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KRIENS: Jenische dürfen neun Tage bleiben

Fahrende fordern Durchgangsplätze im Kanton Luzern. Gestern kam es zu einem Treffen mit Behörden. Diese stellen ein Ultimatum – und suchen eine Lösung.
Matthias Stadler
Das besetzte Gebiet beim Pilatusmarkt in Kriens. (Bild: Philipp Schmidli)

Das besetzte Gebiet beim Pilatusmarkt in Kriens. (Bild: Philipp Schmidli)

Matthias Stadler

Petrus meint es nicht gut mit den Jenischen in Kriens. Seit diese am Samstag auf das Gelände neben dem Kreisel Schlund gezogen sind, regnet es immer wieder. Entsprechend matschig ist es auf dem Platz, der sich zwar in Kriens befindet, aber der Stadt Luzern gehört. Die Jenischen sind gekommen, um einen Durchgangsplatz einzufordern (Ausgabe von gestern). Reto Moser, Aktuar der Bewegung Schweizer Reisende, sagt gegenüber unserer Zeitung, dass diese «ein Recht auf solche Durchgangsplätze haben. Doch die Behörden ignorieren uns, unter anderem auch im Kanton Luzern.» Aber eigentlich geht es ihm um mehr. Er möchte, dass die Gesellschaft mehr über Jenische erfährt. «Es herrscht ein Nichtwissen in der Bevölkerung. Dabei unterscheiden wir uns kaum von anderen. Und auch wir sind Schweizer.»

Friedliche Lösung angestrebt

Gestern Nachmittag fand direkt auf dem Platz ein Treffen der Jenischen mit Vertretern von Kanton, der Gemeinden Kriens und Luzern sowie dem regionalen Entwicklungsträger Luzern Plus statt. Unter anderem waren der Krienser Gemeindepräsident Cyril Wiget und der Luzerner Stadtrat Adrian Borgula vor Ort. Offenbar kommt nun Bewegung in die Sache: Laut Adrian Borgula suchen Luzern Plus und der Kanton einen provisorischen Durchgangsplatz für die Jenischen. Auf diesem soll die Gruppe spätestens ab dem 28. April vorübergehend ihre Zelte aufschlagen respektive ihre Wohnwagen parkieren können. Borgula betont, dass eine friedliche Lösung gesucht wird: «Wir haben null Interesse an einer Eskalation.» Ein polizeiliches Eingreifen soll vermieden werden.

Luga braucht den Platz

Wo die Jenischen vorübergehend leben können, ist noch unklar. «Wir sind zuversichtlich, dass ein Platz gefunden wird», sagt Borgula. Dieser müsse etwa 2000 Quadratmeter gross sein, das entspricht in etwa einem Drittel eines Fussballfeldes. Der Wechsel ist bereits in neun Tagen zwingend, weil die Luga am 29. April beginnt: Der Platz, auf dem sich die Jenischen momentan aufhalten, wird dann als Abstellfläche für Sattelschlepper sowie als Autoparkplatz mit Bus-Shuttlebetrieb zur Luga gebraucht. Was geschieht, wenn bis dann keine neue Lösung für die Jenischen gefunden wird, lässt Borgula offen.

«Geredet wird seit Jahrzehnten»

Mike Gerzner (32), Präsident der Bewegung der Schweizer Reisenden, ist verhalten optimistisch – obwohl er die kurze Frist als Ultimatum sieht: «Das nun nach einem Platz gesucht wird, tönt gut. Aber wir können erst dann zufrieden sein, wenn tatsächlich ein Durchgangsplatz realisiert wird. Das heisst, wir glauben es erst, wenn es so weit ist. Denn darüber geredet wird schon seit Jahrzehnten.» Gerzner bleibt denn auch vorsichtig, denn es könne sein, dass der Platz doch noch von der Polizei geräumt wird – wie vor zwei Jahren in Bern.

Kurzfristig sei ein Durchgangsplatz «ein erster Anfang. Das würde uns zeigen, dass die Stadt und der Kanton etwas erreichen wollen», sagt Gerzner. Längerfristig fordern die Jenischen zwei bis vier solcher Plätze im Kanton Luzern. In der Stadt Luzern gebe es zwar bereits einen Durchgangsplatz – im Industriegebiet Ibach – doch sei dieser «menschenunwürdig und nicht für Familien geeignet». Der Grund liegt im Strassenstrich, der in unmittelbarer Nähe ist. Stadtrat Adrian Borgula ist sich bewusst, dass dieser Platz «keine optimale Situation» darstelle und eher klein sei. «Aber im Gegensatz zu den meisten anderen Gemeinden bieten wir seit den 80er-Jahren wenigstens einen Platz an.»

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