KRIENS: Tanzprojekt soll Ängste vor Flüchtlingen abbauen

«Radical Hope» heisst ein Projekt mit Flüchtlingen, das wegen seines Erfolgs erneut im Südpol aufgeführt wird. Ein Grund für die Wiederaufnahme ist jedoch auch der Umzug ins neue Asylzentrum.
Die jungen Darsteller des Stücks «Radical Hope» während der Premiere im Mai dieses Jahres. (Bild: PD (Luzern, 21. Mai 2017))

Die jungen Darsteller des Stücks «Radical Hope» während der Premiere im Mai dieses Jahres. (Bild: PD (Luzern, 21. Mai 2017))

Hoffnung ist wohl ein Begriff, der allen Jugendlichen dieser Welt gemeinsam ist: Die Hoffnung auf eine Zukunft und auf indivi­duelles Glück. Um «Radikale Hoffnung» handelt denn auch ein Tanzprojekt, das diesen Donnerstag und Freitag aufgrund ­seines grossen Erfolgs erneut im Südpol Luzern aufgeführt wird. Das Besondere dabei: Die Hauptdarsteller von «Radical Hope No 1/Pilatusblick» sind vierzehn Jugendliche, die in verschiedenen Teilen der Welt geboren worden sind. Die künstlerische Leitung des Stücks haben Beatrice Fleisch­lin und Anja Meser inne.

Statt Profitänzer und Profitänzerinnen stehen Jugendliche aus der Schweiz, Afghanistan, Eritrea, Somalia und Äthiopien auf der Bühne. «Viele dieser ­Jugendlichen haben allein ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg in eine bessere Zukunft gemacht», sagt Beatrice Fleischlin. Ursprünglich sollten diese Geschichten teils in das Stück eingebaut werden. Doch den ­Leiterinnen wurde geraten, bei den Jugendlichen nicht zu sehr nachzubohren. Der Fokus liegt deshalb auf der Zukunft.

Reza (16) findet das Projekt «cool»

Für die Wiederaufnahme des Projekts gibt es indes noch einen anderen Grund: Die meisten der Jugendlichen werden ab nächster Woche vom Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (Zuma) Pilatusblick in Kriens ins neue Zentrum Grosshof umziehen. Dieses wurde während der letzten Monate neben dem Gefängnis Grosshof für 6,27 Millionen Franken erbaut (Ausgabe vom 25. August). Die Tanzproduktion lädt deshalb besonders auch die neue Nachbarschaft zu den Vorstellungen ein in der Hoffnung, allfällige Ängste abzubauen. «Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kriens läuft seit Inbetriebnahme des Zuma-Pilatusblicks einwandfrei. Auch mit der Bevölkerung stehen wir in regelmässigem ­Austausch und erfreuen uns an einem guten Verhältnis», sagt Fleischlin. Um Anliegen aus der Bevölkerung habe sich im Pilatusblick bisher eine Begleitgruppe gekümmert. Eine solche wird es laut Silvia Bolliger, Leiterin der kantonalen Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, auch im Asylzentrum Grosshof geben.

Über die zusätzlichen Vorstellungen freuen sich nicht nur die zwei Leiterinnen, sondern auch die jungen Tänzerinnen und Tänzer: «Es ist ein cooles Projekt und deshalb super, dass wir es nochmals aufführen können», sagt Reza (16) aus Afghanistan in beinahe akzentfreiem Schweizerdeutsch. Seit zwei Jahren ist er in der Schweiz: «Ich mache hier mit, um Leute kennen zu lernen. Es ist gut für den Kontakt zu Schweizern.» Reza hatte zuvor noch nie getanzt, ebenso geht es Kisen (17) aus Eritrea. «Ich war sehr nervös vor der Premiere im Mai», erinnert er sich lachend. Doch nachher sei er sehr glücklich gewesen. Die Luzernerin Anouk (14) hingegen hat früher schon einmal Theater gespielt: «Am Anfang war es schon speziell, sich vorzustellen, was diese Jugendlichen alles schon erlebt haben. Mit der Zeit haben sie dann auch ein ­wenig erzählt.» Das Projekt sei «so toll», dass Anouk sofort wieder mitmachen würde, sagt sie.

Beatrice Fleischlin und Anja Meser haben einen professionellen Anspruch an die Jugendlichen und arbeiten vor allem mit starken Bildern. «Der erste Teil behandelt Themen wie Flucht und Verlorenheit, der zweite Hoffnung», sagt Fleischlin. Es sind dann auch intensive Szenen, die während der Probe zu sehen sind: Mit schweren Schritten zieht zum Beispiel ein Mädchen die anderen mit sich, rudernde Arme erinnern dabei an schwimmende Flüchtlinge, die sich retten wollen. Nebst diesen Themen müssen sich die Jugendlichen in der Probe auch mit Vertrauen ausein­andersetzen und sich einander in die Arme fallen lassen – was sich nicht alle einfach getrauen.

Natalie Ehrenzweig

region@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Mehr Informationen zu «Radical Hope» unter sudpol.ch.

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