KRIENS: Wiget für FDP «nicht wählbar»

Auf bürgerlicher Seite regt sich Widerstand gegen die Kandidatur des Grünen Cyrill Wiget für das Gemeindepräsidium. Von Seiten der SVP kommen derweil illustre Namen ins Spiel.

Dominik Weingartner
Drucken
Teilen
Der Grüne Krienser Gemeinderat Cyrill Wiget ist «bereit für eine neue Herausforderung». (Archivbild Pius Amrein)

Der Grüne Krienser Gemeinderat Cyrill Wiget ist «bereit für eine neue Herausforderung». (Archivbild Pius Amrein)

Einen Tag nach der Wahl des Krienser Gemeindepräsidenten Paul Winiker (SVP) in den Luzerner Regierungsrat gab Cyrill Wiget (Grüne) seine Kandidatur für dessen Nachfolge bekannt (Ausgabe vom 12. Mai). Bislang ist der Vorsteher des Departements Umwelt, Sicherheit und Sport der einzige der bisherigen Gemeinderäte, der sich klar zu einer Kandidatur bekannt hat.

Die beiden verbleibenden bürgerlichen Gemeinderäte, Gemeindeammann Matthias Senn (FDP) und Sozialvorsteher Lothar Sidler (CVP), haben bereits abgewunken. Zwar hat auch die einzige Frau im Gemeinderat, die Bildungs- und Kulturvorsteherin Judith Luthiger-Senn (SP), Interesse angemeldet, sie hat sich aber noch nicht definitiv für eine Kandidatur entschieden. Es ist also durchaus möglich, dass Cyrill Wiget der einzige Kandidat für das Gemeindepräsidium aus den Reihen des Gemeinderats bleiben wird.

«Weit weg von liberalen Werten»

Doch gegen einen grünen Gemeindepräsidenten regt sich Widerstand. Allen voran die FDP sträubt sich gegen diese Vorstellung. «Wir können uns nicht vorstellen, eine Wahlempfehlung für Cyrill Wiget abzugeben. Er ist für uns nicht wählbar», sagt Parteipräsident Robert Marty. Wiget sei in seiner Philosophie und seiner Politik «weit weg von den liberalen Werten der FDP. Grüne Politik ist nicht wirtschaftsfreundlich», so Martys Fazit.

Für die FDP habe das Gemeindepräsidium eine «hohe Bedeutung». Es sei darum im Interesse der FDP, dass das Amt in bürgerlicher Hand bleibe, bekräftigt Marty.

Kandidiert Senn doch noch?

Doch der einzige FDP-Gemeinderat Matthias Senn sagte am 15. April in unserer Zeitung, dass eine Kandidatur «kein Thema» sei. Senn weilt zurzeit in den Ferien und ist für Medienanfragen nicht erreichbar. «Die Ausgangslage hat sich mit der Kandidatur von Cyrill Wiget verändert», sagt Robert Marty. Er stellt aber klar: «Wir werden nicht versuchen, Matthias Senn zu einer Kandidatur zu überreden.» Der Wunsch, Gemeindepräsident zu werden, müsse von Senn selber kommen. Man werde aber sicher noch einmal mit ihm darüber sprechen, so Marty.

Frontalangriff auf die SVP

Zunächst einmal warte man aber die Nomination der SVP ab. «Wenn die SVP einen guten Kandidaten bringt, können wir ihn auch für das Gemeindepräsidium unterstützen», so Marty. «Falls Wiget aber der einzige Kandidat bleiben sollte, ist es durchaus vorstellbar, dass wir neben Matthias Senn einen weiteren Kandidaten für den Gemeinderat und das Gemeindepräsidium aufstellen werden», erklärt der FDP-Präsident.

Das ist ein frontaler Angriff auf die SVP, denn ein zweiter FDP-Gemeinderat könnte nur auf Kosten der Volkspartei gewählt werden. Für SVP-Präsident Peter Portmann ist ein Gemeindepräsident Cyrill Wiget kein rotes Tuch. Das Amt werde nach der Departementsreform sowieso in erster Linie aus Repräsentationstätigkeiten bestehen, so Portmann. «Das kann Wiget von mir aus schon machen», findet er. Falls die FDP mit Wiget nicht leben könne, müsse sie einen eigenen Kandidaten bringen, so Portmann. Aber nicht auf Kosten der SVP: «Wenn die FDP unseren Gemeinderatssitz angreifen würde, bekäme sie ein grosses Problem mit uns», so der SVP-Präsident.

SVP verzichtet auf Präsidium

Doch genau dazu könnte es kommen, denn die SVP hat am letzten Montag beschlossen, keinen Kandidaten für das Gemeindepräsidium ins Rennen zu schicken. «Einer, der von aussen kommt, kann nicht sofort Präsident werden», so Portmann. Noch vor wenigen Wochen klang das anders. Da liess Portmann verlauten, die SVP wolle das Gemeindepräsidium «um jeden Preis verteidigen». Von dieser Position ist die Partei nun abgerückt – wohl auch, um den Sitz im Gemeinderat nicht zu gefährden. Denn unter allen anderen Parteien sind Zweifel vorhanden, dass die SVP einen ihrer Ansicht nach «valablen» Kandidaten präsentieren kann.

Drei bis vier Kandidaten

Laut Peter Portmann wird die Volkspartei am 24. Juni ihren Kandidaten nominieren. In Frage kämen «drei bis vier Personen», verrät Portmann. Darunter sei auch eine Person, die nicht im Einwohnerrat vertreten ist.

Namen nennt Portmann keine, doch es ist davon auszugehen, dass der Präsident der SVP-Einwohnerratsfraktion, Martin Heiz (55), ein Name auf der Kandidatenliste ist. Auch Patrick Koch, mit 42 Jahren jüngstes Mitglied der SVP-Fraktion, ist eine denkbare Variante. Koch sitzt seit über zehn Jahren im Krienser Einwohnerrat und verfügt dadurch trotz seines relativ jungen Alters über viel Erfahrung im parlamentarischen Betrieb.

Estermann überlegt es sich

Einige SVPler liebäugeln offenbar auch mit der Krienser SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Sie winkte auf Anfrage unserer Zeitung zunächst zwar ab. Doch wenig später meldete sie sich nochmals mit folgender Aussage: «Es ist noch alles offen, aber nachdem ich mit verschiedenen Personen sprach, könnte ich mir eine Kandidatur vorstellen.»

Eine weitere mögliche SVP-Kandidatin ist Katja Staub. Die Vizepräsidentin der Ortspartei mit Jahrgang 1971 ist aber erst seit Anfang 2014 im Einwohnerrat vertreten. Zudem hat sie sich dort noch keinen grossen Namen gemacht. Doch Staub hat mit ihrer (erfolglosen) Kandidatur bei den Kantonsratswahlen 2015 gezeigt, dass sie durchaus Ambitionen auf ein höheres Amt hegt.

SVP will keinen Parteilosen

Der parteilose Erwin Schwarz, der bei den Gemeinderatswahlen 2008 von FDP und SVP gegen den damals neu antretenden Lothar Sidler von der CVP portiert wurde, kommt als SVP-Kandidat hingegen nicht in Frage. «Das ist überhaupt kein Thema», sagt Peter Portmann dazu.

Dominik Weingartner