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KRIENS: «Starke Wirtschaft heisst starke Familie»

Franco Faé (57) will für die CVP in den Gemeinderat. Im Interview erklärt er, welche Pläne er für Kriens hat und wieso die CVP der SVP den Sitz streitig macht.
Gewerbler durch und durch: Franco Faé posiert in seinem Geschäft neben einem Rasentraktor. (Bild Dominik Wunderli)

Gewerbler durch und durch: Franco Faé posiert in seinem Geschäft neben einem Rasentraktor. (Bild Dominik Wunderli)

Interview Dominik Weingartner

Franco Faé*, Sie haben im 1. Wahlgang die Wahl nur um 118 Stimmen verpasst. Wurmt es Sie, dass Sie in den 2. Wahlgang müssen?

Franco Faé: Nein, überhaupt nicht. Ich war über dieses Resultat sehr erfreut. Es hat mich in der Ansicht gestärkt, dass die Leute Köpfe wählen und nicht eine Partei. Gemeinderatswahlen sind Kopfwahlen.

Ist der 2. Wahlgang nach diesem Resultat nur noch Formsache?

Faé: Nein ganz und gar nicht. Es ist wie im Fussball: Der Match ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Und das wird dann am 27. September um 11 Uhr sein.

Wie kommt die CVP dazu, der SVP ihren einzigen Sitz im Gemeinderat streitig zu machen?

Faé: Wir haben der SVP unsere Anforderungen an einen Kandidaten klar kommuniziert. Wir haben dann geschaut, wen die SVP bringt, und dann entschieden, dass diese Person diese Anforderungen nicht erfüllt. Es kommt hinzu, dass ich mich mit über 3000 Stimmen aus dem 1. Wahlgang verpflichtet fühle, wieder anzutreten.

Befürchten Sie nicht, dass sich bei einer Abwahl der SVP aus dem Gemeinderat der Ton im Einwohnerrat noch einmal verschärfen wird? SVP-Präsident Peter Portmann spricht von «totaler Opposition», sollte dies eintreffen.

Faé: Das sind Drohungen, die mir gegenüber schon vor dem 1. Wahlgang geäussert worden sind. Ich glaube aber nicht, dass man mit solchen Drohungen Kriens vorwärtsbringt. Das sollte man langsam, aber sicher einsehen. Die SVP muss sich selber an der Nase nehmen und vielleicht eine Person längerfristig aufbauen.

Mit einem zweiten Gemeinderat wäre die CVP im Gemeinderat ­übervertreten. Das könnte dazu führen, dass bei den Wahlen im Frühling einer über die Klinge springen muss.

Faé: Darüber wird in Kriens diskutiert; es stimmt aber aufgrund der Fraktionsstärke nicht ganz. Gewisse Parteien wollen dies so sehen. Ich sehe das aber etwas anders, denn einen gewählten Gemeinderat, der einen guten Job macht, wählt man nicht ab. Es liegt an jedem Gemeinderat, sich mit seiner Arbeit zu beweisen.

Sie glauben also, ein halbes Jahr reicht aus, um den Kriensern zu zeigen, dass Sie einen guten Job machen?

Faé: Ich bin der Ansicht, dass die Gemeinderatswahlen 2016 in Kriens schon 2015 stattfinden. Ich würde alles daran setzen, beste Arbeit zu leisten. Dass man in einem halben Jahr nicht die grossen Resultate bringen kann, ist, glaube ich, jedem klar.

Sie waren 14 Jahre lang Gemeinderat in Rain. Wieso streben Sie nun dieses Amt auch in Kriens an?

Faé: Weil ich in all den Jahren viele Erfahrungen und ein grosses Fachwissen erarbeitet habe. Dazu kann ich auf ein breites Netzwerk zählen, das ich gerne für Kriens einsetzen würde. Nach dieser erfolgreichen Zeit in Rain und dem schönen Abschied war mir klar, dass ich auch in Kriens politisch aktiv bleibe.

In Ihrer Kampagne setzen Sie vor ­allem auf Schlagworte wie «Stil» oder «Erfahrung». Konkrete politische Positionen fehlen. Wo stehen Sie da?

Faé: Ich stehe politisch in der Mitte und bin bei der CVP am richtigen Ort. Wenn ich eines gelernt habe in der Politik, dann, dass es nicht linke und nicht rechte Lösungen gibt. Es gibt nur richtige Lösungen. Ich bin konsensfähig und suche Lösungen.

Die CVP deckt ein breites politisches Spektrum ab, von wertkonservativ über wirtschaftsliberal bis hin zu einer ausgeprägten Sozial- und Familienpolitik. Wo sehen Sie sich da am ehesten?

Faé: Als Unternehmer bin ich überzeugt: Starke Wirtschaft heisst auch starke Familie.

Welches Departement würden Sie gerne übernehmen?

Faé: Es sieht so aus, als würde es auf das Finanzdepartement hinauslaufen. Dort sehe ich mich absolut. Schon in Rain war ich für die Finanzen zuständig und weiss, wie das in einer Gemeinde funktioniert. Ich hätte aber kein Problem, ein anderes Departement zu übernehmen. Einzig als Sozialvorsteher sehe ich mich nicht wirklich.

Was für Schwerpunkte würden Sie im Finanzdepartement setzen?

Faé: Die Finanzpolitik braucht eine strategische Ausrichtung. Das hat man jetzt schon aufgegleist. Es braucht einen Finanzplan und eine Strategie, an der man auch festhält. Trotzdem muss man flexibel bleiben. Die Gemeinde ist die letzte Instanz nach Bund und Kanton, getreu dem Motto «Den Letzten beissen die Hunde». Es gibt immer wieder Überraschungen, wenn neue finanzielle Aufwendungen für die Gemeinden beschlossen werden. Ein Beispiel ist die Pflegefinanzierung.

Sie sprechen es an: Viele Ausgaben der Gemeinden ergeben sich aus Vorgaben von Bund und Kanton. Kann man sich dagegen wehren?

Faé: Man hat als Gemeinde nicht sehr viele Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Umso mehr muss man sich über Gemeindeverbände einbringen und seinen Einfluss als drittgrösste Gemeinde im Kanton spielen lassen. Das ist sehr wichtig und eine grosse Aufgabe für den Gemeinderat.

Die letzte Rechnung hat gezeigt, dass sich die Steuereinnahmen nicht so entwickeln wie erwartet. Sind Steuererhöhungen für Sie ein Thema?

Faé: Das wäre die letzte Option, die man ins Auge fassen müsste. Es findet aber eine grosse Entwicklung im Gebiet Luzern Süd statt. Hier werden wir in Zukunft unsere Einnahmen generieren müssen. Da bin ich optimistisch, wenn man richtig plant und wirtschaftlich bestens nutzt.

Wo sehen Sie Sparpotenzial?

Faé: Ich rede lieber von optimieren als von sparen. Vom Sparen haben die Leute langsam genug. Man muss immer Abläufe hinterfragen und schauen, wo man noch optimieren kann. Man muss auch bei den Investitionen aufpassen. Investitionen führen meist auch zu Folgekosten. Die geplanten Investitionen muss man jetzt mal abwarten, bevor man bereits wieder neue plant. Uns holen leider auch immer wieder Versäumnisse der Vergangenheit ein.

Wie stehen Sie zum Bypass?

Faé: Ich bin Mitglied des Komitees ­«Bypass – so nicht!» Wir müssen für Kriens ein optimales Ergebnis herausholen. Vor allem die Wohnbevölkerung muss geschützt werden. Die Einhausung muss so weit wie möglich realisiert werden. Mir ist aber schon bewusst, dass wir aus finanziellen Gründen wahrscheinlich keine Komplett-Überdachung erhalten werden.

Wie können die Verkehrsprobleme im Zentrum nachhaltig gelöst werden?

Faé: Neben dem ÖV muss auch der Privatverkehr einbezogen werden, damit unser Gewerbe nicht behindert wird. Es ist eine Herkulesaufgabe. Der Raum für eine Ideallösung ist sehr eingeschränkt. Es gilt darum, alternative Lösungen zu suchen, vielleicht mit Wechselspuren morgens und abends mit einer Busspur.

Kriens hat die höchste Sozialhilfequote im Kanton, die Kosten steigen. Wie kann man diesen Trend wieder umkehren?

Faé: Noch bessere Kontrollen und Abklärungen vor Ort können helfen. Das Problem ist, dass viele Erwerbslose in die Sozialhilfe geraten, darunter erstaunlicherweise viele ältere Leute. Es gilt, für die Betroffenen sinnvolle Lösungen zu finden.

Welche Lösungen konkret?

Faé: Das ist ein schwieriges Thema. Eine ist sicher, betroffene Personen möglichst schnell zurück ins Erwerbsleben zu führen.

Die Krienser Wirtschaftsförderung steht immer wieder in der Kritik. Sie sind selber Unternehmer. Teilen Sie die Kritik am Gemeinderat?

Faé: Teilweise ja. Man spürt die Bemühungen vom Gemeinderat zu wenig, auch wirklich starkes Gewerbe nach Kriens zu holen. Es finden selten Veranstaltungen für das Gewerbe statt, der Gewerbeverein ist da eher aktiver. Der Gemeinderat hat das Problem aber schon erkannt und versprochen, dies zu ändern. Da bin ich eigentlich guten Mutes und würde mich im Gemeinderat dafür einsetzen.

Der Gemeinderat verweist immer wieder auf die Stiftung Wirtschaftsförderung, welche die grossen Firmen an Land ziehen soll.

Faé: Hier muss der Gemeinderat eine aktive Rolle übernehmen und eng mit der Stiftung Wirtschaftsförderung zusammenarbeiten. Alleine wird Kriens das nicht schaffen. Man kann auch auf die K5, die koordinierte Zusammenarbeit der fünf Agglogemeinden, hoffen, dass man dort mit den umliegenden Gemeinden an einen Tisch sitzt und die wirtschaftlichen Entwicklungsschwerpunkte definiert.

* Franco Faé (57) ist Inhaber des gleichnamigen Geschäfts, das auf den Verkauf von Rasenmähern und Motorgeräten spezialisiert ist. Zwischen 1995 und 2009 war er Gemeindeammann von Rain. Faé ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Seit 2009 lebt er in Kriens, seit 2012 ist er Präsident der CVP-Ortspartei.

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