KRIENS: Wie viele Parkplätze dürfen gebaut werden?

Am 12. Februar kommt das Krienser Parkplatzreglement an die Urne. Der Gemeinderat will damit den Verkehrskollaps verhindern. Die Gegner sehen jedoch den Wirtschaftsstandort Kriens in Gefahr.

Robert Knobel
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Am 12. Februar stimmt das Stimmvolk über das Krienser Parkplatzreglement ab. Im Bild: Parkplätze beim Mooshüsli in Emmen. (Bild: Manuela Jans)

Am 12. Februar stimmt das Stimmvolk über das Krienser Parkplatzreglement ab. Im Bild: Parkplätze beim Mooshüsli in Emmen. (Bild: Manuela Jans)

Was ist überhaupt ein Parkplatzreglement?

Es ist in erster Linie ein Instrument für Bauherren. Dieses regelt, wie viele Parkplätze beim Bau eines Gebäudes erstellt werden müssen oder dürfen. Die Zahl variiert je nach Nutzungsart. Im aktuellen Krienser Parkplatzreglement ist beispielsweise festgelegt, dass beim Bau eines Einfamilienhauses mindestens zwei Parkplätze erstellt werden müssen. Bei Mehrfamilienhäusern sowie bei Gewerbebetrieben richtet sich die Parkplatzzahl nach der Grösse der Wohn- und Nutzfläche. Kriens orientiert sich dabei wie die meisten anderen Gemeinden an den Normen des Verbands für Forschung und Normierung im Strassen- und Verkehrswesen (VSS).

Was soll in Kriens geändert werden?

Im bisherigen Reglement hängt die Parkplatzzahl einzig von der Nutzungsart und der Nutzfläche ab. Neu soll ein weiteres Kriterium hinzukommen: die Lage. Der Grundgedanke dahinter ist, dass es dort, wo der öffentliche Verkehr gut ausgebaut ist, weniger Parkplätze braucht als in Randlagen, wo die meisten Leute per Auto unterwegs sind. Deshalb wurde die Gemeinde in fünf Zonen eingeteilt. Die Kernzone bildet das Gebiet rund um den Bahnhof Mattenhof. Dort dürfen die Parkplatznormen nur noch zu 20 bis 40 Prozent ausgeschöpft werden. Im alten Krienser Zentrum wären es zwischen 20 und 80 Prozent. Und in den Rand­lagen, etwa am Sonnenberg, wären künftig 40 bis 100 Prozent der bisherigen Normen möglich.

Welche Auswirkungen hat das neue Reglement konkret?

Mit Ausnahme der Randzone 5 dürften künftig überall weniger Parkplätze erstellt werden als nach bisherigem Reglement. Im Gegenzug erhalten Bauherren aber mehr Flexibilität: Heute müssen sie die geforderte Parkplatzzahl exakt erfüllen. Das ist auch mit Kosten verbunden. Künftig können sie innerhalb des oben erwähnten Spektrums frei wählen. Wer beispielsweise ein Wohnhaus am Sonnenberg baut, kann also die volle Parkplatzzahl ausschöpfen – oder auch nur 40 Prozent davon.

Was wird mit der Änderung bezweckt?

Der Gemeinderat erhofft sich, durch die Anpassung des Parkplatzreglements das Verkehrswachstum in den Griff zu bekommen. Wo es weniger Parkplätze gibt, kommen auch weniger Autos, so der Gedanke dahinter. Damit will man insbesondere einen drohenden Verkehrskollaps im Gebiet Luzern Süd verhindern. Das Boom-Quartier ist denn auch am stärksten von der Parkplatzreduktion betroffen.

Müssen bei einer Annahme des Reglements auch bestehende Parkplätze abgebaut werden?

Nein, das Reglement gilt nur für Neu- und Umbauten.

Wer ist für das Reglement, wer ist dagegen?

Alle Parteien ausser der SVP haben dem neuen Reglement im Einwohnerrat zugestimmt. Die SVP hat daraufhin das Referendum ergriffen – und erhält nun Unterstützung von der Krienser FDP. Anders als die Fraktion im Einwohnerrat lehnt die FDP-Ortspartei das Reglement ab.

Was sind die Argumente der Gegner?

Die Gegner befürchten, dass die Bauherren mit dem neuen Reglement zu stark eingeschränkt werden. Insbesondere fürs Krienser Gewerbe sei die Vorlage schädlich. Wenn beispielsweise ein Handwerkerbetrieb ausbauen will und die Zahl der Parkplätze nicht erhöhen darf, dann könnte der Betrieb aus der Gemeinde wegziehen, so die Befürchtung. Die Gegner stellen auch die Rechnung «weniger Parkplätze gleich weniger Verkehr» in Frage. Nicht jeder Parkplatz generiere gleich viel Verkehr.

Wie regeln andere Gemeinden den Bau von Parkplätzen?

In der Stadt Luzern gilt das Zonenprinzip bereits seit langem. So darf ein Bauherr in der Innenstadt weniger Parkplätze bauen als in den Aussenquartieren. Der regionale Gemeindeverband Luzern Plus hat ein Musterreglement ausgearbeitet, das sich an demjenigen der Stadt orientiert. Ziel ist es, die Praxis in der ganzen Agglomeration Luzern zu vereinheitlichen. Kriens wäre nun die erste Gemeinde neben der Stadt, welche dieses Ziel umsetzt. Auch in Horw waren die Planungen weit fortgeschritten. Doch das neue Parkplatzreglement scheiterte im vergangenen Sommer im Einwohnerrat.

Robert Knobel

 

robert.knobel@luzernerzeitung.ch