abreissen. Dies, weil die Baubewilligung an die Haltung von Tieren gebunden war, eine neue Naturschutzbestimmung diese jedoch nicht mehr erlaubt. «Den Stall abreissen zu müssen, war tragisch für uns, besonders für meine Frau. Ich habe das Vertrauen in die Behörde verloren.»

Für die Hausbesitzer beruhigend: Gemäss Michael Krampf, einem Experten für Baurecht, dürfte ein Abriss für viele der Bauten kein Thema sein. «Wenn man beweisen kann, dass ein Gebäude vor mehr als 30 Jahren gebaut und seither nie verändert wurde, dann darf die Baubehörde keinen Abriss verlangen – selbst wenn es illegal erstellt wurde», sagt er. Warum also fordert die Gemeinde Baugesuche für Häuser, die teils 70 Jahre alt sind? Gemeindeammann Matthias Senn erklärt: «Wir wollen die Rechtsmässigkeit aller Bauten feststellen – und deshalb müssen wir Baubewilligungsverfahren durchführen. Die Häuser können so legalisiert werden, wenn die Voraussetzungen stimmen.»

50 Baugesuche eingereicht

Senn räumt ein, dass es wirken könne, als würde die Behörde mit Kanonen auf Spatzen schiessen, wenn sie etwa für eine fest installierte Sonnenstore ein umfangreiches Baugesuch verlangt. «Wir wollen aber die Gleichbehandlung sicherstellen. Deshalb verlangen wir prinzipiell ein nachträgliches Baugesuch, wenn die Bauten nicht mit den Baubewilligungsakten übereinstimmen.» Bislang wurden 50 Baugesuche eingereicht. Die Frist läuft bis Ende Oktober.

Die kantonale Dienststelle Rawi und die Gemeinde Kriens überprüfen die Rechtmässigkeit der Bauten im Krienser Hochwald aufgrund eines Bundesgerichtsentscheids, wie wir bereits mehrfach berichteten. Dieser fiel in einem Rechtsstreit über eine Holzbaracke im Gebiet Furenmoos, die 1967 illegal gebaut und über die Jahre zu einem Ferienhaus ausgebaut worden war.

Hinweis

Die Sendung «Beobachter TV» aus Kriens wird heute um 19 Uhr auf SRF zwei und am Sonntag, 20. Oktober, um 18.15 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.