KRIENS: «Schiessneid kennt man bei uns nicht»

Die Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli erlebte im Pilatusgebiet einen Jagdtag mit zwei Rehen als Beute. Sorgen bereitet aber eine zunehmende Überpopulation.

Ernesto Piazza
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Turi Sidler, Peter Küenzi und Fritz Duss (von links) von der Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli am Donnerstag auf der Treibjagd im Pilatusgebiet. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Turi Sidler, Peter Küenzi und Fritz Duss (von links) von der Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli am Donnerstag auf der Treibjagd im Pilatusgebiet. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Ein «Weidmannsgruss» hier – ein kräftiger Händedruck dort: Nach einer klaren Vollmondnacht zeigt sich im Pilatusgebiet langsam, aber sicher die Sonne. Rund ein Dutzend erwartungsfrohe Jäger haben sich beim Grüeblimoos ihres Reviers Kriens-Grüebli eingefunden. Morgendliche Gespräche weichen schon bald einer andächtig anmutenden Ruhe. Drei Bläser eröffnen mit ihren Jagdhörnern den Jagdtag. Dann teilt Jagdleiter Turi Sidler – nach der Begrüssung von Obmann José Gabriel – den Jägern ihre Stände zu. «Wir konzentrieren uns im ersten, eine Stunde dauernden Trieb auf das Gebiet Mülimäsloch», sagte er. «Um 9.15 Uhr lassen wir die Hunde los. Im Anschluss daran treffen wir uns im ‹Jufli›. Der Jagdtag ist eröffnet.»

Wenig später: Die Höhe von rund 1200 Metern über Meer ist erreicht. Ein herrlicher Herbsttag. Die ganze Schönheit des Pilatusgebiets präsentiert sich im Glanz der Sonne. «Wir wären natürlich auch bei schlechtem Wetter gegangen», sagt Jäger Peter Küenzi und lacht. Doch die Bedingungen seien natürlich optimal. Aufgrund der jüngsten Regenfälle liessen sich die Spuren der Tiere für die Hunde einfacher verfolgen. Und trotzdem sei es nicht zu nass. «Ob wir letztlich ein Tier erlegen werden, hängt aber auch von der Strategie ab», so Küenzi.

Mittlerweile ist der Ort für die nächste Stunde erreicht. Fortan sind geduldiges Warten und ein möglichst geringer Geräuschpegel gefragt. Und so unterbricht nur Vogelgezwitscher oder ein dezentes Flüstern die Stille im Wald.

Gegenseitige Unterstützung

Die Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli existiert seit 1931 und ist eine der ältesten Gesellschaften des Kantons. Das Revier umfasst rund 900 Hektaren. Davon sind zirka 65 Prozent Waldanteil. Momentan gehören der Jagdgesellschaft zehn Pächter und drei Jahresgäste an. Neben der eigentlichen Jagd müsse auch die Natur gehegt und gepflegt werden, weiss Peter Küenzi. Deshalb sei er mindestens ein- bis zweimal pro Woche im Revier anzutreffen.

Weiter sagt der Präsident Revierjagd Luzern Sektion Pilatus und angehender Präsident der Revierjagd Luzern: «So eine Gesellschaftsjagd bedeutet für alle Beteiligten eine echte Herausforderung.» Man sei in einem bergigen Gebiet unterwegs und aufeinander angewiesen und unterstütze sich gegenseitig, sagt Küenzi. «Schiessneid kennt man bei uns nicht.» Im Gegenteil: Das Ziel, Beute zu machen, könne nur gemeinsam erreicht werden. Die Zusammenarbeit zwischen Hunden, Treibern und Jägern müsse funktionieren. Ein wichtiger Grund, dass dem so ist, ortet Küenzi «in der tollen Kameradschaft».

Schiessnachweis erbringen

Für die Pächter der Jagdgesellschaft Kriens-Grüebli – sie beschäftigen sich in ihrem Revier mit der Hoch- und Niederwildjagd – ist es erlaubt, mit Schrot und Kugel zu schiessen. «Hier haben wir aber, gerade in Bezug auf die Aus- und Weiterbildung, äusserst strenge Massstäbe.» So müsse jede Jägerin und jeder Jäger im Kanton Luzern jährlich einen Schiessnachweis mit Kugel und Schrot erbringen, damit er die Jagdberechtigung erhalte.

Die Abgabe eines Schusses ist für die Jäger ein sensibles Thema. Küenzi sagt: «Wichtig ist für mich ein sauber abgegebener Schuss.» Eine Nachsuche bei einem angeschossenen Tier sei nicht schön.

Selbstverständlich weiss Küenzi: In der Öffentlichkeit wird immer wieder über Sinn oder Unsinn der Jägerei diskutiert. «Die Jagd will die Erhaltung und Förderung einer zeitgemässen Jagd. Neben der Aufgabe der Förderung und Erhaltung der frei lebenden Tierwelt und ihrer Lebensräume verfolgen wir das Ziel, dass die Förderung und der Schutz von einzelnen Arten nur so weit erfolgen darf, als die übergeordnete Zielsetzung der Artenvielfalt nicht verletzt wird.» Während er den Rotwild- und Rehbestand als gut einschätzt, sieht Küenzi bei den Füchsen eine Überpopulation und beim Luchs mit 1,85 Tieren pro 100 Quadratkilometern eine zunehmende Überpopulation.

Drei Hornstösse für ein Reh

Plötzlich wird das gegenseitige Flüstern durch bellende Hunde gestört. Auch die Laute der Treiber kommen näher. Dann ein Knall – ein Schuss. Einem kurzen Moment der Ungewissheit folgt erneut Hundegebell. Ein Horn ertönt: einmal, zweimal, dreimal. «Es ist ein Reh», sagt Küenzi. Bei zwei Hornstössen wäre es ein Fuchs gewesen, klärt er auf. Noch ist die erste Stunde Treibjagd nicht vorbei. Wenig später – nur unweit entfernt – erneutes Gebell von Jagdhunden: Doch diesmal verstummen die Laute wieder. Dann ertönt erneut ein Horn. Diesmal ist es das Zeichen zum Ab- und Aufbruch. Alle Jäger versammeln sich im «Jufli». Das geschossene Reh ist ein Schmaltier. So wird das Reh benannt, wenn es noch keine Jungen auf die Welt brachte.

Während Jäger Fritz Duss sein geschossenes Tier sofort verarbeitet und für die Kühlzelle bereit macht, ist für seine Kollegen um die Mittagsstunde erst mal «Znünizeit». Brot, Trockenfleisch, Tee: Alle haben ihre Zwischenverpflegung mitgebracht. Die morgendlichen Gespräche flammen wieder auf, bevor es mit dem zweiten und dritten Trieb weitergeht. Noch stehen für die Jäger «Fuchsegg» und «Banzenloch» auf dem Programm. Und so kommt am Nachmittag bei der noch bis Mitte Dezember laufenden Jagd ein weiteres geschossenes Reh dazu. Küenzi hatte diesmal kein Weidmannsheil. Trotzdem sagt er: «Es war ein toller Tag im Kreise der Grüebli-Jäger. Zudem verlief der Jagdtag unfallfrei. Das ist für uns auch immer wieder ganz wichtig.»