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KRIENS: Nach Mord an Ehefrau: Syrier will auf Anweisung seiner Onkel gehandelt haben

Ein Asylsuchender hat im Januar 2014 seine Frau auf brutale Art und Weise umgebracht – weil sie einen neuen Freund hatte und die Trennung wollte. Am Freitag hat er vor dem Kriminalgericht gesagt, was ihn zu der blutigen Tat getrieben hatte.
Eingangstafel am Kriminalgericht Luzern. (Bild: Lena Berger (25. August 2017, Luzern))

Eingangstafel am Kriminalgericht Luzern. (Bild: Lena Berger (25. August 2017, Luzern))

Wäre der Mann heute zu Fuss durch die Luzerner Altstadt ins Kriminalgericht gelaufen, keiner hätte an ihm etwas Auffälliges bemerkt. Der heute 42-Jährige hat graumeliertes Haar, trägt Turnschuhe, Jeans, ein dunkelblaues Hemd und eine moderne Brille. Fast wirkt er sympathisch – bis ihm der Richter die ersten Fragen stellt.

Der Mann ist von der Polizei ins Gerichtsgebäude gebracht worden. Er sitzt seit der Tat hinter Gittern. Dass der Verhandlungssaal bis auf den letzten Platz besetzt ist, macht schon klar, dass hier kein alltäglicher Fall verhandelt wird. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, seiner Frau im Januar 2014 mit einem Messer die Kehle durchgeschnitten zu haben – während die beiden gemeinsamen Kinder in der Wohnung waren. Der aus Syrien stammende Kurde bestreitet die Tat nicht.

Ehefrau habe eine rote Linie überschritten

Warum war der Mann – der gemäss einem Gutachten an keiner psychischen Krankheit leidet – zu einer so brutalen Tat fähig? Das wollten die Richter als erstes von dem Beschuldigten wissen. «Ich war nicht bei vollem Bewusstsein. Ich weiss nicht, ob ich brutal war oder nicht. Ich weiss nicht was passiert ist», lautete die Antwort.

Die Staatsanwaltschaft hat dank der Spuren und Aussagen hingegen ein ziemlich klares Bild davon, was in der Wohnung passiert ist. Die Messerattacke ging weit über das hinaus, was für eine reine «Beseitigung» der Frau notwendig gewesen wäre.

Zu den Gründen der Tat gab der Mann an, dass er auf Anweisung seiner Onkel in Syrien gehandelt habe. Ehebruch werde in seiner Kultur nicht geduldet, er bedeute, dass die Ehre der Familie beschmutzt werde. Seine Frau habe eine rote Linie überschritten. «Ich habe 10 Jahren in Griechenland gelebt und hätte ihr Verhalten vielleicht sogar akzeptieren können. Aber meine Familie in Syrien hätte es nie akzeptiert», so der Mann.

Als er nach Luzern gekommen sei, habe er mit der kurdischen Bevölkerung vor Ort Kontakt aufgenommen. Da habe er gemerkt, dass sehr viele Bescheid gewusst hätten, dass seine Frau einen Freund hatte. «Es gibt viele Familien, die hier leben, die aus der gleichen Ortschaft wie wir stammen.» Er habe die Sache nicht verheimlichen können und habe deshalb «eine Lösung» finden müssen.

Wenn es nur nach ihm gegangen wäre, dann hätte er die Trennung einfach akzeptiert und hätte in einem anderen Land ein neues Leben angefangen. Aber aufgrund der Traditionen und der Gepflogenheiten in seiner Heimat sei das nicht möglich gewesen. «Ich bin nicht stolz auf meine Tat.» Das sei der Fehler meines Lebens gewesen, wie er heute erkenne.

20 Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft bezweifelt, dass der Mann auf Anweisung seiner Familie gehandelt hat. Das sei ein Vorwand, um die Tat zu rechtfertigen, er verschanze sich hinter der Tradition. Die Anklage fordert eine lebenslängliche Freiheitsstrafe wegen Mordes. Der Verteidiger beantragt die Erstellung eines ethnologisch-psychiatrischen Gutachtens um zu klären, ob der Mann aufgrund des Drucks seiner Familie überhaupt hatte frei entscheiden können. Die jeweiligen Plädoyers wurden am Freitagnachmittag gehalten. Um 18 Uhr war klar: Der Syrer muss 20 Jahre ins Gefängnis (Zum Artikel»).

Lena Berger

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