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KRIENS: Krienser Beizen kämpfen ums Überleben

Das Restaurant Krienserhalle geht Mitte April zu. Wirt Reto Becker wirft nach vier Jahren das Handtuch. Er ist nicht der Einzige.
Lena Berger
Bald geht der Vorhang zu: Wirt Reto Becker gestern im Restaurant Krienserhalle, das im April geschlossen wird. (Bild Corinne Glanzmann)

Bald geht der Vorhang zu: Wirt Reto Becker gestern im Restaurant Krienserhalle, das im April geschlossen wird. (Bild Corinne Glanzmann)

Es waren vier Jahre, die sehr intensiv waren, wie Reto Becker sagt. «Es ist immer schwieriger geworden, zu überleben.» Der heute 32-Jährige hat die «Krienserhalle» an der Gallusstrasse 2010 übernommen. Sie habe damals keinen guten Ruf gehabt – mehrfach gab es Wirtewechsel. «Wir wollten das Lokal wieder aufbauen. Den Aufwand dafür haben wir aber unterschätzt. In vielen Köpfen war die Beiz eine Spelunke.» Die Schwierigkeiten, die ihn nun zur Aufgabe des Lokals im April bewegt haben, führt er auch auf einen gesellschaftlichen Wandel zurück. «Die Art, sich zu verpflegen, hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Es wird öfter unterwegs gegessen.» Take-aways seien den Restaurants gegenüber bessergestellt. «Sie zahlen nur 2,5 Prozent Mehrwertsteuer, wir hingegen 8 Prozent. Die Politik unterschätzt, was das für die Beizer bedeutet.» Plus: Restaurantketten hätten es im Vergleich zu Einzelbetrieben einfacher, weil sie grössere Bestellungen machen und den Betriebsaufwand flexibler gestalten können – etwa indem sie das Personal in verschiedenen Lokalen einsetzen. «Mit ihnen geht aber die Restaurantkultur verloren.»

Arbeitstage von 18 Stunden

Reto Becker hat unter anderem beim Personal sparen müssen. «Dafür habe ich selber täglich bis 18 Stunden gearbeitet. An freien Tagen musste ich administrative Arbeiten erledigen, Ferien gab es kaum.» Die Kraft, Neues zu starten, habe gefehlt. «Wir hatten zwar viele Ideen, aber kaum die Kapazität, diese umzusetzen.» Der Zuspruch der Gäste habe ihn zwar immer motiviert. «Aber letztlich habe ich immer nur investiert und praktisch nichts verdient.»

Den Betrieb einzustellen, sei ein schwerer Entscheid gewesen. «Es war eine lehrreiche Zeit. Wie man damit umgeht, wenn etwas nicht funktioniert, das lernt man auf keiner Hotelschule.» Das Gastgewerbe sei ihm dennoch nicht «verleidet». Er habe verschiedene Angebote bekommen. Die Suche nach einem Nachfolger für die «Krienserhalle» laufe, es sei aber noch nichts spruchreif. «Ich gehe davon aus, dass das Restaurant im Mai wieder aufgeht.» Becker glaubt, dass das Lokal funktionieren kann. «Mit dem Projekt Zukunft Kriens kommt wieder mehr Leben ins Dorf. Davon werden die Krienser Beizen profitieren.»

Ein Verlust für das Quartier

Leo Stäuble, Präsident des Quartiervereins Spitzmatt, bedauert die vorübergehende Schliessung der «Krienserhalle» sehr. «Es ist ein Quartiertreffpunkt. Es gibt sonst kaum noch traditionelle Beizen.» Er hofft, dass sich ein Nachfolger findet: «Es ist eine schöne alte Beiz. Perfekt wäre, wenn auch der Wirt eine Beziehung zu dem Lokal hätte.»

Gemeinderat Cyrill Wiget bedauert Beckers Entscheid ebenfalls, hat aber Verständnis. «Ein Restaurant zu betreiben, ist schwieriger geworden, weil viele Leute nur noch eine kurze Mittagspause machen.» Ein Handicap sei die Aufenthaltsqualität im Krienser Zentrum. «Wäre der Ast der Gallusstrasse vor der Hohlen Gasse autofrei – wie es der Bebauungsplan vorsieht –, könnte man ein Strassencafé einrichten.» Die geplanten Aufwertungsmassnahmen auch im Zentrum würden das lokale Gewerbe unterstützen. «Wenn mehr Leute zu Fuss unterwegs sind, statt möglichst rasch am Dorfkern vorbeizufahren, werden die Restaurants, aber auch das Gewerbe vor Ort profitieren.»

Auch das «Kuonimatt» ist zu

Ein weiteres Restaurant, das derzeit geschlossen ist, ist das «Kuonimatt» an der Industriestrasse. Besitzer Hanspeter Theiler sagt: «Der Wirt hat gesundheitliche Probleme, deshalb ist das Lokal vorübergehend zu. Es ist noch offen, wann es wieder geöffnet werden kann.»

Einer, der seine Beiz bereits vor zwei Jahren aufgegeben hat, ist Heinz Steinmann, der ehemalige Wirt der Traditionsbeiz Minerva an der Obernauerstrasse. «Als das Rauchverbot kam, blieben viele Leute weg. Ganze Gruppen, die regelmässig zum Jassen und Kegeln kamen», erzählt er. Zusätzlich habe ihm die zunehmende Konkurrenz von Altersheim-Restaurants zu schaffen gemacht. «Wenn es zum Beispiel einen Geburtstag zu feiern gab, ging man früher in ein lokales Restaurant. Heute essen die meisten Heimbewohner mit ihren Angehörigen im Heim. Irgendwann lohnte sich der Aufwand nicht mehr.» Die Beiz, die seit 1892 unter dem Namen Minerva bekannt war, heisst heute India Gate. «Ich persönlich finde das höchst bedauerlich. Der Name hat Kriens über hundert Jahre lang geprägt.»

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