KRIENS: Rennautos, Abgas und sexy Backenbärte

Im Bellpark-Museum sind Fotos aus der «goldenen Ära» des Motorrennsports zu sehen. Einen der legendären Boliden kann man sogar in natura bestaunen.

Hugo Bischof
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Der Porsche von Jo Siffert und Charles Vögele (1966) – eines von 200 Fotodokumenten im Bellpark. (Bild: Foto Manfred Gygli (aus der Sammlung Thomas Horat))

Der Porsche von Jo Siffert und Charles Vögele (1966) – eines von 200 Fotodokumenten im Bellpark. (Bild: Foto Manfred Gygli (aus der Sammlung Thomas Horat))

Hugo Bischof

«Vrooooaaammm»: Diese Buchstaben-Kombination muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Dann hört man es, das typische Geräusch, das beim Starten eines 8- oder 12-Zylinder-Rennmotors entsteht. «Vrooooaaammm. Ein Versuch über den Motorsport» heisst die neue Ausstellung im Krienser Bellpark-Museum, ein fotografischer Einblick in den Autorennsport der 1960er-bis 80er-Jahre – von vielen als die «goldene Ära» des Motorsports bezeichnet.

Zentraler Bestandteil ist ein kleiner Ausschnitt aus dem gewaltigen Foto-Archiv von Thomas Horat. Über 75 000 Fotos trug der Schwyzer Rennsport-Fan und Sammler im Lauf der Zeit zusammen. Rund 200 von ihnen sind nun im Bellpark-Museum zu bestaunen.

Aus dem Blickwinkel der Liebhaber

Die meisten Bilder stammen von Amateurfotografen. «Sie entstanden aus einer emotionalen Beziehung heraus und zeigen auch Randzonen», wie es Bellpark-Museumsleiter Hilar Stadler formuliert. Clay Regazzoni, Jo Siffert, Jackie Stewart – die Formel-1-Heroen von damals – sind durchaus zu sehen. Aber nicht nur in Siegerpose, sondern im Gespräch mit Fans am Rand der Strecke, beim Ausruhen in einer Pause, beim Inspizieren eines Motors. Eben in «Randzonen». Auch die Girls in gehäkelten Bikinis an der Ziellinie fehlen nicht.

Schlaghosen, offene Hemden

Überhaupt: die Mode. Junge Männer in offenen Hemden und Schlaghosen. Und dann die Frisuren. Auffällig sind die Backenbärte. Einer, der sie zu seinem Markenzeichen machte, war der brasilianische Formel-1-Star Emerson Fittipaldi. «Die schnellsten Koteletten der Welt», hiess es einst über ihn. Fittipaldi, von bewundernden Frauen umringt, ist auf mehreren Fotos zu sehen.

Es sind die Details, welche die Ausstellung sehenswert machen. Auf einem Bild ist Clay Regazzoni 1979 nach seinem Ausscheiden durch einen Fahrfehler in Watkins Glen zu sehen. Leger steht er neben seinem Boliden. Auf diesem ist gut sichtbar die Werbung für die Hotelkette Albilad zu sehen. Diese gehörte Mohammed Bin Laden, dem Vater von Osama. Welch unschuldiger Wahnsinn – die Formel 1 von 1979.

Wem die Formel 1 heute zu steril, zu stark reglementiert ist, wer sich in die wilden, ungezwungenen «70ies» zurücksehnt, dem wird es in der Bellpark-Ausstellung richtig heimelig.

Marc Surers erstes Rennauto

Auch Objekte sind in der Ausstellung zu sehen. Darunter der originale Formel-V-Wagen von Marc Surer von 1972 mit einem 1,3-Liter-VW-Motor – ein schnittiges, aber ganz schön rudimentäres Fahrzeug, mit dem der spätere Schweizer Formel-1-Fahrer seine ersten Rennen fuhr. Die Verkleidung ist an einigen Stellen morsch, die Aura bleibt. Wie das Fahrzeug ins Bellpark-Museum gehievt wurde, bleibt Hilar Stadlers Geheimnis.

Steve McQueen in Kriens?

Im Raum daneben steht ein Ferrari-Rennmotor mit zwölf Zylindern aus den späten 60er-, frühen Siebzigerjahren mit 4,4 Litern Hubraum und bis zu 425 PS.

Im Museums-Untergeschoss können die Besucher auch Videos anschauen, darunter Filmaufnahmen vom Bergrennen Kriens–Eigenthal von 1964. Dass es in den 1960er-Jahren Autorennen hinauf ins Eigenthal gab, wissen wohl nur noch Insider. Kein Geringerer als Steve McQueen, der Hollywood-Beau mit den blauen Augen, soll an einem von ihnen teilgenommen haben, erzählte die Krienser Gemeinderätin Judith Luthiger an der Vernissage. Ob Gerücht oder Wahrheit, wer weiss das schon. «Auf den Teilnehmerlisten ist McQueens Name nicht verzeichnet, er muss inkognito, unter einem Pseudonym teilgenommen haben», vermutet Luthiger.

Begleitend zur Ausstellung ist ein grossformatiges Buch erschienen mit noch mehr Bildern aus dem fast unerschöpflichen Fundus von Thomas Horat. Das Buch mit dem Titel «Gasoline and Magic» aus der Edition Patrick Frey kostet 68 Franken. Es kann im Museum gekauft werden.

Gratis zur Ausstellung

Wir verlosen 3 x 2 Eintritte ins Museum Bellpark zum Besuch der Sonderausstellung. Datum frei wählbar. Und so funktionierts: Wählen Sie heute die oben angegebene Telefonnummer, oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil. Die Gewinner werden unter allen Teilnehmern ermittelt und informiert.0901 83 30 23
(1.50 Fr. pro Anruf)

Hinweis

Museum im Bellpark, Luzernerstrasse 21, Kriens: Ausstellung «Vrooooaaammm. Ein Versuch über den Motorsport». Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14–17 Uhr, Sonntag 11–17 Uhr.