KRIENS: Ungebetene Gäste auf Friedhöfen machen Sorgen

Wildtiere könnten grosse Schäden auf Friedhöfen anrichten, befürchtet die SVP. Der Gemeinderat teilt diese Sorgen nicht, ergreift aber dennoch zahlreiche Massnahmen.

Hugo Bischof
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Auf dem Friedhof in Kriens sollen Wildtiere die Gräber verunstalten. (Archivbild/ LZ)

Auf dem Friedhof in Kriens sollen Wildtiere die Gräber verunstalten. (Archivbild/ LZ)

«Auf dem Friedhof Anderallmend in Kriens herrschen bei der Totenruhe unzumutbare Verhältnisse.» Das schrieb SVP-Einwohnerrat Alfons Graf in einem Vorstoss. «Gräber werden von Tieren aufgewühlt und die Bepflanzung beschädigt.» Und: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Gebeine von den Verstorbenen zum Vorschein kommen.»

In seiner jetzt vorliegenden Antwort weist der Gemeinderat diese Befürchtungen klar zurück. Er räumt zwar ein, dass Wildtiere auf dem Friedhof «unregelmässig Schäden an Gräbern verursachen». Diese seien aber oberflächlich und würden durch die Friedhofsmitarbeiter behoben, sobald sie davon erfahren. Der Gemeinderat betont weiter: «Wenn Dachse und Füchse in Gräbern graben, suchen sie nicht Gebeine, sondern Schnecken, Würmer und Insekten, die sich oberflächennah aufhalten.» Dass der Friedhof Anderallmend mit seiner Lage direkt am Waldrand sowie seiner vielfältigen Bepflanzung und Gestaltung vielen Wildtieren Lebensraum biete, sei im Übrigen seit langem bekannt.

Fütterungsverbot, Verzicht auf Hornspäne

Der Gemeinderat ist sich aber bewusst, dass «dieses oberflächennahe Graben nach Futter in den Grabanlagen störend ist». Um das Nahrungsangebot für Wildtiere zu reduzieren, hat die Gemeinde deshalb schon vor einiger Zeit Massnahmen ergriffen. So werden etwa die Abfallkörbe bewusst häufig geleert. Auch wird mit Hinweisschildern darauf aufmerksam gemacht, auf das Füttern von Wildtieren zu verzichten. Das hat laut Gemeinderat «insbesondere die Krähenschäden massgeblich reduziert».

Zudem sei mit den externen Gärtnern vereinbart worden, dass diese auf den Einsatz von Hornspänen als Stickstoffdünger auf dem Friedhofsareal verzichten, da diese Dachse und Füchse anziehen. Im kommenden Frühling will die Gemeinde Kriens zudem den gezielten Einsatz von Vergrämungsmitteln prüfen, um Schäden an neu bepflanzten Gräbern zu verhindern. Gängige Tiervergrämungsmassnahmen sind etwa Krähenklatschen oder das Aufstellen von Tafeln, welche natürliche Feinde der störenden Wildtiere vortäuschen.

Jagd auf dem Friedhofsareal verboten

Gemäss SVP ist «die Verunstaltung der Gräber eindeutig durch Dachse verübt worden». Sie will wissen, ob deswegen die Dachspopulation auf dem Friedhof reduziert werde. «Die kantonale Jagdverordnung verbietet die Jagd in Friedhöfen generell», sagt dazu der Gemeinderat. Lediglich für das Einfangen mit Kastenfallen und das Wegführen von Tieren könne beim Kanton gegebenenfalls eine Sonderbewilligung beantragt werden.

Auf eine solche Massnahme werde man aber verzichten. Der Grund dafür: «Die Vertreter der Jagdgesellschaft konnten aufzeigen, dass das Entfernen von Tieren aus dem Friedhofareal die Situation eher verschlechtern als verbessern würde. Dies, weil sich dadurch an den für die Tiere guten Rahmenbedingungen (Rückzugsmöglichkeiten, Nahrungsangebot) nichts ändern würde und rasch andere Tiere aus angrenzenden Territorien einwandern würden, die mit Revierkämpfen zu zusätzlichen Beschädigungen führen könnten.» Stattdessen wird die Bejagung in den angrenzenden Quartieren fortgeführt. Damit soll die Anzahl Wildtiere verringert werden, «die künftig ins Friedhofareal einwandern möchten und dort zu Kampfaktivitäten beitragen könnten».

In den fünf Friedhöfen der Stadt Luzern stellen gemäss Cornel Suter, Leiter der Stadtgärtnerei, Schäden durch Wildtiere keine grosse Problematik dar: «Es kommt ab und zu vor, dass Krähen oder Füchse oberflächliche Schäden an Bepflanzungen anrichten.» Zudem: Gegenwärtig werden noch rund 15 Prozent aller Verstorbenen erdbestattet. Die restlichen 85 Prozent sind Urnen- oder Aschenbestattungen.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch