Kriens
Räume für Tagesstrukturen werden knapp – nun plant die Stadt ein neues Betreuungskonzept

Die Nachfrage für die Schulhorte wächst. Um diese künftig abzudecken, will der Krienser Stadtrat neue Wege gehen und auch ausserschulische Organisationen mit einbeziehen.

Stefan Dähler
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Immer mehr Kinder besuchen in Kriens die schulergänzende Betreuung. 2018 registrierten die städtischen Tagesstrukturen Anmeldungen für 1515 Elemente pro Woche, für das laufende Schuljahr waren es bereits 2060. Dies schreibt der Stadtrat in einer Antwort auf eine SP-Interpellation. Zur Erklärung: Pro Tag werden vier Betreuungselemente angeboten, das erste vor Schulbeginn am Morgen ab 7 Uhr, danach der Mittagstisch, eines am frühen sowie eines am späteren Nachmittag bis 18 Uhr. Insgesamt seien 520 Kinder bei den Krienser Tagesstrukturen angemeldet.

Die schulergänzende Betreuung soll in Kriens neu gestaltet werden.

Die schulergänzende Betreuung soll in Kriens neu gestaltet werden.

Symbolbild: Matthias Jurt

Am grössten ist die Nachfrage beim Mittagstisch, dort müssten Kinder abgewiesen werden. Es bestehe eine Warteliste mit durchschnittlich fünf bis zehn Plätzen, sagt Bildungsvorsteher Marco Frauenknecht (SVP) auf Anfrage. Mit den bestehenden Küchen könne man an den meisten Standorten die nötige Anzahl Mittagessen nicht mehr zubereiten. Eine neue Lösung sei daher anzustreben, heisst es in der Interpellationsantwort. Weitere Informationen dazu will der Stadtrat in den nächsten Tagen bekanntgeben.

Es zeichnet sich aber ab, dass nicht nur beim Mittagstisch, sondern auch bei den restlichen Tagesstrukturen die Räume bald nicht mehr ausreichen. «Wir haben in den letzten Jahren immer zwischen 120 und 160 Elemente, die mehr gewählt werden. Es ist davon auszugehen, dass das für die nächsten Jahre so weitergeht», so Frauenknecht. Das entspreche einer Zunahme von jeweils 30 bis 40 Kindern.

Schule und Vereine bei Betreuung mit einbeziehen

Massnahmen, um diese Entwicklung zu bewältigen, werden derzeit in einer Analyse erarbeitet, so Frauenknecht. Dabei gehe es nicht nur darum, mehr Räume zu finden, sondern um ein gänzlich neues Konzept. «Wir wollen davon wegkommen, die Betreuung räumlich und inhaltlich separiert durchzuführen», sagt Frauenknecht. Schule, Tagesstruktur, aber auch Quartierangebote sollen mittelfristig besser vernetzt werden. «Betreuung ist auch Bildung, Bildung ist Betreuung und findet überall und jederzeit statt. Darum geht die Entwicklung hin zu Bildungslandschaften.» So sei denkbar, dass sich auch ein Musik-, Sportverein oder sonst eine Organisation sich an der Betreuung beteiligt. Frauenknecht:

«Das könnte fast mit einem Ferienpassmodell verglichen werden.»
Bildungsvorsteher Marco Frauenknecht (SVP).

Bildungsvorsteher Marco Frauenknecht (SVP).

Die Tagesstrukturen wieder ganz extern zu vergeben, wie das früher der Fall war, sei aber kein Thema. Im Gegenteil, Schule und Betreuung sollen stärker kombiniert werden. «Denkbar ist, dass auch während der Betreuung Wissen vermittelt wird», sagt Frauenknecht. Auch die Raumaufteilung soll nicht mehr strikt sein; Schulzimmer könnten für die Betreuung genutzt werden. «Durch eine bessere Raumauslastung kann allenfalls auf teure Ausbauten verzichtet werden.» Man stehe aber erst am Anfang, wie die Bildungslandschaften im Detail aussehen, könne man noch nicht sagen, so Frauenknecht. «Es ist ein völlig neues Konzept, das man nicht von einem Tag auf den anderen umsetzen kann. Es braucht eine seriöse Planung.»

Neuer Hort-Standort bei der Schule Zentrum

Bereits bekannt ist, dass die Tagesstrukturen das Heinrich-Walther-Haus beim Bellpark künftig nicht mehr nutzen. Ab Herbst werden stattdessen Kapazitäten beim Areal der Schule Zentrum (Grossfeld, Dorf) geschaffen. Es gebe gleich neben der Schulanlage an der Horwerstrasse 9 einen geeigneten Raum, so Frauenknecht. Den Wegzug aus dem Heinrich-Walther-Haus begründet er damit, dass diese Tagesstruktur an keine Schulanlage angebunden sei. Dies erschwere eine bessere Vernetzung von Schule und Betreuung. Wie das Heinrich-Walther-Haus, das der Stadt Kriens gehört, künftig genutzt werden soll, ist noch offen. Die Immobilienabteilung werde nun eine Zustands- und Preisanalyse in Auftrag geben.

Tarife werden erhöht

Angesichts der knappen Finanzen ergreift die Stadt Kriens auch bei Tagesstrukturen Sparmassnahmen. So gelten ab Mai höhere Tarife. Der Umfang der Erhöhung hängt vom Einkommen der Eltern ab. Ein Beispiel: Der Mittagstisch verteuert sich für Leute mit einem tiefen Einkommen von bis zu 30'000 Franken um 1 Franken, bei über 130'000 Franken beträgt die Erhöhung 4 Franken. Weiter müssen Betreuungspersonen grössere Kindergruppen betreuen.

Das 2018 definierte Ziel, bis 2024 an allen Schulstandorten eine vollumfängliche Betreuung anzubieten, bestehe aber weiterhin, sagt Bildungsvorsteher Marco Frauenknecht. Die Nachfrage steige überall. Derzeit gibt es im Obernau, Gabeldingen und Kuonimatt nur mittags ein Betreuungsangebot. (std)