KRIENS: Spielwiesen müssen weichen

Die Gemeinde er­weitert mehrere Schulhäuser auf Kosten von beliebten Spiel­flächen. Jetzt lässt der Gemeinderat prüfen, ob die Kinder noch genügend Platz zum Spielen haben.

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In Kriens sollen noch mehr solcher Container entstehen. (Symbolbild Neue LZ)

In Kriens sollen noch mehr solcher Container entstehen. (Symbolbild Neue LZ)

Das Gebiet Luzern-Süd wächst kräftig. Die Gemeinde Kriens muss deshalb die beiden Schulhäuser Roggern und Kuoni­matt, die auf Luftlinie weniger als einen Kilometer auseinander liegen, erweitern. Sie will sogenannte modulare Schulbauten aufstellen, um Platz für Kindergärten und Primarklassen zu schaffen. Die Baupläne liegen nun öffentlich auf und sind ausgesteckt.

Die Profile der 26 Meter langen und 15 Meter breiten Module stehen auf der grünen Wiese. Beim Schulhaus Kuonimatt wird die Spielwiese um rund einen Fünftel kleiner. Die Grünfläche ist bei Kindern im Quartier äusserst beliebt. Beim Schulhaus Roggern wird wohl etwa ein Drittel der Spielwiese für die Schulmodule gebraucht. Neben der Wiese gibt es einen Hartplatz, der für Ballspiele genutzt wird. Beim gleichen Schulhaus wurde bereits vor gut drei Jahren – ebenfalls auf grüner Wiese – ein Pavillon für den Mittagstisch erstellt.

Für Schulraumerweiterungen auf Wiesen und Spielflächen gibt es in Kriens noch weitere Beispiele. Beim Schulhaus Amlehn wurde der Kindergarten vergrössert und dafür der Spielplatz verkleinert. Und auf der grossen Krauerwiese wurden modulare Schulbauten aufgebaut. Diese stehen voraussichtlich bis zum Sommer 2018, während die Schulhäuser Kirchbühl und Brunnmatt saniert werden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Bevöl­kerung Ende Februar dem Budget zustimmt. Wird es abgelehnt, dürften die Provisorien noch länger stehen bleiben.

Bleiben Pavillons für Jahrzehnte?

Die Modulbauten bei den Schulhäusern Kuonimatt und Roggern sind hingegen nicht als befristete Provisorien geplant. Sie sollen laut Bildungsvorsteherin Judith Luthiger-Senn bis auf weiteres bestehen bleiben. Die Module hätten eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren.

Spielfläche für Gebäude zu opfern, hat in Kriens also System. Judith Luthiger begründet dies unter anderem mit den knappen Finanzen der Gemeinde: «Wir bebauen zuerst gemeindeeigenes Land, bevor wir teures Land kaufen oder Schulräume dazumieten.» Man versuche dabei, möglichst wenig Land zu beanspruchen. Entsprechend ist auch vorgesehen, die Module bei den Schulhäusern Roggern und Kuonimatt in einer zweiten Etappe auf drei Etagen aufzustocken. Das Schulhaus Roggern muss längerfristig allerdings noch weiter ausgebaut werden.

«Wiesen sind noch gross genug»

Judith Luthiger sagt, eine Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass die nun gewählten Standorte für die neuen Module die besten seien. «Die Spielwiesen sind weiterhin gross genug.» Für die neuen Module sind aufwendige Pfählungen und Grundierungen nötig. Für die beiden neuen Pavillons rechnet die Gemeinde deshalb – inklusive Pfählungen – mit Kosten von 3,85 Millionen Franken. Der Einwohnerrat hat den entsprechenden Kredit im Dezember einstimmig genehmigt. Die geplanten Aufstockungen werden laut Luthiger deutlich weniger kosten, da keine zusätzlichen Pfählungen nötig sind.

Die Krienser Grünen beobachten die aktuelle Entwicklung in der Gemeinde mit Sorge. Sie setzen sich dafür ein, dass der Grünraum erhalten bleibt. «Darauf werden wir nun verstärkt unseren Fokus legen», sagt Fraktionschef Bruno Bienz. Er stellt fest, dass der Druck auf Grünflächen aufgrund der regen Bautätigkeit zunimmt. «Schon in den Quartieren gibt es immer weniger Grünraum. Deshalb weichen viele Kinder schon heute auf die Schulanlagen aus», sagt Bienz. Dass die dortigen Spielflächen nun für zusätzliche Gebäude verkleinert werden, sei «sehr bitter» und widersprüchlich: «Mehr Schüler brauchen doch auch grössere Pausenplätze», sagt Bienz. Statt neue Schulhäuser zu bauen, müsse man versuchen, die bestehenden aufzustocken. Der Gemeinderat plant sowohl Aufstockungen als auch flexible Lösungen. «Im Moment ist alles im Fluss», sagt Judith Luthiger. «Der Einwohnerrat hat uns den Auftrag erteilt, keinen Schulraum auf Vorrat zu bauen, deshalb sind Modulbauten die bessere Lösung.»

Umgebung fliesst in Planung ein

Die Grünen kritisieren, dass die Umgebung bisher in der Schulraumplanung ausser Acht gelassen worden sei. Sie forderten deshalb, dass diese in den künftigen Planungen berücksichtigt werde – mit Erfolg. Im Frühling wird der Gemeinderat die aktualisierte Schulraumplanung veröffentlichen. «Darin spielt die Frage, ob die Aussenräume und Sportflächen ausreichen, eine wichtige Rolle», sagt Judith Luthiger. Auch dem Gemeinderat sei es ein Anliegen, dass genügend Grünflächen vorhanden sind. «Wir wollen, dass die Kinder Platz zum Spielen haben.» Dies wolle man mit der neuen Schulraumplanung speziell berücksichtigen.

Christian Glaus