KRIENS: Schiesserei in Kriens: Obergericht verschärft Urteil

Das Obergericht Luzern hat die Strafe gegen den Mann, der in einem Krienser Restaurant einen Mann erschoss und dessen Bruder verletzte, von zwei auf drei Jahre erhöht. Im Gegensatz zur Vorinstanz gestand es dem Beschuldigten nur bei der Tötung eine Notwehrsituation zu.

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Beim Restaurant «Dany`s» im Zentrum von Kriens wurde nach der Tat im Februar 2009 mit Blumen und Kerzen dem Opfer gedacht. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Beim Restaurant «Dany`s» im Zentrum von Kriens wurde nach der Tat im Februar 2009 mit Blumen und Kerzen dem Opfer gedacht. (Bild: Roger Zbinden / Neue LZ)

Der Beschuldigte hatte sich am 24. Februar 2009 in einem Krienser Schnellimbiss-Restaurant aufgehalten, als er von den beiden späteren Opfern aufgesucht wurde. Anlass waren Schulden und eine zwei Tage zuvor stattgefundene Auseinandersetzung.

Die beiden Brüder führten einen Schlagstock, einen Pfefferspray und eine Schreckschusspistole auf sich, sie hatten aber eine echte Schusswaffe im Auto gelassen. Das Obergericht geht deshalb davon aus, dass die Brüder keine lebensbedrohende Situation suchten.

Der Beschuldigte lud unter dem Tisch, aber gut hörbar, seine Pistole und wurde darauf von einem der Brüder mit dem Schlagstock angegriffen. Er schoss auf den Angreifer und verletzte ihn.

Als Reaktion gab der zweite Bruder zwei Schüsse aus seiner täuschend echt aussehenden Schreckschusspistole ab. Darauf wurde er vom Beschuldigten erschossen.

Beschuldigter verlangte Freispruch

Das Kriminalgericht sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei, weil er in Notwehr gehandelt habe. Es sprach ihn aber der versuchten Tötung für schuldig, wobei es ihm auch hier eine gewisse Notwehrsituation zugestand.

Der Beschuldigte wollte aber auch von der versuchten Tötung freigesprochen werden und zog das Urteil an die nächste Instanz weiter.

Das Obergericht bestätigte den Freispruch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. Nach den Schüssen aus der Schreckschusspistole habe sich der Beschuldigte in einer Bedrohungslage befunden und somit in gerechtfertigter Notwehr gehandelt.

Das Obergericht bestätigte aber aber auch die Verurteilung wegen versuchter Tötung. Es stufte diese sogar als gravierender ein als die Vorinstanz, weil der Beschuldigte durch das Laden der Pistole zur Eskalation beigetragen habe. Er könne sich damit nicht auf ein Notwehrrecht berufen.

Das Obergericht erhöhte deshalb die vom Kriminalgericht verhängte Strafe von zwei Jahren (davon sechs Monate unbedingt) auf drei Jahre (davon ein Jahr unbedingt). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (sda)