KRIENS: Parkplätze: Wirtschaft ist gespalten

Wie viele neue Parkplätze dürfen künftig gebaut werden? Diese Frage schlägt in Kriens hohe Wellen. Sie wird auch bei den direkt betroffenen Bauherren kontrovers diskutiert.

Robert Knobel
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In Kriens wird über ein neues Parkplatzreglement abgestimmt. (Bild: Pius Amrein (Kriens, 8. November 2010))

In Kriens wird über ein neues Parkplatzreglement abgestimmt. (Bild: Pius Amrein (Kriens, 8. November 2010))

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Wer in Kriens etwas bauen will, muss auch an die zugehörigen Parkplätze denken. Wie viele er bauen muss, ist in einem Reglement klar verankert. So braucht es pro 100 Quadratmeter Wohnfläche mindestens einen Parkplatz. Bei Firmen lautet die Faustregel: ein Parkplatz pro 60 bis 120 Quadratmeter Gewerbefläche.

Diese Regeln waren bisher für alle gleich. Im revidierten Parkplatzreglement, das am 12. Februar zur Abstimmung kommt, ist dies anders. Kriens wird in fünf Zonen eingeteilt. Je nachdem, wie zentral ein Quartier liegt, gelten andere Parkplatznormen (wir berichteten). Die stärkste Veränderung betrifft den Mattenhof. Dort werden die oben erwähnten Normen um 40 bis 80 Prozent gesenkt. Statt eines Parkplatzes für 100 Quadratmeter Wohnfläche gibt es also nur noch 0,2 bis 0,6 Parkplätze.

Die Abstimmung über das Parkplatzreglement schlägt in Kriens hohe Wellen. Viele Kleingewerbler sehen ihre Zukunft in Gefahr. So zum Beispiel die Firma Wieland Sanitär AG am Hobacherweg 3. Die Firma möchte ihr Wohn- und Gewerbegebäude in den nächsten Jahren abreissen und neu bauen. Was dann mit den bestehenden 25 Parkplätzen passiert, ist unklar. «Gemäss dem neuen Reglement liegen wir in der Zone 2», sagt Wieland-Geschäftsführer Hanspeter Meier. Das bedeutet: Die erlaubte Parkplatzzahl für Neubauten sinkt um bis zu 70 Prozent. Hanspeter Meier rechnet damit, dass er nach neuem Reglement nur noch 5 bis 8 Parkplätze bauen dürfte. Letztlich gehe es um die Grundsatz­frage, ob man überhaupt noch Gewerbebetriebe im Zentrum haben wolle, sagt Meier.

Mindestzahl wird zur Höchstgrenze

Auch Pascal Spring von der gleichnamigen Garage an der Rengglochstrasse fürchtet um seine 45 Parkplätze. Diese braucht er als Abstellplätze für Neuwagen und Occasionen sowie als Kunden- und Mitarbeiterparkplätze. Auch die drei Wohnungen, die sich auf dem Areal befinden, benötigen Parkplätze. «Gemäss neuem Reglement dürften wir nur noch 12 Parkplätze haben», sagt Spring. Was ihn vor allem stört: Das bisherige Reglement legte eine Mindestzahl fest. Man konnte also auch mehr Parkplätze bauen, wenn man sie brauchte. Doch die bisherige Mindestzahl wird im neuen Reglement zur Höchstgrenze. Allerdings sieht das neue Reglement Ausnahmen vor, um dem Gewerbe entgegenzukommen. So kann der Gemeinderat eine höhere Parkplatzzahl bewilligen, wenn die Plätze für betriebseigene Fahrzeuge gebraucht werden.

Mobimo verzichtet auf 350 Parkplätze

Eine ganz andere Sicht hat man bei der Immobilienfirma Mobimo. Diese baut zurzeit eine neue Siedlung mit rund 300 Mietwohnungen, 20 000 Quadratmetern Bürofläche sowie Geschäfts- und Ladenlokalen. Gemäss geltendem Parkplatzreglement hätte die Firma für das gesamte Areal 1200 Parkplätze einplanen müssen. Doch nun werden es lediglich 850 sein, davon werden 330 neu gebaut. Die Firma Mobimo konnte von den geltenden Parkplatznormen abweichen, weil dies im Rahmen des Gestaltungsplans möglich ist.

Doch weshalb will die Firma weniger Parkplätze bauen als erlaubt? «Wir stellen fest, dass wir bei neuen Liegenschaften immer weniger Parkplätze brauchen», sagt Mobimo-Sprecherin Marion Schihin. Oft habe man deshalb das Problem, dass Parkplätze leer stünden, so etwa in der Überbauung Letzihof in Zürich. «Dort sind schon 100 Prozent der Wohnungen vermietet, aber nur 80 Prozent der Parkplätze», sagt Schihin. «Wir haben oft Diskussionen mit Gemeinden, weil wir die erforderliche Parkplatzzahl unterschreiten wollen», sagt Marion Schihin. Das sei vor allem an Lagen der Fall, die gut per ÖV erschlossen seien. Wie eben der Mattenhof, wo es in einigen Jahren einen Viertelstundentakt der S-Bahn geben wird. Mobimo versucht aber auch mit eigenen Massnahmen, die Zahl der potenziellen Parkplatzbenutzer zu senken. So wird ein Carsharing-Auto exklusiv für die Mattenhof-Bewohner zur Verfügung stehen.

Auch bei der geplanten Überbauung Eichhof West traten die Bauherren bereits 2009 an den Krienser Gemeinderat heran mit der Bitte, die Zahl der Pflicht­parkplätze senken zu dürfen.

So verschieden die Bedürfnisse sind, so unterschiedlich sind die Meinungen zum Parkplatzreglement. Kein Wunder, ziehen sich die Fronten quer durch die Parteien und die Verbände. Im Einwohnerrat waren sämtliche Parteien ausser der SVP für das neue Reglement. Die FDP-Ortspartei hat allerdings nachträglich die Nein-Parole beschlossen. Im Komitee gegen die Bevormundung im Parkierungswesen sitzen ausschliesslich SVP-Politiker sowie diverse Gewerbevertreter und Mitglieder des Hauseigentümerverbands und des Gewerbeverbands. Die beiden letztgenannten Verbände geben allerdings keine offizielle Parole her- aus, da die Meinungen unter den Hauseigentümern und Gewerblern geteilt sind.