Matthias Senn will Präsident der Sonnenbergbahn werden – und diese als «historische Erlebnisbahn» stärken

Der abtretende Krienser Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) stellt sich als neuer Verwaltungsratspräsident der Sonnenbergbahn AG zur Wahl. Deren Zukunft könnte aufgrund der städtischen Finanzlage gefährdet sein.

Stefan Dähler
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Die Sonnenbergbahn kurz vor der Bergstation.

Die Sonnenbergbahn kurz vor der Bergstation.

Bild: Manuela Jans-Koch
(Kriens, 9. Juli 2015)

Anfang Jahr ist der langjährige Verwaltungsratspräsident der Sonnenbergbahn AG Bruno Peter verstorben. Seither leitet der Ende Monat als Krienser Bauvorsteher abtretende Matthias Senn (FDP) das Gremium interimsmässig. Nun will Senn das Verwaltungsratspräsidium definitiv übernehmen, wie er auf Anfrage schreibt. Gewählt werden soll er an der Generalversammlung, die am 27. Oktober geplant ist. Wie Matthias Senn war bereits Bruno Peter Bauvorsteher beziehungsweise Gemeindeammann in der Krienser Exekutive. Die Stadt ist Mehrheitsaktionärin der Sonnenbergbahn AG. Der designierte Präsident Matthias Senn nimmt Stellung.

Matthias Senn

Matthias Senn

Bild: Corinne Glanzmann

Was ist Ihre Motivation, das Präsidium der Sonnenbergbahn AG definitiv zu übernehmen?

Matthias Senn: Ich bin seit vier Jahren Mitglied des Verwaltungsrats und war im Januar bereit, nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt und dem raschen Tod meines Vorgängers Bruno Peter das Präsidium ad interim zu übernehmen. Meine Motivation ist die grosse Tradition und Geschichte, welche die Bahn zum Wahrzeichen von Kriens gemacht hat.

Wie soll sich die Sonnenbergbahn künftig entwickeln?

Sie soll in Kombination mit dem Landschaftspark Sonnenberg und der wild-romantischen Wolfsschlucht noch mehr als historische Erlebnisbahn wahrgenommen werden. Es gibt noch die Vision, die Bahn für den öffentlichen Verkehr zu nutzen und sie in die Zone 10 des Passepartouts einzubinden. Nur vergrössert sich das jährliche Defizit damit um mehr als 100'000 Franken, was mit der bisherigen Finanzstrategie der Stadt Kriens nicht vereinbar ist.

Der Bahnbetrieb wird von der Stadt Kriens jährlich mit rund 80'000 Franken unterstützt. In der städtischen Finanzstrategie ist die Streichung dieses Beitrags als mögliche Massnahme enthalten.
Würde dies das Ende des Bahnbetriebs bedeuten?

Die Stadt leistet nicht nur den finanziellen Defizitbeitrag, sie stellt auch Mitarbeitende für die Geschäfts- und Betriebsleitung sowie den baulichen und betrieblichen Unterhalt zur Verfügung. Ohne diese Leistungen wäre der Betrieb der Bahn nicht mehr möglich. Der Verwaltungsrat arbeitet ehrenamtlich.

Halten Sie es für wahrscheinlich, dass diese Massnahme tatsächlich umgesetzt wird?

Die Bahn hat jetzt 120 Jahre überlebt. Es wäre ein Armutszeugnis unserer Zeit, wenn uns eine unter Denkmalschutz stehende, fahrende Anlage nichts mehr wert wäre. Ich glaube und hoffe, dass es nicht so weit kommt.

Sind allenfalls andere Finanzierungsmöglichkeiten ein Thema?

Es müsste eine andere öffentliche oder eine private Institution wie eine Stiftung bereit sein, jährlich zirka 300'000 Franken an den Betrieb zu finanzieren.

Bruno Peter war in der Krienser Exekutive wie Sie für das Baudepartement zuständig. Ein Zufall?

Früher war der Bauvorsteher respektive Gemeindeammann von Amtes wegen Verwaltungsratspräsident der Sonnenbergbahn AG. Bruno Peter hat das Amt über elf Jahre nach seinem Austritt aus dem Gemeinderat weitergeführt. Ich übernehme es nun mit dem Austritt, was somit kein Zufall, sondern schon eher Tradition ist.

Bruno Peter hat die Sonnenbergbahn auch operativ geführt. Ist das für Sie auch ein Thema?

Der Verwaltungsrat hat die Betriebsleiterin Priska Burgener zur Geschäftsführerin befördert, womit sie mehr Kompetenzen hat. Trotzdem ist der Verwaltungsratspräsident mehr in den operativen Ablauf eingebunden als die anderen Verwaltungsräte.

Mit welchem Zeitaufwand wird die Arbeit für die Sonnenbergbahn verbunden sein?

200 Stunden pro Jahr könnten es sein, also ein ehrenamtliches
10-Prozent-Pensum.

Wie wirkt sich Corona auf das Ergebnis aus?

Die Monate April und Mai sind bei uns die umsatzstärksten. Die fehlen uns wie die Grossanlässe, zum Beispiel das B-Sides-Festival. Auf der anderen Seite hatten wir während mehr als zwei Monate kaum Betriebsaufwand. Wir sind nun gespannt auf die Sommerzahlen. Eine Gesamtbeurteilung ist deshalb erst Ende Saison im November möglich.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.