KRIENS: Wein vom Sonnenberg: Jetzt gehts los

6500 Rebstöcke werden in diesen Tagen gepflanzt. Auf den Lohn für die schweisstreibende Arbeit müssen die Weinliebhaber warten.

Yves Portmann
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Bei prächtigem Wetter sind gestern die ersten Reben gepflanzt worden. (Bild Pius Amrein)

Bei prächtigem Wetter sind gestern die ersten Reben gepflanzt worden. (Bild Pius Amrein)

Bei herrlichem Sonnenschein krampften gestern über 20 Männer und Frauen am Unterhushang in Kriens. Und dies bestens gelaunt. Der Grund dafür ist schnell erklärt: «Heute ist ein historischer Tag – ein absoluter Freudentag. Die Weinreben, die wir heute pflanzen, werden die Krienser Weinfreunde auch noch nach Jahrzehnten erfreuen», sagt Josef Fellmann. Der 64-jährige Pensionär ist Vorstandsmitglied der Rebbaugenossenschaft Sonnenberg und pflanzt mit den Krienser Rebbaubegeisterten in den nächsten Tagen 6500 Reben am Fusse des Sonnenbergs an.

17 000 Quadratmeter Anbaufläche

Der Unterhushang, eingebetet zwischen Amlehnhalde, Mittlerhusweg und Obere Dattenbergstrasse, ist momentan keine Augenweide und gleicht einer Grossbaustelle: Die Erde ist aufgebrochen und – ähnlich einem Inka-Tempel – in grobe Stufen unterteilt. «Der Hang ist sehr steil, und ohne Terrassen wäre die Gefahr einer Erosion gross», erklärt Fellmann. Auf den über 45 Terrassen werden nun die Reben in regelmässigen Abständen von 90 Zentimeter eingepflanzt – auf einer Länge von 6,5 Kilometern. Unzählige Stangen zeigen auf einer Fläche von 17 000 Quadratmetern an, wo die Trauben wachsen werden.

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«Wir gehen vor jeder Rebe in die Knie», scherzt Fredy Tresch aus Obernau beim Pflanzen der Reben. So wisse man am Abend zumindest, was man tagsüber geleistet habe. Mit grosser Freude bei der schweisstreibenden Arbeit dabei ist auch Genossenschafter Alois Reinhard. «Ich habe gerne Wein und bin überzeugt, dass der eigene besonders gut schmecken wird», sagt der Krienser.

«Perfekte Steil- und Südlage»

Toni Ottiger ist Winzer in Kastanienbaum und wird auch den Krienser Rebberg fachlich führen. «Die Lage hier ist für den Weinanbau perfekt. Der Hang ist steil und weist eine ideale Südlage mit optimaler Besonnung auf.» Der Experte steht selbst auf einer Terrasse und schaufelt Löcher für die Reben. «Es handelt sich um gepfropfte Reben, die zum Schutz mit einer Paraffinschicht überzogen sind», erklärt der Winzer. Diese werde schliesslich durch das Wachstum der Rebe abgestossen. Die Reben seien eine Kreuzung aus amerikanischen und europäischen Reben, die gegen die Reblaus und Pilzbefall besonders widerstandsfähig sind. «Die hohe Resistenz ist sehr wichtig, da wir Bio-Wein produzieren. Für den Weisswein bauen wir Johanniter-Trauben und für den Rotwein Cabernet-Jura Trauben an.» Die Johanniter-Trauben würden am oberen Teil des Hanges gepflanzt da diese anspruchsvoller als die Cabernet-Jura Trauben seien.

2017 gibts erstmals Wein

«Nicht nur der Wein wird das Bio-Label tragen – wir werten auch die restliche Landflächen auf und schaffen eine grüne Oase mit einem Lehrpfad», sagt Fellmann. Zudem werde die Artenvielfalt gefördert: Bisher seien über 350 Sträucher gepflanzt worden, und rund um die Rebstöcke würden schon bald 9 verschiedene Gräser und 35 unterschiedliche Kräuter wachsen.

Ottiger ist mit dem Fortschreiten der Arbeiten zufrieden und schaut optimistisch in die Zukunft: «Im Herbst 2016 werden wir erstmals ernten und den Wein im Sommer 2017 verkaufen.» Der Winzer rechnet mit 12 000 bis 15 000 Flaschen Krienser-Wein. Einen Namen hat der Wein übrigens noch nicht.

Pachtvertrag bis 2047

Die von Patrick Koch geführte Rebbaugenossenschaft steht mit ihren 350 Mitgliedern finanziell auf solider Basis. Von den benötigten 500 000 Franken sind gemäss Fellmann bereits rund 400 000 Franken zusammengekommen. Die Genossenschaft hat das Land von der Gemeinde Kriens gepachtet – sicher bis ins Jahr 2047. Diese hat das Grundstück 1996 von Martha Wenger als Schenkung erhalten. Die Auflage war es, das Land im traditionellen Sinne landwirtschaftlich zu nutzen. Der Willensvollstrecker war deshalb gegen die Nutzung als Weinberg. Vor Gericht konnte eine Einigung erzielt werden. Die Ebene unter dem Weinberg wird weiter traditionell-landwirtschaftlich genutzt.

Weitere Infos: www.weingut-sonnenberg.ch