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KRIENS: Krienser schaffen es hoch hinaus

Zwei von fünf Regierungsräten wohnen in Kriens. Hinzu kommen zwei Bundespolitiker. Das ist kein Zufall. Kriens ist eine besonders politaffine Gemeinde.
Robert Knobel
Die Regierungsräte Paul Winiker und Marcel Schwerzmann, Nationalrätin Yvette Estermann und Ständerat Konrad Graber (von links) auf dem Sonnenberg oberhalb Kriens. (Bild Pius Amrein)

Die Regierungsräte Paul Winiker und Marcel Schwerzmann, Nationalrätin Yvette Estermann und Ständerat Konrad Graber (von links) auf dem Sonnenberg oberhalb Kriens. (Bild Pius Amrein)

Robert Knobel

Wer von der Stadt Richtung Kriens fährt, dem fallen ab und zu die Plakate auf, die entlang der Strasse aufgestellt sind. Ob Gemeinderats- oder Nationalratswahlen oder Abstimmung über ein neues Zentrum – stets tun die Krienser ihre Meinung auch optisch kund, in Gärten oder am Strassenrand. Kriens ist eine durch und durch politische Gemeinde.

Ansturm aufs Gemeindeparlament

108 Personen wollten sich am vergangenen 1. Mai in den 30-köpfigen Krienser Einwohnerrat wählen lassen. Zum Vergleich: In Emmen, wo es mehr Einwohner und mehr Sitze zu vergeben hat, waren es lediglich 68 Kandidaten. Manchmal schreibt Kriens sogar regionalpolitische Geschichte: Im vergangenen August wählten die Krienser mit Cyrill Wiget einen Grünen zum Gemeindepräsidenten – eine Premiere in der Zentralschweiz. Und Wigets Vor-Vorgängerin Helene Meyer-Jenni (SP) wurde 2004 als erste Frau ins Präsidium einer grossen Luzerner Gemeinde gewählt. Kommt hinzu, dass Kriens über eine Parteienvielfalt verfügt, die es ausserhalb der Stadt Luzern sonst nirgends gibt. Das ist insbesondere den Jungparteien zu verdanken. Einzig die GLP verfügt in Kriens über keine eigene Jungpartei. Die Junge CVP ist auch im Einwohnerrat vertreten.

Bei dieser Ausgangslage erstaunt es nur wenig, dass keine andere Luzerner Gemeinde so viele Spitzenpolitiker stellt. Zwei von ihnen politisieren im Bundeshaus (SVP-Nationalrätin Yvette Estermann und CVP-Ständerat Konrad Graber). In der Luzerner Kantonsregierung stammen zwei von fünf Mitgliedern aus Kriens: Paul Winiker (SVP) und Marcel Schwerzmann (parteilos).

Die Berge machen den Unterschied

Wie ist dieses starke Krienser Interesse an der Politik zu erklären? Paul Winiker hat eine «topografische» Begründung dafür: «Kriens ist eingeklemmt zwischen Sonnenberg und Pilatus. Durch diesen gegenseitigen Bergdruck entsteht eine besonders hohe Dynamik im Drang zur politischen Unabhängigkeit.» Unabhängig zu entscheiden – das war Kriens immer wichtig. Ein Zusammengehen mit der Stadt lehnten die Krienser genauso ab wie die Idee, selber eine Stadt zu sein. Bei solchen Fragen wird durchaus leidenschaftlich gestritten. Die starke Krienser Präsenz in kantonalen und nationalen Gremien sei denn auch kein Zufall, findet Winiker. Die Debatten und Reibereien im Einwohnerrat seien wertvolle politische Erfahrungen, von denen er heute noch profitiere, so Winiker. «Die Erkenntnisse, welche ich auf Stufe Gemeinde gewonnen habe, kann ich in meiner täglichen Arbeit als Regierungsrat einsetzen – im Interesse des Kantons und der Gemeinden.»

Abgehobene Bundespolitiker?

Yvette Estermann sagt, dass Politiker ihre Herkunft nie vergessen sollten. «Viele Lokalpolitiker setzen sich für das Wohl ihrer Gemeinde ein. Im eidgenössischen Parlament sind es leider vielfach auch persönliche Interessen, welche verfolgt werden.» Damit sie im Bundeshaus die Krienser Perspektive nicht völlig aus den Augen verliert, kandidierte Yvette Estermann im Frühling für den Einwohnerrat. Mit Erfolg: Sie wurde mit dem besten Resultat aller SVP-Kandidaten ins Gemeindeparlament gewählt. Regierungsrat Marcel Schwerzmann fasst die Eigenheiten seiner Gemeinde so zusammen: «Der Krienser ist im Kopf Luzerner, aber im Herzen ein Krienser.»

Ständerat Konrad Graber hat als Krienser Einwohnerrat in den Achtzigerjahren «den positiven Umgang mit Minderheiten gelernt», wie er sagt. «Schon damals galt der Brauch, dass sich die Einwohnerräte über die Parteigrenzen nach geschlagener Schlacht zum Jass oder Umtrunk zusammenfanden.» Denn eines ist gemäss Graber klar: Die Politiker mögen durchaus streit- und debattierfreudig sein. Wenn es aber um zentrale Krienser Anliegen geht, dann stehen die Parteien zusammen. So gehen die Meinungen über die Krienser Verkehrspolitik weit auseinander. Beim Grossprojekt «Bypass» hingegen haben sich sämtliche Parteien im Komitee «Bypass – so nicht!» vereinigt. Von links bis rechts wird hier eine Überdachung der geplanten Autobahnumfahrung gefordert. Dass Kriens in Luzern und Bern so prominent vertreten ist, sei für dieses Anliegen sicher ein Vorteil, sagt Konrad Graber.

Der Kompromiss ist das Ziel

Raphael Spörri (SP) ist Vizepräsident des Krienser Einwohnerrats und wird nach der Sommerpause turnusgemäss das Präsidium übernehmen. Er beobachtet, dass in Kriens «mit viel Herzblut» politisiert werde. Klar würden die Politiker unterschiedliche Ziele verfolgen. Doch nach Feierabend in der Beiz seien die Differenzen schnell vergessen. «Da lernte ich schon oft die andere Seite eines Menschen kennen, welche mir erlaubte, seine Ansichten besser zu verstehen», sagt Spörri. Was am Schluss zähle, sei das Resultat. «Schlussendlich leben wir mit Kompromissen immer noch sehr gut», sagt Spörri. Möglicherweise liege darin das Geheimnis der Krienser Politik. Und vielleicht seien es diese positiven ersten Erfahrungen, welche Krienser Politiker anspornt, auch für höhere Ämter zu kandidieren.

Übrigens: Es ist gut möglich, dass der Krienser Reigen der Spitzenpolitiker noch erweitert wird. Sollte der langjährige grüne Nationalrat Louis Schelbert vorzeitig zurücktreten, was nicht ausgeschlossen ist, rückt Parteikollege Michael Töngi nach. Er wohnt – natürlich – in Kriens.

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