KRIENS: So werden Parkplätze begrenzt

In Gebieten, die gut per ÖV erschlossen sind, soll es weniger Parkplätze geben als anderswo. Damit will der Gemeinderat einen Verkehrskollaps verhindern.

Robert Knobel
Drucken
Teilen

Robert Knobel

Wer ein neues Gebäude baut, muss sich auch um eine genügend grosse Anzahl Parkplätze kümmern. Dies schreiben die Parkplatzreglemente der Luzerner Gemeinden vor. So muss etwa pro neue Wohnung auch mindestens ein Parkplatz gebaut werden. Ähnliche Vorschriften gibt es für neue Bürogebäude, für Restaurants oder Gewerbebetriebe. Bisher spielte es meist keine Rolle, wo sich der Neubau befindet. Egal, ob Einfamilienhaus am Dorfrand oder Bürokomplex im Zentrum – es kam immer der gleiche Normwert für Parkplätze zur Anwendung.

Vorbild Stadt Luzern

Das soll sich ändern. Die Gemeinden in der Agglomeration Luzern wollen die Berechnung der Pflichtparkplätze je nach Lage abstufen. Sie orientieren sich dabei an der Stadt Luzern, welche als einzige bereits über ein abgestuftes Parkplatzreglement verfügt. In der Stadt gibt es zwar ebenfalls Normwerte. Doch dabei handelt es sich um Obergrenzen, die gar nicht überall erreicht werden dürfen. So schreibt die Norm zum Beispiel vor, dass für ein Restaurant mit 30 Sitzplätzen vier Parkplätze gebaut werden müssen. In der Innenstadt darf diese Norm allerdings nur zu 50 Prozent ausgeschöpft werden. Entsteht in der Altstadt ein neues Restaurant, kann und darf es keine Parkplätze bauen.

Ein solches Modell wollen die Agglogemeinden ebenfalls einführen. Am weitesten ist man dabei in Kriens. Dort liegt jetzt das neue Parkplatzreglement vor – am 21. April wird es im Einwohnerrat behandelt. Wie beim Luzerner Modell wird dabei die Gemeinde Kriens in verschiedene Zonen eingeteilt. Die Einteilung erfolgt unter dem Gesichtspunkt der Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Der Grundsatz: Je besser erschlossen, desto weniger Parkplätze sind erlaubt. So liegt die erlaubte Zahl Parkplätze im Gebiet Mattenhof bei 0 bis 50 Prozent des Normwerts. Das bedeutet: Statt 1350 dürfen maximal 675 Parkplätze gebaut werden; geplant sind 330. Im ländlichen Gebiet Schauensee hingegen beträgt die Anzahl Pflichtparkplätze 40 bis 100 Prozent des Normwerts (siehe Grafik). In der Nachbargemeinde Horw, wo das Reglement noch in Arbeit ist, ist derselbe Grundsatz geplant. So soll das Gebiet im Bereich der künftigen Überbauung Horw Mitte zur Zone mit dem tiefsten Parkplatzwert gehören.

In Kriens wurden bisher Bauherren bestraft, welche die Pflichtanzahl an Parkplätzen nicht erfüllen. Für jeden nicht erstellten Parkplatz müssen sie eine Ersatzabgabe zahlen. Die Höhe der Abgabe bewegt sich zwischen 3000 und 10 000 Franken pro fehlenden Parkplatz. Die Ersatzabgabe soll weiterhin erhoben werden – künftig aber nur noch für Bauherren, welche den Minimalwert an Parkplätzen unterschreiten. Auch wenn es der Strategie des Gemeinderats entspricht, möglichst wenige neue Parkplätze zu erstellen, so pocht er dennoch darauf, zumindest eine Minimalzahl weiterhin zu gewährleisten. Gemeindepräsident Cyrill Wiget sagt: «Sonst könnte ein Bauherr Kosten sparen, indem er ganz auf Parkplätze verzichtet. Doch dann würden die Benutzer des Areals einfach anderswo parkieren.» Solche Schlupflöcher wolle man verhindern.

2000 neue Parkplätze im Schlund

Der Gemeinderat betont in seiner Botschaft an den Einwohnerrat, dass nur mit der restriktiven Parkplatzpraxis ein Verkehrskollaps insbesondere im Gebiet Schlund verhindert werden könne. Für die Überbauung Mattenhof und das Nidfeld-Areal wurden bereits Parkplatzbeschränkungen vereinbart, die sich am neuen Reglement orientieren. Trotzdem werden im Rahmen dieser beiden Grossprojekte rund 1000 neue Parkplätze gebaut. Nochmals so viele Parkplätze kommen in der Überbauung Schweighof hinzu. «Damit zukünftige Überbauungen wie die Musikhochschule oder die Pilatus-Arena überhaupt verkehrlich erschlossen werden können, dürfen die erlaubten Anzahl Parkplätze nicht mehr im selben Masse anwachsen», heisst es in der Botschaft des Gemeinderats. Neben der Beschränkung der Parkplatzzahl sollen sogenannte Fahrtenmodelle dafür sorgen, dass sich die Verkehrszunahme in Luzern Süd in Grenzen hält. Fahrtenmodelle schreiben vor, wie viele zusätzliche Autofahrten eine neue Überbauung maximal generieren darf. Im Nidfeld, auf dem früheren Pilatusmarkt-Areal, dürfen beispielsweise während der abendlichen Spitzenstunden maximal 200 Autos ausfahren.