KRIENS: Rolf Schmid ist neu der höchste Krienser

Rolf Schmid (58) wurde am Donnerstag mit 23 von 25 Stimmen zum Präsidenten des Einwohnerrats gewählt. Das Amt kommt für ihn überraschend – und genau das passt zu seiner bisherigen politischen Karriere.

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Rolf Schmid in seiner Wohnung am Hackenrain. (Bild: Eveline Beerkircher (Kriens, 24. August 2017))

Rolf Schmid in seiner Wohnung am Hackenrain. (Bild: Eveline Beerkircher (Kriens, 24. August 2017))

Rolf Schmid (58, CVP) ist für das Amt als höchster Krienser prädestiniert: Sein Haus liegt etwas erhöht am Hackenrain, so dass er «sein» Volk stets im Blick hat; er ist in der Gemeinde aufgewachsen, kennt diese fast wie seine Westentasche und engagiert sich seit Jahren beim Volleyballclub – als Spieler, Trainer, Vorstandsmitglied oder Präsident.

Und doch kommt es für ihn etwas überraschend, dass er nun – fünf Jahre nach seiner Wahl – den Einwohnerrat präsidieren kann. Denn innerhalb der Fraktion gibt es einige, die länger im Rat sind und deshalb vor ihm zum Handkuss hätten kommen können. Doch der Zufall wollte es, dass diese aus unterschiedlichen Gründen abgesagt haben.

Soziale Themen sind ihm wichtig

Das Ungeplante passt ohnehin gut zur politischen Karriere von Rolf Schmid. Der Vater zweier erwachsener Töchter ist ein politischer Spätzünder. Im Alter von 53 Jahren wurde er in den Einwohnerrat gewählt. Gesucht habe er dieses Amt trotz seines politischen Interesses nicht. «Eine langjährige Bekannte, die heutige CVP-Kantonsrätin Christine Kaufmann, hat mich angefragt, ob ich bereit wäre, die CVP im Einwohnerrat zu vertreten.» Nach einigem Überlegen sagte Schmid zu. Er sei kein CVP-Stammwähler gewesen, trotzdem passe die Partei gut zu ihm. «Neun von zehn Punkten des Parteiprogramms konnte ich für mich unterschreiben. Die sozial-liberale Ausrichtung gefällt mir.» Welcher Punkt des Parteiprogramms nicht seiner Einstellung entsprochen habe, daran könne er sich nicht mehr erinnern, sagt er schmunzelnd. Schmid lässt sich nicht gerne ins Links-rechts-Schema quetschen. Innerhalb der Fraktion sieht er sich als Mittepolitiker, dabei sind ihm soziale Themen und lösungsorientiertes Vorgehen wichtig.

Kriens befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Einerseits will sich die Gemeinde weiterentwickeln, andererseits sind die finanziellen Mittel knapp. Trotzdem sagt Schmid: «Ich habe eine gute Zeit erwischt. Bis 2008 war man kaum bereit, Geld zu investieren und grosse Würfe zu machen. Das hat mich geärgert.» Schmid vermisste den Pioniergeist von früher, als man beispielsweise die Gotthardbahn gebaut hat. Zu lange sei einfach nur verwaltet worden. Nun sei Kriens auf einem guten Weg – obwohl es noch ein paar magere Jahre durchzustehen gelte. Sein Ziel als Einwohnerratspräsident sei es, die anstehenden Herausforderungen lösungsorientiert anzupacken. Schmid ist sich aber auch bewusst, dass er in diesem Amt «nicht wahnsinnig viel verändern kann». Er leitet die Sitzungen, darf aber nicht politisch sein oder im Parlament abstimmen (mit Ausnahme des Stichentscheids). Nicht einfach für jemanden, der sich im Rat gern und regelmässig zu Wort meldet – auch mal mit lauter Stimme und markigen Worten. «Ich muss mich sicher zurückhalten», sagt Schmid. Laut werden könnte er aber trotzdem, nämlich dann, wenn sich jemand abschätzig oder erniedrigend über andere Leute äussert. «Das kann ich nicht ausstehen. Gegenseitiger Respekt ist mir sehr wichtig.»

Yvette Estermann ist neue Vize-Präsidentin

Respekt brachten ihm am Donnerstag auch seine Ratskollegen entgegen. Mit 23 von 25 Stimmen erzielte Schmid ein gutes Resultat bei der Wahl zum Einwohnerratspräsidenten. Zur Vizepräsidentin gewählt wurde Yvette Estermann (SVP) mit 18 Stimmen.

 

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

 

Zur Person

Rolf Schmid (58) ist seit 2012 CVP-Einwohnerrat. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter (21 und 23 Jahre). Nach der Schulzeit besuchte er das Lehrerseminar und arbeitete 18 Jahre lang als Reallehrer. Heute ist er Rektor der Schulen Hünenberg ZG. Für den Volleyballclub VTV Kriens absolviert er als Spieler bereits die 42. Saison. Schmid spielte lange in der 1. und 2. Liga, daneben war er während insgesamt 16 Jahren als Trainer und weitere 8 Jahre als Präsident tätig. (cgl)