KRIENS: Kopftuch: Kriens will Weisungen erarbeiten

In einem Kindergarten in Kriens unterrichtet eine Lehrerin mit Kopftuch. Die Gemeinde stärkt ihr in einer Mitteilung vom Samstag den Rücken und will nun selber Weisungen erstellen.

Rem
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Eine Kindergärtnerin unterrichtet in Kriens mit Kopftuch (Symbolbild). (Bild: Thomas Lohnes/ddp)

Eine Kindergärtnerin unterrichtet in Kriens mit Kopftuch (Symbolbild). (Bild: Thomas Lohnes/ddp)

Der Fall sorgte nicht nur in Kriens für Aufsehen: Eine Lehrerin unterrichte in einem Kindergarten mit Kopftuch. Der Gemeinderat von Kriens nimmt nun am Samstag ausführlich zum Fall Stellung: Er ist der Meinung, dass Lehrer, welche während des Unterrichts sichtbare, religiöse Symbole tragen, die religiöse Neutralität im Klassenzimmer verletzen können. Im Kanton Luzern gäbe es dazu aber keine Gesetzesgrundlagen. «Der Gemeinderat ist bereit, entsprechende Weisungen zu erarbeiten», schreibt die Gemeinde Kriens in einer Antwort auf eine Interpellation von SVP-Einwohnerrat Räto Camenisch.

«Einstellung rechtens»

Die Gemeinde Kriens stärkt der Lehrerin den Rücken und weist darauf hin, dass die Einstellung der Lehrerin rechtens sei. Die Eltern seien über den Wechsel der Lehrperson informiert worden, nicht aber über das Kopftuch. Anfragen von Eltern in Bezug auf das Kopftuch hätte es keine gegeben, schreibt die Gemeinde Kriens.

Auch zur Anstellung der Lehrperson nimmt die Gemeinde Kriens Stellung: «Eine einzige Person hat sich (für die Stellvertretung einer Lehrperson) beworben. Nach der Prüfung der Unterlagen und nach einem Anstellungsgespräch konnte festgestellt werden, dass die interessierte Person über hohe Qualitäten und über sehr gute Zeugnisse verfügt. Alle fachlichen und menschlichen Kriterien wurden bestens erfüllt.»

Keine islamische Beeinflussung der Kinder

Die Gemeinde schliesst ferner eine islamische Beeinflussung der Kinder aus. Die Stellvertreterin, die während zweieinhalb Monaten an drei Wochentagen unterrichtet, sei eingebettet in ein Team von Lehrpersonen, die den Unterricht gemeinsam vorbereiten, absprechen und reflektieren.

Die Gemeinde hält fest, dass der Entscheid, die Lehrperson mit Kopftuch einzustellen, nicht gegen gängige Rechsprechung verstosse. Der Bundesgerichtsentscheid vom 12. November 1997 verbiete das Tragen eines Kopftuches nicht, sondern hat im Gegenteil ein ausgesprochenes Verbot für den konkreten Fall, bezogen auf die gesetzlichen Bestimmungen des Kantons Genf, als zulässig erachtet. Für alle übrigen Kantone bedeutet dies, dass ein Kopftuchverbot dann umgesetzt werden kann, wenn die gesetzliche Grundlage dafür genügend sind. Ein Gesetz, welches Tragen von Kopftüchern verbietet, gibt es im Kanton Luzern nicht.

Die Krienser Moschee spielt im Fall der Lehrerin mit Kopftuch keine Rolle, kommt die Gemeinde Kriens zum Schluss.

Mehr zum Thema lesen Sie in der Zentralschweiz am Sonntag vom 30. Juni.