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KRIENS: Wie gehts beim Verkehr weiter?

Matthias Senn (FDP) will Gemeindepräsident werden. Im Interview äussert er sich zu den grossen Themen, die Kriens zurzeit bewegen.
Interview Robert Knobel und Dominik Weingartner
Matthias Senn im Gemeinderatssaal in Kriens: «Beim Bypass beweisen wir durchaus Selbstbewusstsein.» (Bild Dominik Wunderli)

Matthias Senn im Gemeinderatssaal in Kriens: «Beim Bypass beweisen wir durchaus Selbstbewusstsein.» (Bild Dominik Wunderli)

Interview Robert Knobel und Dominik Weingartner

Matthias Senn, noch im April wollten Sie nicht Gemeindepräsident werden. Jetzt sind Sie doch Kandidat.

Matthias Senn*:Ich kam zum Schluss, dass ich nach sieben Jahren im Baudepartement gerne nochmals eine neue Aufgabe übernehme. Ich bringe gute Voraussetzungen mit, bin in Kriens gut vernetzt und nehme gerne auch repräsentative Aufgaben wahr. Zudem darf ich auf eine starke Unterstützung durch meine Familie zählen. Meine Frau begleitet mich heute schon regelmässig an offizielle Anlässe.

Es war wohl auch Ihre Partei, die FDP, die Sie dazu brachte zu kandidieren – um einen grünen Gemeindepräsidenten (Cyrill Wiget) zu verhindern.

Senn:Es gab auch viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Viele fanden, es brauche beim Gemeindepräsidium eine Auswahl. So bin ich nach Paul Winikers Wahl in die Regierung mit mir selber in Klausur gegangen und habe mich danach entschieden zu kandidieren.

Als Gemeindepräsident wären Sie auch für die Wirtschaftsförderung zuständig. In Kriens steht diese immer wieder in der Kritik. Wie kann die Krienser Wirtschaft gefördert werden?

Senn:Heute hat die Krienser Wirtschaftsförderung ein Ressourcenproblem. Es gibt keine Stellenprozente, die speziell dafür vorgesehen sind. Das wird sich aber mit der Departementsreform ändern. Die Wirtschaftsförderung ist dann die Aufgabe des Gemeindepräsidenten. Wichtig ist die Bestandespflege; die gilt es auszubauen. Der Gemeinderat muss den Kontakt zu den bestehenden Firmen pflegen und ihnen zuhören, wo der Schuh drückt.

Und was ist mit neuen Firmen?

Senn:Da sind wir auch auf die Unterstützung der kantonalen Wirtschaftsförderung und des Gemeindeverbands Luzern Plus angewiesen. Diese Zusammenarbeit hat sich bewährt.

Glauben Sie wirklich, dass die kantonale Wirtschaftsförderung die Krienser Interessen speziell berücksichtigt?

Senn:Sobald wir Kenntnis davon haben, dass eine Firma am Kanton Luzern interessiert ist und ein Standort in Kriens in Frage kommt, schalten wir uns ein. Das geschieht idealerweise möglichst früh – und ist jeweils Chefsache. Die Firmen wollen bei Verhandlungen einen Gemeinderat oder -präsidenten am Tisch haben. Exemplarisch läuft dies im Fall Mattenhof. Wenn eine Firma Interesse bekundet, wird eine Sitzung mit der Mobimo, der Gemeinde Kriens und der Stiftung Wirtschaftsförderung anberaumt.

Wie gehts denn im Mattenhof weiter?

Senn:Als Nächstes steht die Baubewilligung für das 45-Meter-Hochhaus auf dem Sternmatt-Areal kurz bevor. Es ist auch schon ein Ankermieter in Sicht.

Ihr Baudepartement hat turbulente Zeiten hinter sich. Einerseits der Bauboom, andererseits sorgte das Gerichtsurteil zu den illegalen Hochwald-Hütten für Wirbel. Weshalb brauchte die Gemeinde so lange, bis sie im Fall Hochwald aktiv wurde?

Senn:Der Fall Hochwald hat uns enorm viel zusätzliche Arbeit beschert. Wir mussten zuerst einen Kataster erstellen, um herauszufinden, welche Hütten legal erstellt waren und welche nicht. Anfänglich konnte sich nur ein einziger Baupolizist darum kümmern – neben der normalen täglichen Arbeit, die ja weiterging. Inzwischen haben wir einen zweiten Baupolizisten angestellt. Wir mussten also Personal ausbauen. Das Ziel ist, die Dossiers bis Ende Jahr abgeschlossen zu haben.

Ein Dauerthema in Kriens ist der Verkehr. Hier hat sich bisher wenig getan – die Strassen bleiben verstopft, und die ÖV-Anbindung ist nicht optimal.

Senn: Ich bin zuversichtlich, dass wir mit den jetzt aufgegleisten Projekten eine Entlastung erreichen. So etwa mit den Dosierungs- und Busbevorzugungsprojekten zwischen Zentrum und Obernau. Die geplante VBL-Linie 3 nach Emmenbrücke wird zudem einen Quantensprung darstellen. Und in Obernau werden keine weiteren Baugebiete mehr eingezont, um die vorhandene Strassenkapazität nicht noch mehr zu belasten.

Das sind bestenfalls Optimierungen, aber nicht der Befreiungsschlag, den Kriens in Sachen Verkehr bräuchte ...

Senn: Klar, als langfristige Visionen gibt es nach wie vor den Umfahrungstunnel und ausgefallene Verkehrsprojekte wie Seil- oder Schwebebahnen. Das ist auf absehbare Zeit nicht realistisch. Chancen und Risiken sollten aber meiner Meinung nach im Rahmen des Gesamtverkehrskonzepts analysiert werden.

Kriens als drittgrösste Luzerner Gemeinde könnte doch beim Kanton viel selbstbewusster auftreten, um die Verkehrsprobleme zu lösen?

Senn:Wir beweisen durchaus Selbstbewusstsein, zum Beispiel beim Bypass. Da sagen wir klar, was wir wollen – eine Überdachung der neuen Autobahnbrücke sowie eine Einhausung der Autobahn zwischen Grosshof und Tunnel Schlund. Da haben wir auch bereits etwas erreicht, wenn auch noch nicht das Maximum. Immerhin besteht nun die Chance, dass der Bypass zu einem Eingangstor für Kriens wird und nicht zu einem Schandfleck.

Es brauchte erst den Druck des Parlaments, damit der Krienser Gemeinderat in Sachen Bypass Farbe bekennt.

Senn:Der Gemeinderat hat gegenüber Bund und Kanton schon immer klare Forderungen gestellt. Aber das spielte sich halt nicht unbedingt in der Öffentlichkeit ab, sondern etwa in Arbeitsgruppen.

Wird der Bypass Kriens einen konkreten Nutzen bringen?

Senn:Der Bypass nützt der ganzen Region Luzern, und Kriens ist Teil der Region. Heute leiden wir unter Schleichverkehr, sobald es auf der Autobahn ein Problem gibt. Dieser würde mit einem zweiten, unabhängigen Autobahnsystem entfallen. Im Alltag wären die Auswirkungen des Bypasses aber wohl eher klein.

Kriens arbeitet an einem Gesamtverkehrskonzept. Wie wird es aussehen?

Senn:Es geht um Fragen rund um vorhandene und künftige Verkehrskapazitäten und darum, mit welchen Verkehrsmitteln man ein Wachstum abfedern will. Zentral ist auch die Parkplatzpolitik. Bisher ist es so, dass für neue Überbauungen eine Mindestanzahl Parkplätze vorgeschrieben ist. Man kann sich aber fragen, ob das überall sinnvoll ist. In Luzern Süd werden bereits heute bei neuen Überbauungen weniger Parkplätze als üblich erstellt.

Als Gemeindepräsident würden Sie der Gemeinde mit der höchsten Sozialhilfequote im Kanton vorstehen. Ihr Rezept, um die Quote zu senken?

Senn:Den Hebel ansetzen muss man bei der Durchmischung. Die Aufenthaltsqualität in den einzelnen Quartieren muss erhöht werden. Das hilft gegen die Ghettoisierung und letztlich auch gegen eine hohe Sozialhilfequote. Projekte wie die Zentrumsüberbauung, die Freizeitanlage Langmatt oder die Investitionen in Schulhäuser spielen da eine wichtige Rolle.

Der Krienser Gemeindepräsident soll künftig zu einer Art «Aussenminister» werden. Welche Schwerpunkte würden Sie als Aussenminister setzen?

Senn:Das Projekt K 5 mit den fünf grossen Luzerner Agglomerationsgemeinden geht in die richtige Richtung. Man versucht, Aufgaben gemeinsam zu bewältigen und Probleme gemeinsam zu lösen. Insbesondere in den Bereichen Verkehr, Raumplanung und Wirtschaftsförderung.

Wird eine Fusion wieder zum Thema?

Senn: In den nächsten Jahren sicher nicht. Die Initiative müsste auf jeden Fall vom kleineren Partner ausgehen und nicht von Stadt oder Kanton verordnet werden. Doch in Kriens steht zurzeit die Kooperation im Vordergrund.

Für Paul Winiker war das Gemeindepräsidium das Sprungbrett in den Regierungsrat. Eine Option auch für Sie?

Senn: Aus heutiger Sicht ist das Gemeindepräsidium mein Endziel. Daneben würde ich aber gerne im Kantonsrat politisieren. Ich bin aktuell auf dem ersten Ersatzplatz für die FDP. Paul Winiker war ebenfalls Kantonsrat und konnte die Gemeinde so mit wertvollen Infos versorgen.

Für Aussenstehende ist Kriens schwer fassbar. Gibt es einen Ort, der für Sie Kriens besonders gut charakterisiert?

Senn: Ja, die Dachterrasse der Sonnenberg-Bahn. Dort sieht man, wie schön Kriens gelegen ist. Die Sonnenberg-Bahn ist auch Ausdruck des Willens, etwas typisch Krienserisches zu erhalten – trotz des grossen damit verbundenen Aufwands.

HINWEIS

* Matthias Senn (54, FDP) ist seit 2008 Gemeindeammann und Vorsteher des Baudepartements Kriens. Zuvor war er zwölf Jahre lang im Einwohnerrat. Senn ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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