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KRIENS: Prediger sorgt für Unruhe

Der Iraker I. A.* soll in der Krienser Dar-Assalam-Moschee extreme Botschaften propagiert haben. Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft, die Gemeinde ist besorgt.
Jérôme Martinu und Yasmin Kunz
In der Moschee Dar Assalam in diesem Gewerbegebäude im Krienser Schlund soll der Prediger I. A. radikale Botschaften verbreitet haben. Gleich dahinter (links) liegt das ehemalige Motel Pilatusblick, derzeit ein Asylzentrum für minderjährige Asylsuchende. (Bild Dominik Wunderli)

In der Moschee Dar Assalam in diesem Gewerbegebäude im Krienser Schlund soll der Prediger I. A. radikale Botschaften verbreitet haben. Gleich dahinter (links) liegt das ehemalige Motel Pilatusblick, derzeit ein Asylzentrum für minderjährige Asylsuchende. (Bild Dominik Wunderli)

Jérôme Martinu und Yasmin Kunz

Die gelben Lamellenstoren sind praktisch permanent geschlossen. Das etwas in die Jahre gekommene Gewerbegebäude im Krienser Schlund liegt genau zwischen einer Tennishalle und dem ehemaligen Motel Pilatusblick, das nun neu eine Unterkunft für bis zu 70 unbegleitete minderjährige Asylsuchende ist. In diesem Gewerbegebäude ist seit Juli 2010 der muslimische Verein Dar Assalam mit seiner Moschee eingemietet. Und unter anderem in dieser Moschee soll der 34-jährige Iraker I. A. radikale Botschaften und Aufrufe gepredigt haben, wie die Sendung «10 vor 10» am Freitag berichtete. Gegen I. A. und drei weitere Iraker – die drei befinden sich in Untersuchungshaft – hat die Schweizer Bundesanwaltschaft Anklage wegen Unterstützung terroristischer Aktivitäten erhoben. Die IS-Zelle soll auch konkrete Pläne für einen Anschlag in der Schweiz ausgearbeitet haben (Ausgabe vom Donnerstag).

«Extremen Salafismus propagiert»

Beim 34-jährigen Prediger von Kriens sind unter anderem neun Datenträger sichergestellt worden, auf denen salfistische Lehren gespeichert sind. Wie Auszüge aus der Anklageschrift zeigen, die inzwischen verschiedenen Medien vorliegt, soll I. A. «eine Vielzahl von Reden» verfasst haben, «die den extremen Salafismus und den Islamischen Staat als Endziel propagierten, den Kampf gegen Andersdenkende und Ungläubige befürworteten und die westliche Gesellschaft degradierten». Der Iraker soll diese Reden «in den Moscheen von Zürich und Luzern» gehalten haben, so die Anklageschrift. Der Mann hatte gemäss Bundesanwaltschaft auf seinem Handy eine Vielzahl an Reden und Videos, «die sich gegen die Schiiten, Juden und die westliche Welt richten».

Laut «10 vor 10» soll sich der Mann letzte Woche in einer Moschee in der Stadt St. Gallen aufgehalten haben. Der irakische Prediger ist gemäss Recherchen unserer Zeitung in Hergiswil (Nidwalden) gemeldet und dort im Autohandel tätig.

Gemeinde macht sich Sorgen

Die Inhalte der bundesanwaltschaftlichen Anklageschrift und die Verbindungen zur Moschee Dar Assalam sorgen in der Gemeinde Kriens inzwischen für Unruhe. Gemeindepräsident Cyrill Wiget sagte gegenüber unserer Zeitung: «Wir waren nicht in engem Kontakt mit der Moschee. Doch bisher war Dar Assalam nicht bekannt für radikale Botschaften.» Für Wiget wäre es deshalb bedenklich, wenn Gebetshäuser nicht nur als solche genutzt würden. «Wir nehmen die Situation sehr ernst und sind froh, dass sich die Bundesanwaltschaft und die Polizei der Angelegenheit angenommen haben.» Dass neben der Moschee minderjährige Asylsuchende untergebracht sind, findet der Gemeindepräsident im Moment nicht heikel. Er sagt: «Das Zentrum wird ohnehin gut überwacht. Sofern es zusätzliche Massnahmen braucht, wird der Kanton, die Polizei oder die Gemeinde reagieren.»

Kriens ist nicht zum ersten Mal wegen möglichem muslimischem Extremismus in den Schlagzeilen. Am 9. November 2014 haben in der Nähe des Holderchäppelis, auf Krienser Gebiet, rund 60 radikale Muslime ein «Werbevideo» für den Islamischen Zentralrat gedreht. ­Einige junge Männer, die an der Aktion beteiligt waren, weisen auf ihrem Facebook-Profil radikalislamische geprägte Botschaften auf und verweisen gar auf den Hassprediger Pierre Vogel. Der deutsche Islam-Konvertit wiederum trat im Dezember 2009 in der Turnhalle des Amlehn-Schulhauses vor rund 200 Personen auf. Von dem Referat hatte die Gemeinde Kriens keine Kenntnis. Gegen Vogel hat die Schweizer Bundespolizei einst gar ein Einreiseverbot verhängt.

Einheitliche Ausbildung für Imame

Valentina Smajli (32), Vizepräsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, kennt den Mann, der in Kriens gepredigt hat, nicht. Die Islamkennerin aus Luzern erklärt, dass man nicht verhindern könne, dass radikale Imame predigten, weil nicht transparent geregelt sei, welche Kriterien ein Imam oder eine Imamin zu erfüllen habe. «Heute ist es so, dass jeder Muslim sich Imam nennen kann.» Laut Smajli bräuchte es ein Kontrollsystem in Form einer einheitlichen Ausbildung und staatlichen Bewilligung für Imame in der Schweiz. Dadurch würde die Kontrolle einfacher: «Auf diese Weise wäre bekannt, wer die Imame sind und was sie vertreten.»

* Name der Redaktion bekannt

Korankurse und Deutschunterricht

Die Gemeinschaft Dar Assalam ist seit 2001 in Kriens domiziliert. Sie hatte ihren Gebetsraum bis zum Umzug ins Schlundgebiet in einem Eckhaus an der Luzernerstrasse. In der Moschee und deren weiteren Räumen würden sich vornehmlich arabische Muslime aus Nordafrika und dem Nahen Osten treffen. Gemäss Website treffen sich zum Freitagsgebet bis zu 100 oder mehr Personen.

In der Moschee ist auch wiederholt die Vereinigung Islamische Jugend zu Gast, wie Recherchen zeigen. Dies ist die «Nachwuchsorganisation» des umstrittenen Islamischen Zentralrats der Schweiz (IZRS). Eines der Ziele von Dar Assalam ist die «Intergrationsförderung durch gemeinsame Projektarbeit mit der Gemeinde». Der Verein bietet unter anderem islamischen Religionsunterricht an und veranstaltet Kurse zum Koran (Lesen, Rezitieren, Interpretieren). Er gibt auch Arabisch- oder Deutschkurse und Angebote für Muslime in kulturellen Angelegenheiten.

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