KRIENS: Vögele verlässt Pilatusmarkt

Das Kleidergeschäft Charles Vögele verlässt den Pilatusmarkt. Der Grund sind zu wenige Kunden. Läuft das Einkaufszentrum schlecht?

Susanne Balli
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Schlechte Kundenfrequenz: Der Vögele-Kleiderladen im Pilatusmarkt macht einem neuen Mieter Platz. (Bild: Boris Bürgisser)

Schlechte Kundenfrequenz: Der Vögele-Kleiderladen im Pilatusmarkt macht einem neuen Mieter Platz. (Bild: Boris Bürgisser)

Im Pilatusmarkt Kriens kommt es immer wieder zu Mieterwechseln. Neustes Beispiel: Das Kleidergeschäft Charles Vögele zieht Ende Monat aus. Der letzte Verkauftag ist am kommenden Samstag. Charles Vögele optimiere sein Filialnetz kontinuierlich, was neben Eröffnungen auch Schliessungen beinhalte, teilt Mediensprecherin Nicole Borel auf Anfrage mit. «Beim betroffenen Standort in Kriens wurde unsere Erwartung in Bezug auf die Kundenfrequenz nicht erfüllt», so Borel. Die Mitarbeiter seien bereits im Mai 2012 über die Schliessung informiert und bei ihrer Stellensuche unterstützt worden.

Es folgt eine Boutique

Laut Centermanager des Pilatusmarkts René Bieri konnte das Einkaufszentrum «mit Metro Boutique ein erfolgreiches und sehr gut etabliertes Schweizer Fashionunternehmen für die im März von Charles Vögele frei werdende Fläche auf 862 Quadratmetern verpflichten». Eröffnung sei am 1. Mai.

Vögele ist nicht das einzige Geschäft, das seine Pforten im Pilatusmarkt schliesst. Ende Februar zog sich auch Digital Foto Express zurück. «Der Nachfolgemieter hat unter dem Label Lux-Mobile ein interessantes Konzept entwickelt, das der heutigen Zeit entspricht und unseren Angebotsmix ideal ergänzt», sagt Bieri. Das Geschäft verkauft Zubehör für Handys.

Events und Ausstellungen

Dennoch: Kauft man unter der Woche im Pilatusmarkt ein, entsteht nicht selten der Eindruck, dass Kunden rar sind und das Einkaufszentrum nur am Wochenende richtig läuft. René Bieri sagt dazu: «Die Besucherfrequenzen im Pilatusmarkt sind in der Tat gegen das Wochenende hin am höchsten. Erfreulicherweise haben wir jedoch auch an anderen Tagen wie beispielsweise Mittwochnachmittag oder Freitagabend permanent hohe Frequenzen.»

Um auch die anderen Tage zu beleben, setzt der Pilatusmarkt auf diverse Events wie zum Beispiel das Lottospiel am Dienstag.

Zum Mieterwechsel meint Bieri: «Es ist nichts Aussergewöhnliches, dass bei 44 Mietern, aus welchen Gründen auch immer, ein Mieterwechsel stattfindet und der Mietermix dadurch an Attraktivität gewinnt.» Seit dem siebenjährigen Bestehen des Pilatusmarkts sei der Mietermix laufend überprüft und den Kundenbedürfnissen angepasst worden.

Wie hoch der Umsatz des Pilatusmarkts ist, sagt Bieri nicht. Nur so viel: «Der Pilatusmarkt konnte trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen den Umsatz gegenüber dem Vorjahr leicht steigern.»

Tatsache ist: Einkaufszentren befinden sich heute in einem rauen Umfeld: Der Detailhandel hat 2011 1,9 Prozent und 2012 nochmals 0.7 Prozent eingebüsst. Dies unter anderem wegen des zunehmenden Onlinehandels. «Nebst dem Onlinehandel sieht sich der Detailhandel auch mit den Einkäufen im Ausland und der starken Preiserosion im Foodbereich konfrontiert.»

Öffnungszeiten als Nachteil

Einen Nachteil sieht Bieri auch in den Ladenöffnungszeiten im Kanton Luzern. «Insbesondere bei den frequenzstarken Samstagen kann heute davon ausgegangen werden, dass mit der Schliessung um 16 Uhr zirka drei bis fünf Prozent der Kunden in die Nachbarkantone zum Einkaufen gehen», sagt der Centermanager.

Wie bewerten die Mieter die Situation im Pilatusmarkt? Coop als Hauptmieter ist zufrieden mit dem Standort, wie Mediensprecherin Mirjam Arnold auf Anfrage mitteilt. «Wir stellen eine sehr gute Entwicklung fest.» Zu den einzelnen Standorten gebe Coop im Bezug auf den Umsatz keine Zahlen bekannt. Mit der Kundenfrequenz im Pilatusmarkt ist Coop laut Arnold ebenfalls zufrieden.

Was aber bedeutet es für ein Einkaufszentrum, wenn ein Mieter einer grossen Verkaufsfläche auszieht? «Das kann sowohl eine Gefahr wie auch eine Chance für das Einkaufszentrum sein», sagt Markus Schmidiger. Er ist Professor an der Hochschule Luzern, wo er zum Thema Immobilienmanagement lehrt und forscht. «Ein Mieterwechsel muss nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein. Wenn Frequenz und Lage stimmen, gibt es immer Nachmieter», sagt er. Wichtig sei, dass ein Einkaufszentrum über einige Magnetmieter verfüge, die sehr viele Kunden anlocken, von denen auch kleinere Läden profitieren können. «Und Charles Vögele ist aufgrund interner Probleme zurzeit nicht der stärkste Magnetmieter», so Schmidiger.

Viele Faktoren massgebend

Ob ein Einkaufszentrum erfolgreich sei, hänge von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Mietermix von Läden, Restaurants und ergänzenden Dienstleistungen, der verkehrstechnischen Erschliessung und dem Ambiente.

Das Potenzial eines Pilatusmarkts schätzt Schmidiger langfristig durchaus als positiv ein, zumal sich das Gebiet Luzern Süd in den nächsten Jahren stark entwickle.