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KRIENS: Stück Geschichte verschwindet

Drei Häuser wurden im Hochwald abgerissen, weil sie ohne Bewilligung gebaut worden seien. Weitere dürften folgen. Damit verbunden sind viele Emotionen.
Christian Glaus
Oben: Albert Koch senior (rotes Hemd) vor dem Haus Rigiblick. Unten rechts: Albert Koch (wieder im roten Hemd) 1971 mit Gästen in der Waldhütte. Unten links: Ein Bagger reisst das Haus am 17. Mai 2016 ab. (Bilder PD/Pius Amrein)

Oben: Albert Koch senior (rotes Hemd) vor dem Haus Rigiblick. Unten rechts: Albert Koch (wieder im roten Hemd) 1971 mit Gästen in der Waldhütte. Unten links: Ein Bagger reisst das Haus am 17. Mai 2016 ab. (Bilder PD/Pius Amrein)

Christian Glaus

«Die ersten illegalen Hütten sind jetzt weg», titelte unsere Zeitung am 18. Mai. Darunter ist zu sehen, wie Zivilschützer das Haus Rigiblick im Krienser Hochwald abreissen. Bruno Graber (65) und Albert Koch (61) waren schockiert, als sie die Bilder in unserer Zeitung sahen. «Das Haus hatte eine Baubewilligung als Waldhütte», widersprechen die Halbbrüder der Darstellung der Gemeinde Kriens – und graben im Keller alte Dokumente aus.

Waldhütte 1964 gekauft

Ihr Vater Albert Koch hat das kleine Häuschen im Februar 1964 gekauft. Während 36 Jahren nutzte die Familie Koch die Hütte, verbrachte Wochenende um Wochenende im Hochwald, investierte Geld, Zeit und viel Schweiss. Nach dem Tod des Vaters 1998 entschieden die Geschwister, das Häuschen der Gemeinde Kriens zu übergeben, welcher das Land gehört. Die Übergabe fand im September 2000 statt.

Natürlich wussten Bruno Graber und Albert Koch, dass die Gemeinde nach einem Bundesgerichtsentscheid 2010 für 89 Liegenschaften im Krienser Hochwald nachträgliche Baugesuche verlangte. Dies, weil laut den Behörden für die Bauten keine Bewilligungen vorliegen. Die Geschwister waren aber stets der Meinung, dass das Haus Rigiblick nicht betroffen sei. Umso konsternierter waren sie, als sie in unserer Zeitung sahen, wie ein Bagger das Haus dem Waldboden gleichmacht. «Als ich das Bild sah, ist vieles wieder hochgekommen», so Albert Koch.

Kein Beleg für Baubewilligung

Ein Dokument, welches die Aussage von Bruno Graber und Albert Koch belegt, haben sie nicht mehr. Die Baubewilligung habe er 2000 bei der Übergabe der Waldhütte an die Gemeinde abgegeben, sagt Albert Koch. «Wir haben kein hartes Beweismittel mehr. Aber es erstaunt uns schon sehr, dass die Gemeinde von der Baubewilligung nichts mehr wissen will.»

Deshalb zeigt er, am Küchentisch seiner Wohnung in Adligenswil sitzend, Bilder und Dokumente aus früheren Zeiten. Gemäss Albert Koch wurde die Hütte 1930 gebaut. Sein Vater, ein Bierfuhrmann, der bescheiden gelebt habe, kaufte das Haus 1964. «Es war damals ein Holzbau, verkleidet mit Kanisterblech. In aufwendiger Arbeit haben wir das Blech angeschliffen und die Hütte rot gestrichen», erinnert sich Koch. Im Lauf der Jahre liess sein Vater die Blechwände mit Holz verkleiden – das Blech blieb bis zum Abriss in den Wänden. Der Vater errichtete mehrere Anbauten: Ein WC-Häuschen, einen Schopf sowie ein Holzlager. «Diese Anbauten waren nicht bewilligt, denn diese hätte man leicht rückbauen können», sagt Koch.

«Samstags war viel Betrieb»

An die Zeit, die sie im Haus Rigiblick verbracht haben, erinnern sich die Geschwister gut. «Samstags war im Hochwald jeweils viel Betrieb», erzählt Bruno Graber. Die Besitzer der mehr oder weniger legalen Bauten hätten die Wochenenden im Hochwald verbracht, an ihren Hütten gebaut oder die Ruhe genossen. Man kannte und half sich gegenseitig. «Die Gemeinde wusste immer, was da oben vor sich geht», sagt Bruno Graber.

«Wir hatten manche schöne Stunde und viele Feste gefeiert», sagt Koch. Er war 12 Jahre alt, als sein Vater das Haus kaufte. Manchmal musste er nach der Schule mit dem Bus nach Kriens fahren, um seinem Vater beim Bauen zu helfen. Jahre später, 1975, feierten Albert und Irene Koch ihre Verlobung mit einem grossen Fest im Haus Rigiblick.

Das Wochenendhaus hat einen Grundriss von 3 auf 3 Meter. Wenig Platz, aber er reichte. «Das Haus war sehr geschickt eingerichtet», sagt Koch. Im Erdgeschoss hatte es Platz für einen Holzkochherd und einen Esstisch mit Eckbank. Eine Leiter führte in den oberen Stock, wo sich drei Betten befanden. Im besten Fall konnten dort fünf Personen schlafen.

Plötzlich ist Gemeinde Besitzerin

Erstaunliches fördert der Briefverkehr zwischen Albert Koch senior und der Gemeinde Kriens aus den 1970er- und 80er-Jahren zu Tage. Das private Stück Land, auf dem das Haus Rigiblick stand, wurde 1969 von einer Frau an die Gemeinde verkauft. Nur kurz darauf stellte sich die Gemeinde auf den Standpunkt, dass ihr auch das Häuschen gehöre. Fünf Jahre nachdem Albert Koch die Waldhütte gekauft hatte, stand er kurz davor, hinausgeschmissen zu werden. Erst als sich Regierungsrat Werner Bühlmann (CVP) einschaltete, erhielten Albert Koch und seine Frau Agatha das Bleiberecht bis zu ihrem Tod. Ob eine Baubewilligung vorliegt oder nicht, schien die Gemeinde damals nicht zu interessieren. Dies wurde mit keinem Wort erwähnt. Auch im Jahr 2000 nicht, als die Familie Koch das Häuschen an die Gemeinde Kriens übergab. Die Gemeinde war damals bereit, eine Pauschalabgeltung von 4000 Franken für Inventar und getätigte Investitionen zu zahlen. «Ein recht grosszügiger Betrag», so Albert Koch. Er vermutet, dass die Gemeinde deshalb so grosszügig war, weil sie das Haus seines Vaters praktisch über Nacht zu ihrem Eigentum erklärt hatte.

2000 nochmals viel investiert

Seit dem Jahr 2000 hat die Gemeinde das Häuschen an eine andere Person vermietet. «Er hat es wieder flott gemacht und viel Geld investiert», weiss Albert Koch. So habe er etwa Steinplatten auf dem Vorplatz verlegt oder das (ohne Bewilligung gebaute) Holzlager weiter ausgebaut. «Er tut mir am meisten leid», sagt Albert Koch. «Er hat viel Geld und Zeit investiert, hatte aber nur wenig davon.»

Natürlich stehe es der Gemeinde Kriens frei, das Haus Rigiblick abzureissen, fügt Bruno Graber an. Aufgrund der baurechtlichen Ausgangslage hätte sie dies aber nicht tun müssen, ist er überzeugt. «Sie wollte wohl einfach mit gutem Beispiel vorangehen und einen Punkt setzen», sagt Bruno Graber.

Die Gemeinde Kriens ist anderer Meinung. Sie stützt sich bei ihren Entscheiden, ob eine Waldhütte abgerissen werden muss oder nicht, auf die Stellungnahme der Kantonalen Dienststelle Raum und Wirtschaft (Rawi). Diese sei zum Schluss gekommen, dass das Haus Rigiblick 1930 als Schutzhütte gebaut wurde. Die Gemeinde hätte es dem ursprünglichen Zweck entsprechend wiederherstellen müssen, erklärt Bauvorsteher Matthias Senn: «Da wir aber mit gutem Beispiel vorangehen wollen und keine Schutzhütte im Hochwald brauchen, haben wir uns für den Abriss entschieden.»

Illegal – und trotzdem versichert

Für 89 Liegenschaften im Krienser Hochwald hat die Gemeinde Kriens ein nachträgliches Baugesuch verlangt. Es ist also davon auszugehen, dass deren Bau oder Ausbau nie bewilligt wurde. Obwohl die Bauten laut Behörden illegal sind, wurden viele von ihren Besitzern versichert. So auch das Haus Rigiblick der Familie Koch.

Markus Clerc, Leiter Direktionsstab Gebäudeversicherung Luzern, bestätigt dies auf Anfrage. Wie viele Hochwald-Häuser versichert sind, könne er nicht sagen. Im Schadenfall spiele aber keine Rolle, ob ein Gebäude illegal erstellt wurde oder nicht, solange eine Police vorliegt und die Prämie bezahlt wurde, so Clerc. «Zu überprüfen, ob eine Baubewilligung vorliegt oder nicht, ist die Aufgabe der Baubehörde.»

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