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KRIENS: «Wenn es Probleme gibt, fliegen die Leute raus»

Ein einziges Mal habe der umstrittene Imam I. A.* in der Dar-Assalam-Moschee gepredigt, sagen die Vereinsverantwortlichen. Der Vermieter der Liegenschaft findet derweil deutliche Worte.
Thomas Heer
Die oberste Etage an der Motelstrasse 1 in Kriens dient dem Verein Dar Assalam als Moschee. Dass der umstrittene Imam I. A. hier mehrfach predigte, sei nicht der Fall gewesen, so die Verantwortlichen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die oberste Etage an der Motelstrasse 1 in Kriens dient dem Verein Dar Assalam als Moschee. Dass der umstrittene Imam I. A. hier mehrfach predigte, sei nicht der Fall gewesen, so die Verantwortlichen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Präsident des Dar-Assalam-Vereins DAV, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, setzt sich an den Holztisch im Eingangsbereich der Moschee. Sie befindet sich auf der zweiten Etage eines Industriegebäudes an der Krienser Motelstrasse. Er schaut dem Besucher direkt in die Augen und erklärt: «Mehr als wir in der schriftlichen Stellungnahme mitteilen, werde ich Ihnen nicht sagen.» Der Mann, zirka 1,85 Meter gross und von kräftiger Statur, erhebt sich. Er verschwindet in einen Nebenraum, wo er das Dokument ausdruckt. Der Präsident, der seinen Lebensunterhalt nach eigenen Angaben als Projektmanager verdient, kehrt zurück und überreicht dem Gast zwei A4-Seiten mit der Überschrift «Stellungnahme».

Seit 2013 die gleichen vier Imame

Von Interesse ist jener Abschnitt, der sich auf einen Beitrag der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens bezieht. Im Dokument heisst es: «Der im Bericht ‹Angeklagter Imam predigt ungehindert in Schweizer Moschee› genannte Prediger hielt ein einziges Mal – im Jahr 2010 – eine Predigt im Dar-Assalam-Verein.»

Anfang Dezember ging in Bezug auf I. A., der von der Bundesanwaltschaft unter anderem beschuldigt wird, extreme salafistische Reden verfasst und gehalten zu haben, folgende Aussage über den SRF-Sender: «Aktuell predigt er nach eigenen Angaben weiterhin in Kriens und ist in einer Moschee in St. Gallen als Imam tätig.» Dies wird in der Krienser Moschee bestritten. In der schriftlichen Erklärung ist zudem weiter zu lesen: «Seit dem Jahr 2013 halten in der Dar-Assalam-Moschee abwechslungsweise die gleichen vier Imame das wöchentliche Gebet.» I. A. gehört, wie erwähnt, offensichtlich nicht dazu, dafür aber der im Zusammenhang mit der Dar-Assalam-Moschee in den Medien mehrfach erwähnte Mohammed el Ghami.

Verschleierte Frauen nicht geduldet

Im Bericht wird weiter festgehalten, die Imame seien den Behörden namentlich bekannt. Im Übrigen distanziert sich der DAV von «jeglicher Form von Diskriminierung, Rassismus und religiöser Intoleranz». Es gelte der Grundsatz von Respekt gegenüber allen Menschen. Wie hoch ist der Wahrheitsgehalt dieser Stellungnahme einzuschätzen? Es darf davon ausgegangen werden, dass der DAV kein Interesse daran hat, dass in seiner Moschee radikale Prediger auftreten. Das hat auch mit dem Vermieter zu tun, Hansruedi Kollmar. Der Elektroingenieur stellt dem Verein die oberste Etage zur Verfügung. Dies zu einem Mietpreis, der deutlich unter dem Marktwert liege, wie Kollmar betont. Er sagt: «Die Leute wissen, wenn es Probleme gibt, fliegen sie raus.» Kollmar duldet in seiner Liegenschaft keine verschleierten Frauen. Seine Einstellung wird in einer Episode deutlich, die ein paar Jahre zurückliegt. Damals wollte der umstrittene deutsche Imam, Pierre Vogel, das Gebäude betreten. Kollmar sagt: «Ich hab ihn weggewiesen.» Stichwort Vogel: Wegen ihm geriet der DAV 2009 in die Schlagzeilen. Dieser trat nämlich in einer Krienser Turnhalle vor rund 200 Personen auf. Dazu sagt der Präsident heute: «Das stimmt. Pierre Vogel wurde aber von einem jungen Mann aus Triengen eingeladen, und zwar ohne dass der Vorstand davon in Kenntnis gesetzt wurde.»

Zurück zum Prediger I. A. und der Frage, ob es trotz der Äusserungen des DAV möglich ist, dass er, wie gegenüber «10 vor 10» geäussert, regelmässig in der Krienser Moschee predigt? Vollständig auszuschliessen ist das nicht. Im Zusammenhang mit dem Islamischen Kulturverein «An-Nur» in Winterthur schrieb die «Weltwoche» im November etwa: «Im kleinen Kreis hingegen und in den sogenannten Sunna-Lektionen, in denen die angeblichen Aussprüche des Propheten Mohammed gelehrt und in radikaler Weise interpretiert werden, lassen die Prediger ihrem Hass auf die ‹Kuffa›, die Ungläubigen, freien Lauf.»

In der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft wird dem in Hergiswil NW wohnhaften 34-jährigen I. A. etwa vorgeworfen, eine kriminelle Organisation wissentlich und willentlich unterstützt zu haben. Der Iraker soll, wie die NZZ schrieb, 2014 für den IS Funkgeräte ins nordsyrische Aleppo geschmuggelt haben. Was ist davon zu halten? Die Frage richtet sich an den Anwalt des Beschuldigten, Daniel Schütz. «Das stimmt nicht. Der Vorwurf basiert auf Vermutungen», teilt er mit. Schütz ist zuversichtlich, dass er aufgrund von Behördendaten aus jener Zeit das Gegenteil beweisen kann.

Reden haben «politischen Charakter»

Was hält Schütz von der Beschuldigung, sein Klient sei ein radikaler Prediger? «Mein Klient bestreitet nicht, in diversen Moscheen jeweils nach dem Freitagsgebet Reden gehalten zu haben. Diese Reden haben jedoch in keiner Art und Weise einen extremistischen Hintergrund.» Gemäss Schütz liegen in diesem Zusammenhang auch keine Tonband- oder Videoaufnahmen vor, auch seien keine Zeugen einvernommen worden. Schütz sagt, die Reden seines Mandanten hätten durchaus auch einen politischen Charakter. Vor allem sei I. A. kein Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar el Assad.

* Name der Redaktion bekannt

Auch er trat schon mal in Kriens auf: Pierre Vogel, einer der umstrittensten Prediger der deutschen Salafismusszene. Keystone/Ingo Wagner (Bild: Keystone/Ingo Wagner)

Auch er trat schon mal in Kriens auf: Pierre Vogel, einer der umstrittensten Prediger der deutschen Salafismusszene. Keystone/Ingo Wagner (Bild: Keystone/Ingo Wagner)

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