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KRIENS: Was die Randale der jungen Asylbewerber mit 3 Franken zu tun haben

Im Durchgangszentrum Grosshof haben in der Nacht auf Samstag erneut jugendliche Asylbewerber randaliert. Silvia Bolliger, Leiterin des kantonalen Asyl- und Flüchtlingswesens, sagt jetzt, wie sie wieder für Ruhe sorgen will.
Lena Berger
Eröffnung des Asylzentrum Grosshof Fotografiert am 24. November 2017 in Kriens ( Nadia Schärli / Luzernerzeitung ) (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 24. November 2017))

Eröffnung des Asylzentrum Grosshof Fotografiert am 24. November 2017 in Kriens ( Nadia Schärli / Luzernerzeitung ) (Bild: Nadia Schärli (Kriens, 24. November 2017))

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Güselsäcke flogen durch die Luft, Bänke und Tische wurden umgeschmissen, eine Scheibe ging zu Bruch, die Polizeikräfte wurden mit Steinen beworfen: Im Asylzentrum Grosshof ist es am Freitagabend zu Ausschreitungen gekommen. Dies, nachdem rund 20 jugendliche Asylsuchende bereits in der Nacht auf Freitag randaliert hatten.

Was ist da los? Eigentlich sollten die Rädelsführer, die bereits am Vortag für Unruhe sorgten, am Samstagabend in andere Zentren gebracht werden. «Das ist das übliche Vorgehen, wenn es zu solchen Zwischenfällen kommt», erklärt Silvia Bolliger, die Leiterin des kantonalen Asyl- und Flüchtlingswesens. «Durch diese Time-outs soll die Situation entschärft werden. Einerseits wird den Jugendlichen damit eine Grenze aufgezeigt, und andererseits wird die negative Gruppendynamik durchbrochen.»

Jugendliche konnten sich kaum konzentrieren

Den Einsatzkräften gelang es am Freitagabend erst nach gut zwei Stunden, die Situation zu beruhigen. Dabei musste sogar Pfefferspray eingesetzt werden. Wie die Luzerner Polizei mitteilte, wurden drei Asylsuchende vorübergehend in Gewahrsam genommen. Gemäss Silvia Bolliger befinden sich die drei inzwischen in anderen Asylzentren. Zwei weitere wurden noch am Freitagabend an einem anderen Ort untergebracht.

Dass die Polizei gleich zweimal hintereinander in den Grosshof ausrücken musste, ist ungewöhnlich. Der Grund für den Ärger der Jugendlichen ist, dass ihnen seit Anfang Jahr weniger Geld zur Verfügung steht.

Frage an Silvia Bolliger: Was ist die Über­legung dahinter, den Asylsuchenden unter 16 Jahren nur noch 3 Franken pro Tag zu geben? «Grundsätzlich steht allen Sozialhilfe in der Höhe von 11 Franken pro Tag zur Verfügung. Wenn ihnen aber Naturalien – also Mahlzeiten – zur Verfügung gestellt werden, wird der Betrag entsprechend gekürzt.» Für die Jugendlichen unter 16 Jahren wird nun an sieben Tagen die Woche dreimal täglich gekocht. «Sie sind also rundum versorgt, mit Unterkunft, Essen, Abonnementen und Bildungsangeboten. Entsprechend sind die drei Franken pro Tag reines Sackgeld.» Die rund 90 Franken pro Monat liegen übrigens 10 Franken über dem Maximalwert, den Pro Juventute Schweiz als Sackgeld für Jugendliche ab dem 11. Schuljahr empfiehlt.

Jenen Jugendlichen, die vom Asylzentrum Sonnenhof in den Grosshof gezogen sind, standen bis anhin allerdings die vollen 11 Franken zur Verfügung – dafür mussten sie sich selber verpflegen. «Diese Jugendlichen haben das Gefühl, wir würden ihnen etwas wegnehmen», sagt Silvia Bolliger. Der Grund, weshalb man entschieden habe, nun dreimal täglich Mahlzeiten zur Verfügung zu stellen, sei ein gesundheitlicher. «Eine gute Ernährung ist für die Entwicklung der Jugendlichen sehr wichtig. Wir haben von den Schulen mehrfach die Rückmeldung bekommen, dass die Jugendlichen unkonzentriert waren, weil sie Hunger hatten. Das kann es nicht sein», findet Bolliger. Wenn der Kanton Bildungsangebote zur Verfügung stelle, wolle man auch, dass diese optimal genutzt werden können. «Wir wollen sicherstellen, dass das Geld der Sozialhilfe für den Lebensunterhalt eingesetzt wird, wofür es ja auch gedacht ist.»

Die Vorfälle werden für die Jugendlichen nun Konsequenzen haben. «Die entsprechenden Gespräche werden nächste Woche geführt. Voraussichtlich werden die Betroffenen Arbeitseinsätze leisten müssen. Zwar sei auch eine Streichung der Tagespauschalen möglich. Bei so kleinen Beträgen sei das aber pädagogisch möglicherweise nicht sinnvoll. Ob der Kanton Strafanzeige gegen die Asylsuchenden stellen wird, lässt Bolliger noch offen. Klar ist: Gewalt und Drohungen gegen Behörden – in diesem Fall die Polizisten – ist ein Offizial­delikt, das von Amtes wegen verfolgt werden muss.

Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, im Asylzentrum Hirschpark in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser (27. März 2017))

Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen, im Asylzentrum Hirschpark in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser (27. März 2017))

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